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St. Petersburg: Paläste, Boutiquen
und Armut am Straßenrand
ASG/GSG-Schüler zu Besuch in der Metropole an der Neva
Barocke Pracht und tristes Grau, Nobelboutiquen
und Frauen am Straßenrand, die ihre Habseligkeiten verkaufen,
beschauliche Parks und dichtes Menschengewühl in den Metrozügen
- Gegensätze prägen Sankt Petersburg und machen seinen
Reiz aus.
Neben dem offiziellen Programm blieb reichlich
Freizeit, um sich Sankt Petersburg auf anderen Wegen zu nähern.
Der Newskij Prospekt, die 4,5 km lange Prachtstraße der
Stadt, ist mit seinen Boutiquen (Volksmund: "Tod der Ehemänner"),
prächtigen Einkaufspassagen, Juwelierläden, Cafés,
Schönheitssalons, den Luxushotels ein Traum der Stadt von
sich selbst, ein Traum von Weltläufigkeit und Wohlstand
und zugleich eine Erinnerung an den Luxus des alten Petersburg.

Das berühmte Feinkostgeschäft Elisseev am Nevskij
Nur wenige Schritte abseits des Newskij findet
aber das reale Leben der überwiegenden Mehrheit der Menschen
statt, sofern sie nicht sowieso in den Plattenbauten der Vororte,
in den Zweizimmerwohnungen der Chrustschow- (Chrustschowki)
oder Breshnew-Ära (Breshnewki) zu Hause sind. Sie kaufen
nicht bei Elisseev ihre Fischdelikatessen, sondern in der Markhalle
des Kuznetschnyj Rynok, wo mit den kaukasischen und aserbaidschanischen
Gemüsehändlern noch die Völkervielfalt der alten
Sowjetunion sichtbar ist.

Weintrauben und Feigen aus Samarkand
Überfluss auch hier, wenn auch zu geringeren
Preisen, aber immer noch zu teuer für viele. 1,2 Millionen
der 4,7 Millionen Einwohner Sankt Petersburgs sind Rentner.
Sie gehören zu den Verlierern des gesellschaftlichen Wandels.
Viele von ihnen betteln an den Touristenzentren, wo ihre Altersgenossen
aus dem Westen, die eigentlich den Krieg verloren haben, aus
den Bussen steigen.

Der Nevskij Prospekt ist, wie die ganze Stadt,
zur Zeit eine Riesenbaustelle. Der gebürtige Petersburger
Vladimir Putin hat mit gewaltigen Geldzuweisungen dafür
gesorgt, dass Sankt Petersburg sich für den dreihundertsten
Geburtstag im kommenden Jahr würdig herrichten kann. Überall
sind Straßen aufgerissen, der Schlossplatz fast unpassierbar,
die Fassaden der prächtigen Paläste verhängt.
Maurer, Maler, Stuckateure sind überall am Werk. Rund 2,3
Milliarden Euro sollen in die Infrastruktur gesteckt werden.
Erste Ergebnisse sind überall bereits sichtbar, wenn aus
ehemals verfallenen Hinterhöfen prächtige Paläste
auftauchen, die für Konzerte u.a. genutzt werden.

Auferstanden aus Ruinen - ein renovierter Hinterhof im Zentrum
Ob die inneren Gegensätze Sankt Petersburgs
sich glätten lassen, ist fraglich. Die Unzufriedenheit
der einfachen Menschen ist unüberhörbar, auch wenn
sie die Wiederherstellung der Stadt offenbar befürworten.
Dass vieles Liebenswerte der Stadt, das sich abseits der Prachtstraßen
in den alten Wohnvierteln befand, dabei verloren gehen wird,
ist sicher.

Ein letzter Blick vom Hotel über die Fontanka auf die
Hafenkulisse
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Katharina Wegners
Bericht
Martina Fischer
und Sharon Haarmanns Bericht
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letztes Update
08.01.2005
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