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Wie man in USA mit dem Drogenkonsum an Schulen umgeht
von Dennis Kloß
(Washington/Pennsylvania,
4.4.04) Ob man nun die Auffassung vertritt, dass ein wenig Cannabis
rauchen ungefaehrlich ist, der kleine Vollrausch auch noch niemandem
geschadet hat und zum jugendlichen Experimentieren dazugehoert
oder die Einteilung in legale und illegale Drogen für unsinnig
haelt, wird einer US amerikanischen Schuelerin oder einem Schueler
nur ein muedes Laecheln abverlangen.
Das Schuelerdasein hat klare und verstaendliche
Regeln. Diskussionen darueber, ob der Jugendschutz, insbesondere
beim Gebrauch von Alkohol, Tabakprodukten oder anderen berauschenden
Stoffen liberalisiert werden soll, stehen nicht auf der Tagesordnung.
Im Bundesstaat Pennsylvania, sowie in allen Staaten
der USA, ist mit dem einundzwanzigsten Lebensjahr die Volljaehrigkeit
erreicht. Ab diesem Alter ist es erlaubt, legal Alkohol zu konsumieren.
Das Rauchen und der Gebrauch von anderen Tabakprodukten, worunter
Kautabak, Schnupftabak oder nikotinhaltige Kaugummis zu verstehen
sind, ist ab dem achtzehnten Lebensjahr legal. Dies gilt allerdings
nur bedingt und auch nur dann, wenn die betreffenden Personen
keine Schueler sind oder sich in dem Einflussbereich der Schule
oder des College befinden. Ein prall gefuellter Aktenordner
mit Regeln, Verboten und Konsequenzen steht in dem Buero des
Schulleiters zur Verfuegung und kann bei Bedarf jederzeit eingesehen
werden.
Darin
ist geregelt, dass Personen zwischen sechs und einundzwanzig
Jahren als Schueler bezeichnet werden, wenn sie an einer Schule
eingeschrieben sind.Eine achtzehnjaehrige Schuelerin oder ein
gleichaltriger Schueler duerfen daher nicht rauchen, wenn sie
sich in der Schule befinden.
Wie weit der Begriff Schule in den Lebensbereich
eines Jugendlichen hineinwirkt, wird deutlich, wenn man sich
die Regeln unter der Ueberschrift „Rauchen“ genau
ansieht: Der Gebrauch von Tabakprodukten ist auf dem gesamten
Schulgelaende, in den Schulbussen und auf Gelaende, das sich
im Eigentum der Schule befindet oder angemietet ist oder unter
der Verwaltung des Schuldistricts steht, verboten.
Ein Schueler, der ein Tabakprodukt an den genannten
Orten besitzt, gebraucht oder an andere weitergibt, begeht ein
offizielles Delikt nach Act 145 des Centers for Safe Schools.
Ein erster Verstoss hat einen zeitlichen Unterrichtsausschluss
zur Folge. Weitere Verstoesse koennen zu einem voelligen Ausschluss
fuehren, einen Schulverweis oder die Strafverfolgung durch den
Staatsanwalt nach sich ziehen. Gegen Schueler, die hiergegen
verstossen, wird durch die Schuldistrictbehoerde ein Gerichtsverfahren
eingeleitet und sie werden in der Regel zu einer Strafe bis
zu 50 US-Dollar für Wohltaetigkeitszwecke zu Gunsten des
Schuldistricts, in dem der Schueler wohnt, verurteilt. Weiterhin
sind von dem Schueler die Gerichtskosten zu zahlen.
Der
Unterricht in Pennsylvania beginnt morgens um acht Uhr und endet
in der Regel nachmittags um halb drei. Damit ist der Schultag
jedoch noch lange nicht beendet. Es werden zahlreiche sportliche
Betaetigungen und auch eine Menge Neigungsveranstaltungen wie
Theatergruppen, Diskussionszirkel oder musische und handwerkliche
Kurse angeboten, an denen man teilnehmen kann. Auch hierbei
befindet man sich auf dem Gelaende der Schule, sei es auf dem
Sportplatz, in der Aula oder in einer Werkstatt. Man ist also
als Schueler in dem Geltungsbereich der Schulregeln. Lehrer
und andere Aufsichtsberechtigte sind befugt, Tabakprodukte bei
Schuelern zu Beweiszwecken zu beschlagnahmen.
Um einiges haerter wird das Verfahren, wenn Alkohol
oder Drogen im Spiel sind. Schueler, die Alkohol oder Drogen
mit sich fuehren oder auffaellige Symptome für den Gebrauch
von Alkohol oder Drogen, wie z.B. eine Alkoholfahne, auffaelliges
Sprachverhalten oder einen unsicheren Gang haben, werden in
Begleitung eines Lehrers zum Direktor gebracht, wo sie zunaechst
unter staendiger Beobachtung stehen.
Ein Bericht wird von einem Mitglied des Lehrerkollegiums
verfasst und die Eltern des Schuelers werden unverzueglich benachrichtigt.
Die Eltern kommen dann auch von ihren Arbeitsstaetten direkt
zur Schule. Es findet eine informelle Anhoerung mit dem Schueler,
den Eltern und der Schulverwaltung statt, wobei auch ein Arzt
hinzugezogen werden kann. Wenn sich dabei herausstellt, dass
es sich um einen Zustand handelt, für den der Schueler
verantwortlich ist, wird er unverzueglich fuer drei Tage von
der Schule suspendiert. Die Polizei wird benachrichtigt und
die Personalien des Schuelers oder der Schuelerin werden uebermittelt.
Hierbei wird ueberprueft, ob die Personen schon fuer aehnliche
Delikte bei der Polizei bekannt sind. Fuer die Schule gibt es
hierbei keinen Ermessensspielraum.
Nach der Rueckkehr in die Schule erfolgt eine
Konferenz mit dem guidance counselor, eine Art Beratungslehrer,
und ebenfalls mit dem Schulpsychologen. Dem Schueler wird verdeutlicht,
welche Gefahren sein Verhalten beinhaltet und welche Konsequenzen
auf ihn zukommen. Er hat die Moeglichkeit sich zu erklaeren
und gegebenenfalls um Hilfe und Unterstuetzung zur Loesung seiner
Probleme zu ersuchen. Ihm wird auch verdeutlicht, dass er von
dem Zeitpunkt an verstaerkt unter schulischer Beobachtung steht.
Wenn es zu einem erneuten Verstoss kommt, werden zunaechst die
gleichen einleitenden Massnahmen ergriffen. Der Schueler wird
jetzt jedoch für mindestens zehn Tage vom Unterricht suspendiert
und er muss nun an einer Drogenberatung teilnehmen und sich
einer Selbsthilfegruppe anschließen. Dies sind in der
Regel die anonymen Alkoholiker oder aehnliche Organisationen.
Der Schule muss eine schriftliche Bestaetigung vorgelegt werden,
die eine Teilnahme an solchen Therapien nachweist.
In Gespraechen mit Lehrern, dem Direktor der Washington High
School, einem County Sheriff und einem Richter sowie mit Mitschuelern,
wie sie mit den Regeln umgehen, und ob die Bestrafung vor der
Rehabilitation stehen sollte und was in Sachen Drogenaufklaerung
getan wird, gab es fast gleichlautende Meinungen.
Die Schueler sind mit den eindeutigen Regeln aufgewachsen
und haben sich daran gewoehnt. Es gibt keine aelteren coolen
Vorbilder an der Schule und im Kindesalter hat zunaechst keiner
das koerperliche Beduerfnis, Alkohol zu trinken oder zu rauchen,
wenn es ihm nicht vorgelebt wird.
Auch
Lehrer und Eltern, die haeufig als Zuschauer an schulischen
Veranstaltungen wie Sportwettkaempfen, Theaterauffuehrungen
oder Schulbaellen teilnehmen, fuegen sich den Regeln. Schueler
halten sich einen Grossteil ihrer Zeit in drogenfreiem Umfeld
auf und werden aktiv gegen Belaestigungen, die hier als Angriffe
gewertet werden, geschuetzt. Es gibt keine Trainer, die mit
der Zigarette an der Seitenlinie stehen wuerden oder Mannschaftssitzungen
in Raeumen, die so zugequalmt sind, dass der Nichtraucher glaubt,
er haette selbst fuenf Stangen durch die Lunge gezogen.Einige
Schueler stoert jedoch, dass die Schule befugt ist, jederzeit
die Schultaschen und Spinde bei Verdacht auf Drogenbesitz zu
durchsuchen.
In Sachen Vorbeugung wird staendig aufgeklaert.
Es werden im Unterricht die gesundheitlichen Risiken aufgefuehrt
und durch Lehrfilme und Fotos optisch verdeutlicht. Es wird
ueber gesellschaftliche Risiken gesprochen und es werden auch
Probleme mit dem Elternhaus aufgegriffen. Jeden Morgen werden
eine Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn die „Channel
One News“ gemeinsam mit dem Kurs im Fernsehen geschaut.
Hier werden in einer Nachrichtensendung, die von jungen Leuten
zwischen 20 und 30 Jahren moderiert wird, neben Weltnachrichten
auch eine Menge Spots und Informationen zur Drogenpraevention
gebracht. Hierdurch bekommt auch ein jeder in Amerika mit, was
in der Welt so laeuft.
Neben
den Schulen wird auch durch die Polizei eine Menge Aufklaerung
in Sachen Drogenmissbrauch und den strafrechtlichen Konsequenzen
betrieben. Der Sheriff kommt zu Vortraegen in die Schule und
es wird darueber berichtet, wie die Polizei die Wines &
Spirits Stores ueberwacht, damit Jugendliche keinen Alkohol
kaufen oder ihnen Alkohol verkauft wird.
Die Gefahren durch Drogen, sowohl die gesundheitlichen
als auch die fuer die Gesellschaft, sind bekannt und nach amerikanischer
Auffassung hinreichend bewiesen. Jeder kann sich darueber informieren
und es wird auch jedem, der Probleme damit hat, Hilfe angeboten.
Keiner kann sagen er haette es nicht gewusst, welche Konsequenzen
ihm erwachsen, wenn er gegen die Gesetzte verstoesst.
Deutlich wurde aber auch, dass es eine Schwelle
gibt, die, wenn sie ueberschritten wird, nicht mehr auf Toleranz
und Nachsicht hoffen laesst. Der Richter sagte, dass die amerikanische
Jugend fuer reif und muendig gehalten wird. Dies kommt dadurch
zum Ausdruck, dass es in den USA in fast allen Staaten erlaubt
ist, mit sechzehn Jahren den Fuehrerschein zu machen und ein
halbes Jahr spaeter weitgehendst uneingeschraenkt und selbststaendig
Auto zu fahren.
Wer fuer sich in Anspruch nimmt hierbei fuer reif
genug gehalten zu werden, von dem muss man auch die Reife abverlangen
koennen, zu verstehen, was es mit dem Drogenkonsum auf sich
hat.
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