Bewaffnet mit einem Camcorder, Mikrofon
und einer gehörigen Portion Mut konnten sich mit Genehmigung
des Grimmepreis-Referenten Dr.Ulrich Spieß die ALBERT_Redakteurinnen
Nele Fels und Ann Kristin Pfänderunter die wartenden Profi-Journalisten
mischen und Interviews mit einigen der Grimmepreisträger
dieses Jahres führen. Ihre Interview-Ausbeute findet man
verstreut in dem Erfahrungsbericht.
Der Grimme- Preis in Marl – eine
mal ganz andere Erfahrung
Am
31 März wurde wie jedes Jahr der Grimme- Preis im Theater
Marl verliehen. Doch ist man selbst hautnah dabei, ist es doch
etwas ganz anderes, als sich die Verleihung der Preise im Fernsehen
anzuschauen. Und der Grimme- Preis ist sowieso viel mehr als
nur die Preisverleihung, vor allen Dingen, wenn man sich einen
Tag lang unter die Journalisten mischen darf:
Für uns fing alles mit dem Pressevorabtermin an, der im Rathaus stattfinden
sollte. Als wir jedoch am Rathaus ankamen, realisierten wir erst richtig,
was wir heute zu tun hatten:Vor dem Rathaus war so gut wie alles abgesperrt,
das heißt, man konnte das Rathaus nicht wie gewöhnlich über
die große Treppe betreten- dass heißt wir konnten dies nicht.
Denn
genau eine halbe Stunde später sollten über die mit einem
roten Teppich ausgerollte Treppe alle Preisträger aus Film und
Fernsehen laufen, und auch alle Journalisten, die von ARD, dem Stern
oder Sat1 angereist waren konnten so ins Rathaus gelangen.
Wir jedoch mussten den Weg durch der Glaskasten nehmen, da uns die Security
nicht so ganz durchlassen wollten, da wir noch keinen Presseausweis hatten.
Als wir dann endlich nach 2 Treppen im Rathaus ankamen, sah so fast gar nichts
mehr nach dem Rathaus aus, wie wir es kannten:Alles war etwas moderner und
glamouröser und überall standen mehr oder weniger gelangweilte
Journalisten herum, die entweder damit anfingen ihre Kameras mit Objektiven
zu bestücken, sich an dem Buffet mit Schnittchen bedienten oder an einem
Empfangs- Counter angaben, dass sie da waren. Wir waren schon etwas verunsichert
als wir all das
sahen,
mitten in Marl und niemand schien sich recht für uns zu interessieren,
geschweige denn wahrzunehmen.
Am Empfangs-Counter erwartete uns auch schon die nächste Überraschung,
denn die Frau, bei der wir uns melden sollten, wusste nichts von uns und
hatte auch keine fertigen Ausweise für uns da.
Deshalb bekamen wir Ausweise, die man erst noch beschriften musste, die aber,
wie sich zeigen sollte, genauso nützlich waren.
So standen wir dann mit unseren Ausweisen an einem der hübsch dekorierten
Stehtische und wussten nicht recht, was als nächstes kommen würde.
So bauten wir im Vergleich zu den anderen Journalisten unsere etwas kleingeratene
Kamera zusammen und schauten uns noch mal unsere Interviewfragen wie auch
eine Art Prospekt, den man fast schon Katalog nennen konnte, mit allerhand
Informationen über die Preisträger an.
Doch wir fragten uns auch, was wir hier eigentlich machten, zwischen all
den Leuten, die etwas zu cool daherkamen.
Plötzlich bemerkten wir, dass sich einige der Fotografen und Kamerateams
am Ende der Treppe aufbauten und so taten wir es ihnen gleich.
Doch außer einem Gespräch zwischen zwei Journalisten, die sich über
eine der Kolleginnen ausließen, die sich so gar nicht kollegial verhielt,
passierte nicht wirklich was.
Da
uns auch klar wurde, dass wir hier kein Interview
führen würden, da die meisten nur Bilder
machen wollten, gingen wir gespannt wieder zurück.
Und lange warten auf unsere Interviews mussten wir wirklich nicht mehr:
Schon bald betrat Claire
Doutriaux, die die Idee für die Sendung für Karambolage, die
auf Arte zu sehen ist, entwickelte.
Und so fassten wir uns schnell ein Herz, als sie den Raum betrat, um die
Chance auf unser erstes Interview nicht verstreichen zu lassen.
Zum Glück klappte alles, wie wir es uns gewünscht hatten: Sie gab
nicht zu kurze Antworten und so waren wir bereit für die nächsten
Interviews.
Doch gleich guckten uns zwei Journalisten, die unser Interview verfolgt hatten,
von der Seiten
an und fragten, wieso wir denn filmen würden, wenn wir doch eine
Schülerzeitung
sein.
Eigentlich hatte sich das Feld der Journalisten eher nach draußen verlegt,
doch als plötzlich die bekannteren Leute wie z.B. Edgar
Selge von Polizeiruf 110, Monika Bleibtreu (Marias letzte Reise) oder
Christop Maria Herbst und die Autoren von Stromberg auftauchten, war kein
Halten mehr: überall wuselten Journalisten herum und machten Fotos-
kurz es sah alles so aus, wie man es aus dem Fernsehen kennt.
Wir versuchten erst bis zu Michaela May vorzudringen, doch dies klappte nicht
so recht. Doch weil es dort nicht klappte, konnten wir ein Interview mit Monika
Bleibtreu führen.
Und
dann kam der Teil, auf den wir uns mit am meisten
gefreut hatten:
Ein Interview mit Stromberg- das heißt mit Christop
Maria Herbst, den Autoren Moritz
Netenjakob und Lars Albaum, sowie Ralf
Husmann und Oliver
Wnuk, der den Ulf Steinert, und Diane
Staehli, die die Tanja Seifert spielt. .
Natürlich waren dies auch die Interviews, die am lustigsten waren, bei
denen man aber auch immer aufpassen musste, was als nächstes kam.
Sowieso hielten wir uns mit diesen Interviews auch am längsten auf und
wir wurden auch immer wieder begrüßt, wenn wir mal wieder auftauchten.
So wurde dann z.B. ein Luftballon- Hund Adolf getauft, der demnächst
den Grimme-Preis repräsentieren sollte und vieles mehr. Aber all das
könnt ihr euch ja ansehen.
Nach
dem Pressetermin machten wir uns auf den Weg ins Theater, um
dort die Preisverleihung, die von Bettina Böttinger moderiert
wurde, live mitzuerleben.
Und so saßen wir dann, nachdem wir uns durch das überfüllte
Foyer gequetscht und den Journalisten, der uns schon anfänglich angesprochen
hatte, um Hilfe gebeten hatten, im zweiten Rang. Von dort aus konnten wir
alles Sehenswerte miterleben und wir hatten die Möglichkeit, zu sehen,
wie eine solche Veranstaltung für das Fernsehen übertragen wird:
Neben uns war ein großes Mischpult aufgebaut, an dem alle Informationen
der Kameras, die über die Bühne huschten, zusammenliefen und ein
Mann, der alles bediente, den Ton regelte und auf die Bilder abstimmte.
Als ich am nächsten Morgen im WDR dann noch mal die Bilder sah, war
es schon etwas merkwürdig, da man genau wusste, wie es zu der Übertragung
kam.
Als
wir im Theater alles verfolgten, merkten wir erst mal, dass wir ganz
schön geschafft waren: erst ein ganzer Tag lang Schule, dann schnell
nach Hause fahren und direkt danach den ganzen Nachmittag Interviews
machen, danach waren wir wirklich kaputt, aber auch glücklich
und zufrieden, weil es sich wirklich gelohnt hatte.
Natürlich kam uns da diese Sitzpause gelegen - und eigentlich dachten
wir auch, dass das dann alles gewesen wäre.
Doch irgendwie kam alles doch noch ein bisschen anders:
Frau Owsczarski und einige Schüler unserer Schule waren in der Jury
des Grimme- Preises vertreten gewesen und diese klärten uns darüber
auf, dass es noch eine After-Show-Party gab.
Allerdings waren wir uns nicht so sicher, ob wir wohl mit reingelassen würden,
da wir ja wie alle anderen, die eine Karte für die Verleihung besaßen,
und somit kein Bändchen hatten, dass wir vorzeigen konnten.
Natürlich
wollten wir auch nichts unversucht lassen und so gingen wir, am Rathaus wieder
angekommen, mit unseren Presseausweisen und erhobenen Hauptes
durch die
Kontrolle. Allerdings erkannten wir auch, dass alle anderen Journalisten
anwesend waren. Trotzdem, unsere Presseausweise hatten ihren Zweck mehr
als erfüllt.
Alles war ziemlich voll und wir waren sehr hungrig. Doch schon bald sahen
wir, dass es mehrere Buffets gab:
Am besten gefielen uns natürlich alle süßen Dinge und Desserts.
Mehrere Schokoladenbrunnen, wie man sie aus dem Schokoladenmuseum in Köln
her kennt, waren in den beiden Räumen verteilt.
Und man kann sich sicherlich gut vorstellen, wie all das auf uns wirkte,
nach so einem langen Tag und wenn man Hunger hat.
Als wir den Schokoladen-Brunnen mit weißer Schokolade entdecken, entdeckte
uns einer der Darsteller von Stromberg, mit dem wir uns noch unterhalten
konnten.
Wir blieben zusammen mit „unseren Jurymitgliedern“ dort, bewunderten
die Atmosphäre und die Disco. Und so ging auch bald dieser lange Tag
zu Ende, der uns bestimmt immer im Gedächtnis bleiben wird.
Ich hatte jedenfalls den Eindruck, als wäre ich einen Tag
lang durch eine Großstadt gelaufen, obwohl ich zuhause
geblieben bin. Und wenn auch alle möglichen Prominenten
mehr oder weniger immer wieder darauf aufmerksam machten, dass
Marl ja eine so „kleine“ Stadt sei, war es für
mich so, als sei Marl einen Tag lang zu Berlin geworden.
Nele Fels
Marler Gruppe