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Catharina Peters schreibt aus Henan, Zhengzhou (China)


Hallo...
seit dem 25. August bin ich nun schon in China, Henan, Zhengzhou. Zhengzhou hat 7Millionen Einwohner, ist aber eine “Kleinstadt” fuer chinesische Verhaeltnisse. Das ist zumindest das, was hier alle sagen. Ich geniesse hier echt jeden Tag und erlebe so viele neue aufregende Dinge. Hier ist so gut wie alles ein wenig anders. Ich fang daher mit dem an, was mich fast den ganzen Tag beschäftigt – die Schule.

Ich stehe morgens um 6.20Uhr auf, um den Schulbus um 6.50Uhr am Ende der Strasse zu nehmen. Eigentlich ist es ein Bus fuer die Lehrer, weil alle Schueler meiner Schule in Dormitorys schlafen. Vormittags habe ich 4Stunden in meiner chinesischen Klasse. Jede Stunde ist 50Minuten, dazwischen 10Minuten Pause. Um 9.15Uhr trifft sich die ganze Schule auf dem Fussballfeld, um die Morning Exercises zu machen. Die Morning Exercises sind ziemlich lustig aussehende Turnuebungen, die keine besondere Sportlichkeit erfordern. Zweimal in der Woche wird das Ganze dann noch um "Eye-Massage"-Uebungen erweitert, in denen man seine Augen entspannen soll. Montags ist Fahnenhissen. Meine Schule ist mit 5000Schuelern und 1000Lehrern die groesste in ganz Henan, der Provinz, in der ich wohne. Somit sieht es dann sehr beeindruckend aus, wenn 6000 Leute in eine Richtung starren und warten, bis eine Flagge oben am Mast ist.
Um 11.20Uhr ist es dann Zeit fuer Grade1 zu essen. Grade 2 und 3 haben noch eine Stunde laenger. Unsere Kantine ist fuer chinesische Verhaeltnisse ein wenig teuer, aber eigentlich ist es billig. Ich komme mit meinen 120?(12Euro) fuer einen Monat locker aus. Nachmittags hab ich dann mit den anderen Auslaendern(insgesamt sind wir 11 plus ein Koreaner, der aber hier als normaler Schueler ist) Chinesischunterricht. Anfangs hatten wir immer 2Stunden Chinesich. Seit Mitte Oktober haben wir nur noch eine Stunde Chinesisch und dann jeden Tag eine Stunde ueber Chinesische Kultur, wie Malerei, Geschichte, Erdkunde, Kalligraphie,Musik und Sport(KongFu). Danach koennen wir fuer 1Stunde in der Buecherei die Computer nutzen. 2 Etagen mit hunderten von neuen PCs, davon kann man echt nur traeumen. Und meistens benutzt sie auch niemand. Danach hab ich dann 1Stunde ???. Das ist eine Mischung aus Cheerleading und Gymnastik-Tanz. Um 16.10Uhr sitz ich dann wieder im Schulbus auf dem Weg nach Hause! Mein Schulleben ist aber mehr als laecherlich im Vergleich zu meinen Mitschuelern. Sie machen um 6Uhr Fruehsport (rennen um das Schulgelaende) dann Unterricht. Nachmittags haben sie dann noch weitere 4 Stunden Unterricht. Zwischen 17.40Uhr und 19Uhr ist Zeit fuers Abendessen. Danach 2Stunden Self-Learning-Class, in denen sie aber ihre Hausaufgaben machen. Um 21Uhr ist fuer die meisten Klassen Unterrichtschluss(manche haben noch eine Stunde mehr). Der Strom wird um 22Uhr abgestellt. In den Dormitories sind 8 Maedchen oder Jungen in einem kleinen Raum. Die Dusche ist ueber der Toilette.
Das ganze 6Tage in der Woche. Samstag nach 12Uhr koennen sie nach Hause gehen, muessen aber Sonntag vor 18Uhr wieder in der Schule sein. Ich moechte nicht tauschen! Auch wenn ich es wahrscheinlich einmal fuer eine Woche machen werde, um das ganze auch einmal zu erleben.

Abends komme ich dann in meine Gastfamilie. Ich verstehe mich echt super mit ihr. Abgesehen von meiner Schwester kann niemand in der Familie Englisch sprechen, was zu Anfang ein ernsthaftes Problem war. Aber nun kann ich wirklich sagen, dass ich es so gut finde, denn mein Chinesisch macht dadurch taeglich grosse Fortschritte. Nach dem Abendessen sitze ich meistens noch fuer etwa 1Stunde mit meiner Mama am Esstisch und rede einfach nur mit ihr. Mein Papa kommt meist nur am Wochenende nach Hause.

Am Wochenende mach ich viel mit Freunden. Ich darf fuer chinesische Verhaeltnisse lange rausbleiben. Meine Mama sagt immer, ich soll aufpassen, dass es sicher ist und am Besten mit irgendwem wiederkommen, der in der Naehe wohnt, dann ist das kein Problem. Andere muessen schon um halb 10Uhr zu Hause sein!
Wenn meine Familie sich mit Freunden trifft, ist es meist die chinesische Art, man trifft sich in irgendeinem Restaurant, um gemeinsam zu essen. Das ist manchmal sehr anstrengend, wenn man am Wochenende dann 4mal zum Essen weggeht.

Ich muss schwärmen, das Essen hier ist einfach Spitze! Meine Familie hat mir nun schon die meisten traditionellen chinesischen Speisen zum Probieren gegeben, die man hier in der Region kaufen kann. Wenn man in Deutschland in ein chinesisches Restaurant geht, bekommt man total andere Dinge, als hier. Zum Beispiel Peking Ente: in Deutschland bekommt man, wenn man sie im Restaurant bestellt , eine Ente mit suess-saurer Sosse. Hier hingegen kleingeschnittene Ente, die man in eine braune soja-aehnliche-Sosse tunkt und dann in Brot einrollt. Ich bevorzuge die chinesische Variante! Generell gibts hier nicht wirklich suess-saures Essen. Und nein, hier isst man weder Hund noch Katze! Manchmal kriegt man wohl Hund, weil es dich im Winter vor der Kaelte schuetzen soll… aber ich bin nicht im Sueden, wo die Leute wohl so ziemlich alles essen…

Vor kurzem war ein Reporter von der groessten Zeitung Henans bei uns an der Schule. Er wollte ein Interview mit ein paar von uns Austauschschuelern machen. Eine der Fragen war dann, was unser erster Kulturschock war. Ich schreib nun mal zu den Dingen, die uns spontan eingefallen sind…

1. Die Luft ist schmutzig

In Beijing angekommen sind wir dann aus dem Flughafen rausgegangen und was sieht man dort? Nichts! Denn die Luft in Beijing war grauenhaft…Im wahrsten Sinne des Wortes, denn es war wirklich nur grau! Man konnte nicht besonders klar sehen, und ich hoffte nur, dass es nicht ueberall so ist. Ich habe Glück mit meiner Gaststadt. Da ich in keiner großen Industrie-Stadt wohne, ist die Luft hier ziemlich klar. Als ich aber in den National-Ferien in die Berge gefahren bin, hab ich den Unterschied gemerkt. In den Bergen kann man die Luft echt geniessen!

2. Es ist alles so billig

Ja, anfangs denkt man wirklich so. 8Personen im Restaurant essen bis sie fast platzen und das ganze kostet keine 14Euro? Das ist nun ein Beispiel von vielen. Uhren fuer 3Euro, ein Schreibblock fuer 15Cent. Nunja, hoert sich wirklich nicht wahr an, ist es aber! Nach und nach denkt man aber in dieser Preiskategorie und mittlerweile findet man es dann doch zu teuer, mit dem Taxi zu fahren(ne halbe Stunde mit dem Taxi kostet etwa 1.20Euro) und nutzt den Bus, 10Cent fuer eine Fahrt.

3. Jeder starrt dich an

Da ich nicht in Shanghai oder Beijing gelandet bin, wo sich recht viele Auslaender rumtreiben, sondern in Zhengzhou, wo es kaum Auslaender gibt, ist es auf der Strasse manchmal total nervend. Man laeuft und um dich herum, es drehen sich auf einmal alle um, um dich zu betrachten. Dir wird von manchen “Hello” gesagt, und manche hoeren gar nicht mehr auf, dich anzustarren. Neulich war ich mit meiner Schwester, Cousine und Freunden in einem Park zum Inline-Skating fahren. Um mich herum haben sich dann 10 kleine Kinder versammelt, die es lustig fanden, sich am mir festzuhalten, und sie wollten unbedingt mit mir spielen…

4. Kleine Kinder pinkeln auf die Strasse

Ja, das hoert sich jetzt wirklich komisch an. Als ich in Beijing aus dem Flughafen rausgegangen bin, hab ich dann den ersten kleinen Jungen gesehen. Einfach am Strassenrand hinstellen und pinkeln, da kleine Kinder keine Windeln tragen, und die Hosen im Schritt geoeffnet sind!!! Wieso sie das machen? Viele haben nicht das Geld fuer Toiletten bzw. oeffentliche Toiletten. Ausserdem denken sie, dass alle ja Schuhe tragen und das dann ja ok ist…

Ahja Toiletten hier sind ganz lustig. Ich bevorzuge mittlerweile schon die chinesische Variante(eine in den Boden eingelassene Toilette, ueber die man sich hockt). Es ist hygienischer, da man nicht mit den Bakterien, die andere auf der Toilette moeglicherweise hinterlassen, in Beruehrung kommt.

“ Renn um dein Leben”

JingSanLu. Das ist die naechst groessere Strasse, wo auch mein Busstop ist. Wenn ich nach der Schule zum FitnessCenter geh und dann 1Stop frueher aussteige und die Strasse ueberqueren muss, ist es jades mal ein Abenteuer! Gestern war es echt schlimm! Ich bin mit Vale, der Italienerin ausgestiegen und wir mussten ueber die Kreuzung. Auch wenn Rot ist stoert sich keener dran. Da die moisten Autos standen, weil sie nicht mehr vorwaerts kamen, haben wire s denn gewagt auf die STrasse zu gehen. Auf einmal kam ein Taxi mit Vollspeed angefahren. Vale war etwa 2Meter neben mir und wenn ich nciht geschriehen haette, waer sie ueberfahren worden. Das Taxi ist dann an uns vorbeigebraust. Dann haben wir uns sicher gefuehlt, weil alle Autos standen. Womit wir nicht gerechnet hatten, war, dass ein rechtsabbeigendes Taxi einen Weg findet und uns dann ein zweites Mal fast ueberfaehrt. Wir sind dann ueber die Strasse gerannt und mussten auf dem Buergersteig erst einmal lichen. Die erste zu ueberquerende Strasse war geschafft, aber wir mussten noch ueber die zweite. Wir dann zwischen den stehenden Autos durch. Als wir in der Mitte der Strasse waren, ist die Ampel auf gruen umgesprungen und von der anderen Strassenseite kamen die Autos. Wir haben uns dann duenngemahct und gewartet, bis keine Autos mehr kommen. Puuh… Dann war nurnoch ein etwa 20Meter Weg auf einer Parkplatzstrasse. Normalerweise fahren dort kaum Autos und falls ja, dann sehr langsam, weil sie ja einparken wollen. Gestern hoeren wir dann nur Hupen und sind zur Seite gesprungen, weil wir schon geschockt genug waren. Ein Auto braust mit etwa 30km/h oder schneller an uns vorbei. Als wir dann ins Gebaeude gehen wollten haben wir uns zwischen ein paar parkenden Autos durchgequetscht. Auf einmal faengt eins an zu Hupen- die Allarmanlage, weil wir zu nah waren. Als wir dann am Aufzug standen mussten wir erstmal Minutenlang nur lichen, weil wir so etwas selbst hier noch nicht erlebt haben, und das ganze auch wenn es gar nicht Freitag war, wo der Verkehr noch tausend mal schlimmer ist.

Mittlerweile geht hier der Herbst/Winter los. Anfang November konnte ich hier noch imT-Shirt rumlaufen, auch wenn ich in Mittel-China und nicht im Sueden bin! Donnerstag geht’s dann nach Guilin, weiter in den Sueden mit den anderen Austauschschuelern und ein paar auslaendischen Lehrern. Ich muss nun zum Schluss kommen, denn meine Stunde im Internet ist so gut wie zu Ende.

Bericht 2

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letztes Update 19.03.2007