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Sankt Petersburg - Die Stadt der Gegensätze

von Katharina Wegner

Ein Lächeln spiegelte sich auf meinen Lippen als ich einen Reiseführer durchblätterte. Unter der Rubrik "unbedingt beachten" stand doch tatsächlich: Hüten sie sich davor mit Stöckelschuhen nach Sankt Petersburg zu fahren, aufgrund der schlechten Straßen besteht für ortsunkundige Touristen erhöhte Verletzungsgefahr.
- Hatte sich also doch nicht so viel in den zwei Jahren seit meinem letzten Sankt Petersburg Besuch verändert?

 
Die Pracht der Paläste, wie man sie kennt.

Das allmorgendliche Pflichtprogramm zeigte dann schnell, was sich verändert hat - nein, was sich zur Zeit immer noch in Sankt Petersburg verändert!
Die gesamte Stadt gleicht einer riesigen Baustelle und ungläubig staunt der Tourist, wenn er gesagt bekommt, dass alles schon im nächsten Jahr fertig sein soll - die Stadt soll in Pracht und Prunk erstrahlen an ihrem 300-jährigen Jubiläum.
Das Pflichtprogramm führte uns wie alle Touristen zu den Juwelen der Stadt.
Die Paläste strotzen vor Reichtum, überbieten sich in Schönheit und Eleganz.
Die Museen zeugen von einer bedeutenden Kultur und ihrer Geschichte.
- Und doch begreift man Sankt Petersburg erst, wenn man die Stadt "besichtigt". Die Menschen und ihre Schicksale "erkundet".
Dann verschwindet all der Prunk. Verblasst der Reichtum. Erscheint die Realität.
Und die ist oft bitter und arm.
An Straßenecken und vor den Metroeingängen stehen alte Damen, verkaufen selbstgestrickte Socken, Sonnenblumenkerne oder Katzenbabys.
Viele von ihnen stehen auch einfach nur dort. Unbewegt, immer eine Hand ausgestreckt um Almosen zu empfangen.
Viele Menschen in ganz Russland leben an der Armutsgrenze. Sie besitzen zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben.
Und doch überrascht mich ihr Lebenswille bei jeder Begegnung auf`s neue! Wächst meine Hochachtung vor ihnen von Tag zu Tag, denn keiner von ihnen käme auf den Einfall aufzugeben. Sie sind zufrieden mit dem, was sie besitzen, auch wenn es sich um "eine Portion nichts" handelt... Sie denken stets positiv und der Satz, den ich wohl am häufigsten in Sankt Petersburg gehört habe ist: Alles ist relativ!

Ich glaube wirklich, dass man Sankt Petersburg und von mir aus auch Russland
erst verstehen kann, wenn man die Situation der Menschen, die in diesem Land
leben, kennt.
Man kann nur erahnen, wie sie sich fühlen und wie ihr Leben aussieht. Und doch vervollständigt sich nur durch die Begegnung das Bild dieser Kultur, ihrer Menschen und deren Geschichte.

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letztes Update 08.01.2005