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Ein herzliches 'Hello' aus Pitt Meadows/Kanada

von Dustin Segeth

Die Haelfte meiner Zeit ist ja jetzt vorbei, und da gibt es einiges fuer meine Freunde, Klassenkameraden/innen und meine Schule zu berichten. Erstmal hoffe ich, dass es bei euch gut laeuft! Bei mir ist alles bestens.
Hier in Pitt Meadows faengt gerade die Regenzeit an und ich muss mir noch viele viele Herbst- und Winterklamotten kaufen, da ich natuerlich nur fuer den Sommer ausgeruestet war.

Ich bin hier schon drei Wochen, bevor die Schule anfing, angekommen, da ich ein Summer Program fuer International Students mitgemacht habe, um anfangs besser reinzukommen. Das war eine gute Entscheidung, denn ich hab schon soviel mehr gesehen und besichtigt 'als der eine oder andere Kanadier', wie mir spasseshalber gesagt wurde.

Der Flug hierhin verlief soweit problemlos,obwohl die Nervositaet bei mir Stunde fuer Stunde anstieg. In den 9 Stunden hatte ich viel Zeit zum Nachdenken was 'zum Teufel mich dazu gebracht hat, in ein so entferntes Land zu reisen. Aber als wir dann endlich angekommen waren,fing es an mir zu gefallen. Im Flugzeug selber waren auch schon die meisten der anderen Austauschschueler, die ebenfalls im Camp waren. Nach den drei Wochen gingen sie aber dann zu ihren Schulen, die in ganz Kanada verteilt sind, und hatten somit eine erste Gastfamilie fuer die Campzeit.

Nachdem ich dann meine Koffer geholt und mein Visum gekriegt hatte, ging's ab zum Bus, der uns zur Maple Ridge Secondary School fuhr, wo dann unsere Gasteltern auf uns warteten. Der Bus war die erste Sache, die mir in Kanada gefiel, denn natuerlich war es ein typischer gelber amerikanischer Schulbus. Ich hatte nie damit gerechnet, dass ich darin einmal sitzen wuerde. (geschweige denn , dass es mir in den Sinn kam)

Auf dem Weg zur Schule verflog meine Aufregung ganz ploetzlich und ich wollt meine Gastfamilie endlich kennenlernen. Ausserdem war ein bekanntes Gesicht ja immer dabei. (Michael)

Naja, auf jeden Fall fuhren wir dann nach 1.30h vor der Schule vor, wo ca. 50 Leute auf "Die Deutschen" warteten. Ich erkannte meine Gastmutter sofort,(die mit meiner Gastschwester,16, da war) als wir aus dem Bus ausstiegen, liess mich aber dann doch von unserer Koordinatorin zuweisen, wie jeder andere auch, bevor ich hinging . (Ja ich weiss... war die Aufregung). In dem Augenblick sagte ich mir noch selber: "Jetzt gehts los" . Was war wohl der erste Satzaustausch... ?

"Hello Dustin. How are you?" - "Thanks, I'm fine and you?" ... Soweit kamen wir dann gut ins Gespraech und sie war mir auch gleich sympathisch. Kanadier sind sehr freundliche Menschen.

Am naechsten Tag ging's auch gleich um 8.30 Uhr weiter: "Orientation and Welcome" stand auf dem Programm. Wir trafen uns alle wieder an der Maple Ridge S.S. , inder wir dann weitere Infos erhielten. (z.B. was wir in den drei Wochen machen werden, wir bekamen unsere 'Medical Insurence Card', ob alles glatt ging, unsere Organisationsbetreuerinn hat sich vorgestellt usw. )

Auf jeden Fall ging's danach gleich weiter zum 'Golden Ears Provincial Park'... wandern. Das ist einer der groessten Parks in der Province und die Natur dort ist einfach klasse. (hat mich gleich umgehauen...es gibt schon frische Luft; das war frischer) Danach gegen 12 Uhr sind wir bei "Gold Creek" am See schwimmen gegangen. Leider war ich der einzige, da es mega kalt war, aber wenn ich schonmal da bin... &n bsp; Das Wasser dort ist glasklar (und kalt) mit wunderschoenen Bergen drum herum. Gegen 15Uhr waren wir dann wieder zu Hause.

Generell ging's immer sehr frueh morgens los (natuerlich variierten die Zeiten, nachdem was wir unternehmen wollten) und wir waren meistens gegen 16 uhr und spaeter zu Hause. Samstags und sonntags hatten wir aber frei und konnten was mit unser Gastfamilie unternehmen. Ich hab ihnen dann meine Gastgeschenke gegeben ueber die sie sich sehr gefreut haben. Meine Gastschwester war sofort ganz verrueckt nach Gummibaerchen. (generell sind alle ganz verrueckt nach unseren Gummibaerchen) Gluecklicherweise hatte ich ca. 5 kg dabei.

Was wir dann sonst so in den 3 Wochen gemacht haben: Indoor Rock Climbing, All day at Whistler, wo wir dann "Ziptreking" waren; d.h ein Stahlseil ist von einem Abhang zum anderen gespannt und jeder einzelne seilte sich dann ueber die Schlucht . (In Whistler finden die naechsten Olympischen Winterspiele statt; deswegen sind sie hier fleissig am um- und bauen) Die Natur und die glasklaren Fluesse unter uns sind klasse; In Vancouver shoppen, den Stanley Park angucken (den 400 Hektar großen im Stadtzentrum gelegenen Kern), das Aquarium Center dort anschauen; Sightseeing in Victoria auf der Insel ; Whale Watching am Meer;

Hiking auf dem Grouse Mountain (dies war der haerteste hike ever, den ich wohl je machen werde...wir wurden zwar voher schon von unser Betreuerin gewarnt, dass es hart ist, aber nicht einmal das war der richtige Ausdruck. brutal passt besser...2.9km richig steil nach oben) ; Sightseeing auf Bowen Island; Shopping in Metrotown; Canadas groesstem und populaerstem Park mit der aeltesten Holzachterbahn in Amerika auch genannt P.N.E ; Windsurfing am Meer.

Danach mussten die anderen dann auch zu ihren richtigen Gasteltern und zu ihren richtigen Orten.

Naja... und dann fing auch schon die Schule an! Voher musste ich noch die ganzen Schulsachen einkaufen und da finden die ersten Ueberraschungen an. Kein Mensch kennt oder benutzt hier Schulhefte oder einen Fueller. Als ich meinen Freunden den Fueller und den Tintenkiller zeigte, waren sie richtig erstaunt. Fuer manche war der Tintenkiller 'eine der coolsten Sachen', die sie je gesehen hatten. Auf jeden Fall benutzt man hier 'Binder'. Jeder fuellt sich den dann mit Papier...fertig. Und dann so einen grossen Binder fuer fast jedes Fach...

Ausserdem sind Schultaschen hier out. Nur wenige Schueler benutzen ernsthaft ihre Schultasche. Schliesslich gibt es doch typische 'Locker' ,in den man seine Schulsachen reinpackt. Die Schultasche benutzt man, wenn ueberhaupt um diese dann nach Hause zu bringen. (Ganz nebenbei... fast NIEMAND benutzt ein Fahrrad!!! Warum?- Es macht einfach keiner...fuer uns ist es ja normal, als ich aber meinen Freunden erzaehlte, wieviele Schueler mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder es generell benutzen, waren sie erstaunt und fanden es einfach nur lustig. Ein Fahrrad mit Schutzblech habe ich bis jetzt auch noch nicht gesehen. So...was macht man dann? Gehen. Andererseits darf man hier auch schon mit 16 mit dem Auto fahren und viele meiner Freunde haben eins.

Zurueck zu meinem ersten Schultag. Mega aufgeregt, vor Nervositaet fast gestorben und eine Art von Vorfreude gehabt. Natuerlich wurden wir International Students erstmal in der grossen Cafeteria oder hier auch "Multi Purpose Room" genannt vom Schuldirektor und anderen Lehrern empfangen. Wir waren ungefaehr 60 International Students. Ich wuerde sagen ein bisschen mehr als die Haelfte Asiaten und der Rest aus Europa. Dann hat jeder seinen Stundenplan bekommen und es ging ab auf den Weg zu unserer ersten Stundenklasse. Mein Stundenplan war erstmal komplett falsch, was ich dann in der laufenden Woche geregelt und geaendert habe. Was mir dann alleine auf dem Weg zu meiner Klasse in den Sinn kam: ' Die Stunde laeuft schon eine halbe Stunde und du platzt da jetzt einfach mal rein. Natuerlich sind alle Augen auf dich gerichtet'.

Ich glaube, ich brauchte eine halbe Minute oder mehr, als ich an der Tuer anklopfte. Naja...so schlimm war es dann auch nicht. Meine Gasteltern bestaetigten mir schon in den drei Wochen vorher, dass ich richitg gut englisch sprechen kann und soweit keine Probleme haben sollte den Lehrer und die Schueler zu verstehen. So war es dann auch. Ich habe meine Lockernummer gekriegt, eben erklaert, warum ich spaet kam und wer ich bin. Danach durfte ich auch endlich auf meinen Platz. Lustige Einzeltische. Die Stunde verlief dann auch ganz gut und ich habe mir die ersten paar Woerter von Kanadierinnen erklaeren lassen. Generell waren alle am Anfang sehr hilfsbereit. Am ersten Tag hatten wir auch nur zwei Stunden.

Der erste Kanadier, den ich getroffen hatte, welcher auch einer meiner Freunde ist, war James. Wie gesagt, musst ich auch gleich am ersten Tag ,wie alle anderen Europear auch, meinen Stundenplan aendern und James war so spontan und 'schneite' mal ins Office hinein. Wir kamen gleich gut ins Gespraech und die naechsten Tage zeigte er mir dann alles. James ist und bekam einen 'Award' als 'School Spirit' der Schule. Durch ihn habe ich auch andere Leute kennengelernt.

Ehrlich gesagt orientert man sich anfangs erstmal zu den anderen deutschen Austauschschuelern. Das, denke ich, ist normal, da es etwas Bekannte s und Gemeinsames gibtt. Das hab' ich aber nur 1-2 Wochen gemacht, schliesslich bin ich nicht hier um deutsch zu reden sondern neue Freunde zu finden. Dies wurde spaeter auch gar kein Problem mehr.

Naja, wie gings dann weiter?- Die naechste 'Challenge' wartete dann auf mich, als das Probetraining fuer die Schulfussballmannschaft auf dem Programm stand. Es waren schon viele Schueler dort und natuerlich auch meine anderen drei deutschen Freunde Andreas, Arne und Michel. Nicht zu vergessen meine hollaendischen Freunde Steve und Marc.

Andreas, Michel, Steve, Marc und ich haben es dann auch geschafft. Man war ich gluecklich. Unser Team ist schon ein wirklich richitg, richtig gutes Team.

Warum?- Wir haben es in die Provincials Gruppenphase von British Columbia geschafft. B.C. ist dreimal so gross wie Deutschland...Der Star der Schule war ich fuer einen Tag, als ich im letzten Spiel der Qualifikationsrunde drei Tore geschossen hatte und wir somit 4:2 gewannen und nach 36 Jahren wieder einmal in den Provincials sind. (Unsere Spiele sind naechste Woche)

Vielleicht denkt sich der eine oder andere, dass das nicht schwer ist, denn wer hoert schon was aus dem kanadischen Fussball? Diese Manschaft hier ist die beste, mit der ich je gespielt habe, und es gibt viele Spieler, die richtig richitg gut sind und auf jeden Fall besser sind als ich.

Trotzdem ist es eher eine an Basketball orientierte Schule, in der das Basketballteam komplett alles gesponsort kriegt, ein richtiges Basketball Programm hat und fast jedes Jahr in den Provincials ist.

Schulmaessig siehts hier ein bisschen anders aus. Jeder hat denselben Stundenplan. Montags startet es um 8.30 Uhr mit Block A, dann B, C, D, E. Nach Block A ist 10min Pause und nach Block C ist 45min Lunchpause. Dienstags startet es dann mit Block F, dann G, H, A, B . usw. Damit es montags auch wieder mit Block A starte,t haben wir donnerstags nur bis 13 .30 Uhr Schule ( H, A, B, C). Sonst haben wir immer bis 15 Uhr Schule.(Also ausser Donnerstags immer fuenf Bloecke) Eine Stunde geht meistens von 60min bis 70min.

Natuerlich hat jeder ein anderes Fach in dem Block. Ausserdem kann man nach der Schule zu jedem einzelnem Lehrer gehen und um Nachhilfe bitten, falls man was nicht verstanden hat. Dieser erklaert es dann solange bis man es verstanden hat.

Notenmaessig gibs keine Zahlen sondern Prozente. Was was ist, variiert in jedem Fach, aber meistens ist alles ueber 85% eine 1, ueber 75% eine 2 usw. . Sollte man unter 50% in einem Fach haben, hat man den Kurs nicht bestanden. Nach jeder Unit schreibt man einen Unit Test, welcher dann wie eine Arbeit gesehen werden kann. (Ja...somit schreibe ich viele Arbeiten) Dazwischen gibt's dann noch kleinere Quizzes und Take-Home Tests. Generell wird hier weniger auf das Muendliche geachtet. Alles basiert hier sehr auf dem Schriftlichen. Hauptfach oder Nebenfach gibt es hier auch nicht.

"Abitur" wird hier anch 12 Jahren gemacht und danach gehts aufs Collage oder die Universitaet. Nebenbei veranstaltet die Schule einen 'Halloween Dance' oder andere Tanzveranstaltungen. Am Ende des Jahres wird nochmal das "Final Exam" geschrieben, welches 40% der Gesamtnote zaehlt. Das ist eine schriftliche Arbeit , in der ALLES getestet wird, was man im Jahr gemacht habt. Da kriegt man z.B 30-40 Seiten in Mathe zum Rechnen und hat 4 Stunden Zeit. Das "Final Exam" wird in fast jedem Fach geschrieben. ( Naehen, Kochen, Food Studies, Sport usw. natuerlich ausgeschlossen)

Ich freue mich schon mal auf den Winter, wenn ich dann endlich Ski fahren kann.

Das war es vorerst von mir. Fragen nehm ich immer gern ueber meine e-mail entgegen.

Viele Gruesse ,

Dustin

 


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letztes Update 14.11.2006