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Heinrich
Breloer im ALBERT-Interview
Am
Rande der Vorführung des dritten Teils der Trilogie "Die
Manns - ein Jahrhundertroman" gab der sechsfache Grimme-Preisträger
Heinrich Breloer der ALBERT-Redaktion ein Interview.
Biografisches
Obwohl Heinrich Breloer in Gelsenkirchen-Resse
geboren wurde und z.T. in Recklinghausen aufwuchs, kann man ihn
doch einen gebürtigen Marler nennen. Sein Vater baute das Hotelrestaurant
Loemühle auf und Heinrich Breloer war wegen der gastronomischen
Möglichkeiten seines Elternhauses bei seinen Klassenkameraden
als Gastgeber gefragt. Düstere Erinnerungen hat er an den Besuch
einer Internatsschule in Lüdinghausen, der er in seinem Film
"Eine geschlossene Gesellschaft" kein schmeichelhaftes
Denkmal setzte.
Heinrich Breloer ist als Filmemacher ein Autodidakt, der über
ein Germanistikstudium und anschließende journalistische Tätigkeit
den Weg zu seiner späteren Profession fand.
Dem Grimmepreis begegnete Breloer schon früh in Gestalt von
Preisträgern wie Georg Stefan Troller oder Egon Monk, die im
Hotel des Vaters abstiegen, wenn sie zur Preisverleihung nach Marl
kamen. Als er später selbst den Grimmepreis erhielt, war dies
für ihn auch aus diesem Grund ein ganz besonderes Erlebnis.

Begegnung mit dem Thema
Die
Beschäftigung Heinrich Breloers mit dem Thema seines neuesten
Films hat eine lange Vorgeschichte. Den Zugang zur Familie Mann
verdankt er nicht der Schule in Lüdinghausen, von wo der Schüler
Heinrich Breloer, wie er sagt, neidvoll die Ausbildung seiner Klassenkameraden
am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Marl verfolgte. Der Deutschunterricht
setzte im Gegenteil alles daran, Thomas Mann und die Literatur des
Exils von den Schülern fernzuhalten. Die Beschäftigung
mit Klaus Manns Roman "Mephisto" während des Studiums
in Hamburg öffnete ihm die Tür zu seinem späteren
Thema. Der Film "Treffpunkt im Unendlichen - die Lebensreise
Klaus Manns" (1982) war einer der ersten großen Filme
Heinrich Breloers und zugleich die erste Annäherung an die
Familie Mann als Thema, das er schließlich 1997 wieder aufgriff.
Den Erfolg des Films "Die Manns - ein Jahrhundertroman"
führt Heinrich Breloer u.a. darauf zurück, dass das "gute
alte ARD-Publikum", das sich z.T. schon vom Fernsehen abgewendet
hatte, sich von dem Thema wieder angesprochen fühlt. Darüber
hinaus meint Breloer ein verstärktes Interesse an Familiengeschichten
festzustellen. 
Auswahl von Themen
Planen
kann man nach Heinrich Breloer die Aktualität eines Themas
nicht vier Jahre im Voraus. Dass es ihm gelungen ist, immer wieder
Themen aufzugreifen, die auf allgemeines Interesse stoßen,
erklärt Breloer unter Hinweis auf einen Rat, den Max Frisch
ihm gegeben hat: "Sie dürfen nicht herumgucken nach links
und rechts, was die Leute hören wollen. Sie müssen bei
sich selber bleiben und in die Tiefe gehen. Dann finden Sie etwas
ganz Allgemeines und wenn Sie das schreiben, erkennen sich darin
alle wieder." Und so sei sein Wunsch, Thomas Mann einmal im
Film zu sehen, das Hauptmotiv für seine Arbeit gewesen.
Das Doku-Drama als Methode
Während seiner langjährigen
Arbeit hat Heinrich Breloer sein künstlerisches Verfahren der
Kombination von Dokumentation und Fiktion immer weiter verfeinert
und er sieht in dieser Methode eine Möglichkeit, "den
Strom der Wahrheit" sichtbar werden zu lassen. 
Beschränkung ist für Breloer unbedingt notwendig, wenn
man angesichts der Stoff- und Personenfülle die Orientierung
nicht verlieren will. Dies sei auch der Grund dafür, dass ein
Bruder von Thomas und Heinrich Mann, Viktor Mann, in dem Film nur
am Rande erscheint. 
Den Personen muss man gerecht werden
Heinrich
Breloer räumt ein, dass sich im Laufe der Beschäftigung
mit der Familie Mann seine ursprünglich kritische Sicht Thomas
Manns verändert hat. Er überlässt dem Zuschauer das
Urteil und ist seinerseits bemüht, allen Personen gerecht zu
werden.
Dass ihm dies gelungen ist, findet Heinrich Breloer in der Reaktion
von Elisabeth Mann-Borgese bestätigt, die ihm gerührt
für seinen Film gedankt habe.
Werbung für die Literatur
An den Erfolg seines Films knüpft
Heinrich Breloer die Hoffnung, dass er dazu beiträgt, dem Wertvollen
der deutschen Literatur auch in den Schulen wieder mehr Geltung
zu verschaffen.
(S/E)
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