Ein Schuljahr im Ausland
Nachrichten aus Oxford,
Großbritannien
von Ann Kristin Pfänder
Ich bin jetzt schon mittlerweile sechs Monate hier in Oxford
in Great Britain habe mich schon sehr gut eingelebt und an
das englische Schulsystem gewöhnt, meine Hobbies hier
aufgenommen und nette Freunde gefunden.
Im September 2006
hier angekommen, war es nur noch eine Woche bis zum Schulbeginn,
der natürlich genau auf meinem
16. Geburtstag fiel.
In dieser einen Woche habe ich schon erste Eindrücke
von England sammeln können. Eine Sache, die auf dem
Programm stand, war der Besuch des großen Pferdefestivals
am Blenham Palace in Woodstock, nur sechs Meilen von Oxford
entfernt. Obwohl ich mich nicht sonderlich für Pferde
interessiere, war ich insgesamt von dem Ereignis fasziniert.
Die ganze Atmosphäre war einfach sagenhaft. Mir viel
auch sofort auf, wie freundlich alle Engländer sind.
Obwohl man sich nicht kennt, grüßt man sich und
alle sind sehr hilfsbereit. Dieser erste Eindruck hat sich
bis heute nicht verändert. England ist ja für seine
Höflichkeit bekannt und ich kann das nur bestätigen,
man hört sehr oft die Worte "please", "thank
you" und "you are welcome".
Dann ging es aber auch schon mit der Schule los. Ich besuche
hier die staatliche Cherwell School, die zu den besten öffentlichen
Schulen des Landes gehört (im Ranking unter den top
ten). Auch hier wurde ich sofort sehr positiv aufgenommen
und zusätzliche Hilfe wurde mir angeboten.
Am Anfang musste ich mich erst einmal an das andere Schulsystem
gewöhnen, was mir insgesamt aber sehr gut gefällt.
In der "Sixth Form" (bei uns Oberstufe) wählt
man nur vier Fächer, die auf den Abschluss und das anschließende
Studium bzw. Ausbildung ausgerichtet sein sollen. Dazu kommen
noch "General Studies" und "Complementary
Studies". Die Fächerwahl ist riesig und kein Fach
ist obligatorisch. Man kann selbst Theaterstudien, Fotografie,
Psychologie, Medienstudien und Musiktechnologie belegen.Ich
habe mich für Mathe, Französisch, Geschichte und
Philosophie & Ethik entschieden. So habe ich Einblicke
in ganz verschiedene Bereiche.
" General Studies" umfasst
Allgemeinwissen, aufgeteilt in drei Bereiche Kultur, Soziales
und Naturwissenschaften.
Complementary Studies" soll den Zusammenhalt
und das bessere Kennenlernen unter den Schülern fördern.
Man kann aus zahlreichen Optionen wählen, Fotokurse,
Kinoprojekte (Filme in verschiedenen Sprachen), Kochkurse
oder so etwas wie eine Pfadfinderauszeichnung und noch vieles
mehr.
Da es durch meinen Stundenplan nicht möglich war, einen
dieser Kurse in den "Complementary Studies" zu
besuchen, habe ich mich entschieden, die Schule durch meine
Mithilfe zu unterstützen. Was kann ich besseres tun,
als im Deutschunterricht der Jahrgangsstufe 7 (bei uns 6)
auszuhelfen, die in ihrem ersten Lernjahr sind !!! Das macht
super viel
Spaß und ist durch den Rollentausch eine andere Erfahrung.
Jeden Morgen geht die Schule pünktlich um 8:30 Uhr
los. Auf Pünktlichkeit wird sehr großer Wert gelegt,
wer zweimal innerhalb einer Woche zu spät in eine Stunde
kommt, muss nachsitzen - und das am Freitagnachmittag nach
der Schule. Wer will das schon?
Dann geht es ab in unsere
Klassenräume, wo unser Klassenlehrer
schon auf uns zur "registration" wartet. Dabei
wird jeden Morgen die Namensliste vorgelesen und geprüft,
wer anwesend ist. Die restlichen zehn Minuten werden genutzt,
um Organisationsabläufe zu besprechen. Verbleibt noch
Zeit, hat man Glück, um den Hausaufgaben den letzten
Schliff zu verpassen oder mit seinen Freunden zu quatschen.
Einmal die Woche wird jedoch von diesem Ritual abgewichen,
denn dann versammelt sich die gesamte Jahrgansstufe in der
Aula. Dort sitzen wir also mit 254 Schüler/innen der
Jahrgangsstufe 12 und sagen keinen Ton, so dass man jedes
Wort bis in die letzte Reihe hören kann (ja !! - ohne
Mikro).
Die Themen der Vorträge sind unterschiedlich. Mal sind
es politische Ereignisse aus aller Welt oder wir erhalten
viele Informationen über englische Universitäten
und Ratschläge und Tips, welche Uni in welchem Fach
besonders gut ist.
Die beste Versammlung war die letzte vor den Weihnachtsferien;
es wurden Weihnachtstexte vorgelesen, der Schulchor hat
gesungen und dann gab es einen Weihnachtslieder-Sing-Wettbewerb
aller Klassen, den unsere Klasse gewonnen hat, weil unser
Beitrag der schönste und lautestete war. Zur Belohnung
gab es leckere Schokolade!
Jetzt aber weiter im Tagesablauf. Nach der "registration" geht
es los zu den Unterrichtsstunden. Der Stundenplan gilt für
zwei Wochen und ich habe in diesem Zeitraum neun *Zeit*stunden
Unterricht in jedem Fach.
Was ich am Anfang nicht glauben konnte ist, dass mich in
jedem Fach zwei Lehrer unterrichten, vier Stunden mit dem
einen Lehrer und fünf mit dem anderen. Die Lehrer behandeln
unterschiedliche Bereiche des Faches. In Geschichte lerne
ich zum Beispiel über den Aufstand in den Niederlanden
mit Lehrer A und mit Lehrer B über Englische Geschichte
im 16. Jahrhundert.
Noch unglaublicher ist aber die Größe der Kurse
mit 13 bis 17 Schülern.
Nach zwei Unterrichtsstunden gibt es dann eine Pause und
dann folgt eine weitere Schulstunde, bevor wir eine Stunde „Lunchtime“ haben.
Die Pausen verbringe ich mit meinen Freunden im Gemeinschaftsraum
oder gehe ein bisschen in die Stadt, was beides Privilegien
der Obsterstufenschüler sind!
Nach dem Lunch trifft man sich mit den andern Mitschülern
dann wieder im Unterrichtsraum zu weiteren zwei Schulstunden.
Um 15:05 Uhr kommt dann endlich die erlösende Klingel
und alle Schüler strömen aus der Schule.
Danach
geht es dann ab an die Hausaufgaben, die teilweise bis zu
zwei Stunden täglich in Anspruch nehmen. Woran
ich mich erst mal gewöhnen musste, waren die Vielzahl
und der Umfang der Aufsätze, die man schreiben muss.
Aber mittlerweile geht auch das, die Kunst ist lediglich,
sich seine Zeit gut einzuteilen.
Auch meine Hobbies kommen hier nicht zu kurz, da ich zwei
Mal die Woche Tennis spiele, im Schulorchester mitspiele
und Flötenunterricht erhalte.
Letzten Monat habe ich sogar noch an einem Projekt mitgearbeitet,
bei dem ich in einem Bläserquintett mitwirken durfte,
dass „Peter und der Wolf“ in einer Grundschule
aufgeführt hat, um Kinder zu ermutigen, ein Blasinstrument
zu erlernen. Alle Kinder waren sehr still und haben fasziniert
zugehört und zugeschaut, während Erstklässler
die Handlung szenisch dargestellt haben.
Ansonsten bin ich auch schon ganz gut in England rumgekommen.
Ich war unter anderem in Bath und habe mir die traditionellen
römischen Bäder angeschaut, war in London zum Sight-seeing
(und natürlich Shoppen) und habe ein Wochenende in Wales
direkt am Meer verbracht. Demnächst geht es noch mal
ab in den Norden zu Freunden für ein Wochenende.
Dann war zwischendurch mal Weihnachten- stellt euch vor.
Das wird hier aber erst am 25. Dezember gefeiert. Dafür
aber morgens. Meine Geschenke wurden schön in traditionellen
Strümpfen verpackt und auch das Essen war Tradition
pur mit großem Truthahn und Plumpudding.
Außerhalb dieser vielen Aktivitäten verbringe
ich meine Zeit mit meinen Freunden. Mal treffen wir uns zum
Essen und Ausgehen andere Male aber auch einfach nur um ein
bisschen zusammen zu sitzen und Spaß zu haben.
Soooo das war es jetzt aber auch erst einmal von mir, ich
werde mich demnächst noch einmal melden.
Ann Kristin
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