Der “TIÓ”
Früher
war der 'tió' nicht mehr als ein riesiger Baumstamm, den man für
Kaminholz benutzte; es war die Zeit als das Feuer noch immer auf dem Boden
gemacht wurde. Sein Lodern gab kostbare Güter, wie zum Beispiel Hitze
und Licht, und in einer symbolischen Bedeutung gab es all den Menschen im
Haus Geschenke, zum Beispiel Bonbons, speziell eingepackte Weihnachtswaffeln
und Weihnachtsnougat.
Aus dieser primitiven Form entwickelte sich der 'tió'.
Ungefähr vor zwei Generationen war der 'tió' ein Baumstamm, den
Kinder auswählten. Er wurde auf wundersame Weise in ein Wesen verwandelt,
das für einige Tage in der Küche lebte und Geschenke für Weihnachten
gab, dann später verbrannt wurde.
Sehr bald schon wurde diese Eigenschaft, ein fantastisches Biest
zu sein, durch die Hinzufügung von kleinen Beinen zu dem Stamm verstärkt.
Sich die Form des Holzes nutzbar machend wurde ein Gesicht aufgemalt und eine
Zunge hinzugefügt. Das ist der 'tió' wie wir ihn heute in den
Städten kennen: ein Wesen, das einem Biest nicht
unähnlich
ist, kurz vor Weihnachten eintreffend, in der Küche oder im Esszimmer
lebend und darauf angewiesen, gefüttert zu werden. Das traditionelle
Futter waren Johannisbrotbohnen, trockenes Brot und Wasser; heute füttert
man es mit allen möglichen Lebensmitteln.
In den Städten finden wir Familien, die Traditionen am
Leben halten und in denen der gleiche 'tió' für alle Kinder benutzt
wurde und sogar von einer Generation zur nächsten weitergereicht wurde.
Der Zweck ist geblieben: Menschen im Haus Geschenke anzubieten. Im Laufe der
Jahre haben sich auch die Geschenke verändert: Waren es vormals Honig
und trockene Früchte, später Bonbons und gerollte Waffeln, Nougat,
d. h. alles, was man brauchte um Weihnachten zu feiern, verschenkt es heute
Spielzeug. Dennoch ist der 'tió' nie eine Geschenkproduktionsmaschine
gewesen.
Der 'tió' wird so behandelt, dass er am Heiligen Abend
die Geschenke auswirft, gewöhnlich nach der Mitternachtsmesse. Es gibt
eine besondere Feier um den 'tió' zum Ausstoßen der Geschenke
zu bringen: Bestimmte Lieder müssen gesungen werden, dann müssen
die Kinder den Baumstamm mit Stöcken feste schlagen und danach müssen
sie überall im Haus nach Geschenken suchen.
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