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Julia Schubinski schreibt aus Wolgograd (Russland)

Hallo euch allen :)

Nach einer lange Pause melde ich mich nun noch einmal aus Russland. Fast acht Monate lebe ich schon hier und es gefaellt mir von Tag zu Tag besser. Ich werde immer mehr zu einer "Russin", kann mich ohne Probleme unterhalten, habe schon viele Freunde und viel von Russland gesehen. Im Januar war ich von AFS in Moskau, im Februar im Sueden von Russland am schwarzen Meer und im Maerz im Norden am weissen Meer. Und ueberall kann man etwas anderes sehen und ist beeindruckt, wie gross und faszinierent doch Russland ist.
Um ans weisse Meer zu fahren braucht man von Wolgograd aus ungefaehr 4 Tage. Die ersten Monate habe ich mir wirklich gedacht, was fuer grosse Entfernungen es doch sind. Aber wenn man ca. jeden Monat irgendwohin faehrt kommt einem die Zug-fahrt nach Moskau mit 21Stunden ueberhaupt nicht mehr lang vor. Bevor es in 2 Monaten nach Hause geht werde ich noch nach St.-Petersburg fahren, worauf ich mich am meisten freue. Das Tolle an den Fahrten ist, dass man die anderen Austauschschueler wiedersieht, mit denen man sich in der kurzen Zeit auch sehr gut angefreundet hat.
Mit meiner Schule und der Gastfamilie bin ich auch sehr zufrieden. Ich gehe hier auf eine sehr kleine, aber gute Schule. Ich finde nur, dass die Lehrer hier sehr streng sind. Sie schreien jede Stunde und machen die Schueler vor der ganzen Klasse laecherlich. Am Anfang fande ich es schon sehr schlimm, aber man gewoehnt sich dran. Zu mir sind sie Gott sei Dank nicht so. Ich bemuehe mich auch in jedem Fach mitzuarbeiten, was leider nicht ganz so gut klappt, da die Ansprueche der Lehrer viel zu gross sind und ich in Bio oder Physik nicht allzu viel verstehe. Dafuer klappt es aber mit Erdkunde oder Geschichte ganz gut.
Auf meiner Schule habe ich die meisten Freunde, mit denen ich fast jeden Tag etwas unternehme. Meistens gehen wir ins Kino, ins Cafe oder einfach nur spazieren, weil es hier nicht so viel gibt, was man in seiner Freizeit machen koennte. Es ist aber immer lustig. Ab und zu gehe ich auch zu verschiedenen Universitaeten oder Schulen und unterhalte mich dort mit den Schuelern, was jedoch langsam etwas langweilig wird, weil ich ueberall das Gleiche erzaehlen muss. Komisch ist nur, dass ich nie ueber Hitler oder den 2. Weltkrieg gefragt werde. Auf den Vorbereitungen hat man immer wieder gesagt, dass man darauf sehr oft angesprochen wird. Ich wurde aber noch kein einziges Mal gefragt. Meine Familie ist auch super. Mit ihnen gab es noch keine Probleme und ich bin froh bei ihnen zu leben.
Seit einem Monat bringt mir meine Gastmutter jedes Wochenende russische Spezialitaeten bei, damit ich sie in Deutschland auch machen kann. Ich habe schon gelernt, wie man Borschtsch, Schi, Blinnij, Pelemeni und Sirniki macht. Ausserdem fahren wir oft in die anderen Stadtteile von Wolgograd ( die manchmal bis zu anderthalb Stunden entfernt sind, obwohl Wolgograd eine relativ kleine Stadt ist. Das liegt aber daran, dass die Stadt sehr lang, aber nicht breit ist).

Der Winter war in diesem Jahr nicht gerade kalt. Nur in einer Woche waren es ca. -20grad. Ansonsten zwischen -5 und -10grad mit sehr wenig Schnee. Jetzt Ende April ist es auch schon sehr warm mit ca. 15-20grad. Alles beginnt zu gruenen und zu duften und die Vorfreude auf den Sommer wird immer groesser. Ich habe noch insgesamt 5 Wochen Schule, bis die Ferien hier beginnen. Vorher gibt es aber noch viele Feiertage, an denen wir keine Schule haben. Wie z.B. am 9.Mai. Dann wird der Sieg ueber die Deutschen gefeiert und ueberall in Stadt faengt man jetzt schon an mit dem Schmuecken. An dem Tag werde ich wahrscheinlich mit meiner Gastfamilie zu dem Huegel der Mutter Heimat gehen, der an die vielen Kriegsopfer erinnert. Jedes Jahr kommen tausende zu dem Huegel, es gibt Maersche und Reden der Kriegsveteranen.
Letzten Monat war hier in Russland noch ein anderer Feiertag und zwar der Frauentag am 8.Maerz. Schon einen Tag vorher haben die Jungen in der Schule allen Maedchen gratuliert, ihnen Karten, kleine Geschenke oder Blumen geschenkt. Am 8.Maerz waren wir dann bei den Grosseltern, wo wir den ganzen Tag nur gegessen (und die Erwachsenen natuerlich getrunken) haben. In den Geschaeften und auf den Strassen wird den Frauen auch gratuliert. Fuer die Maenner gibt es auch einen solchen Tag am 23. Februar. Ihnen wird auch gratuliert, aber im Grossen und Ganzen ist der Tag nicht ganz so feierlich wie fuer die Frauen.

Soo, das wars soweit aus Russland. Bis demnaechst, Julia

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Julia

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letztes Update 26.04.2007