Heinrich Breloer im Grimme-Institut
von Claudia Perl
Vor
250 Gästen fand am 20.12.die Vorabaufführung des 3.
Teils von Heinrich Breloers Doku-Drama "Die Manns"
im Adolf-Grimme-Institut statt. Regisseur Breloer, der in Marl
aufwuchs, bezeichnete diesen Film, der von zahlreichen Kritikern
- unter ihnen auch so klangvolle Namen wie Marcel Reich-Ranicki
oder Helmut Karasek - mit reichlich Vorschuss-Lorbeeren bedacht
worden war, als den besten, der er je gedreht habe.
Vier Jahre intensiver Arbeit und Recherchen waren nötig,
um dieses anspruchsvolle Projekt, dessen Produktionskosten bei
ca. 20 Millionen DM lagen, zu verwirklichen.
Vor vier Jahren begann Breloer mit der Arbeit an seinem Mammut-Projekt.
Eine lange Zeit, doch der enorme Aufwand scheint sich gelohnt
zu haben. Nicht umsonst gilt der Dreiteiler als heißer
Anwärter auf den Grimme-Preis; eine Auszeichnung, die Breloer
im Laufe seiner Karriere bereits sechsmal verliehen wurde.
Auch
die Fernsehzuschauer honorieren das Werk - insgesamt fast 6
Millionen Zuschauer sahen sich den Dreiteiler unlängst
in der ARD an. Wie er sich dieses Phänomen erkläre,
wurde Breloer gefragt. Schließlich habe der Film ja einen
hohen Anspruch, der nicht unbedingt typisch für das Fernsehen
der heutigen Zeit sei.
Man habe es hier mit einem intelligenten Publikum zu tun, antwortete
der Regisseur, das gute alte ARD-Publikum habe es wieder vor
die Bildschirme gezogen. Zudem sei die Familie Mann "ein
Stück deutscher Identität". Die Familie spiele
besonders in Krisenzeiten eine große Rolle, sie sei "ein
Rückzugsort in Krisenzeiten", die letzte überlebende
Institution, in der Zusammenhalt noch aufrecht erhalten werde.
Diese deutschen Mythen würden von der Familie Mann personifiziert.
Ziel sei es gewesen, "Mann vom Sockel zu holen, ihn zum
Menschen werden zu lassen". Thomas Mann, ein großer
Gegenspieler Hitlers, sei als Person nicht angenommen worden.
Darum versucht Breloer, ihn dem Zuschauer sympathisch zu machen,
"aber nicht zu sympathisch", wie Breloer anfügt.
Die Familie Mann wird dem Publikum allein durch die Erfahrung
nähergebracht, "dass diese fiktiven Personen wirklich
gelebt haben".
Authentizität verleiht Breloer den Figuren zudem durch
seine Technik, den Film aufzubauen. Spielszenen werden geschickt
mit Interviewszenen verflochten, so dass ein "Strom der
Wahrheit" (Breloer) die Spielszenen durchfließe.
Diese Verflechtungen zu finden, sei einer der wesentlichen Aufgaben
bei der Herstellung des Doku-Dramas gewesen. Sehr viel Fingerspitzengefühl
und Erfahrung seien dafür erforderlich, doch diese besitzt
Breloer ohne Zweifel.
Auf die Frage, ob der Regisseur nach dem Dreh des Dreiteilers
- der unzählige Interviews mit Zeitzeugen erforderlich
machte - ein anderes Bild von den Manns habe, antwortete Breloer,
dass dies durchaus der Fall sei. Früher seien immer alle
"pro Klaus" gewesen; nun müsse der Zuschauer
selbst entscheiden, wem er persönlich recht gebe. Jedes
Familienmitglied hatte in diesem Konflikt Recht, so Breloer,
man müsse versuchen, die Geschichte differenziert zu betrachten.
Er wollte in seinem Film "niemanden gegen den anderen ausspielen",
schließlich habe jeder Charakter "mit sich selbst
genug Schwierigkeiten gehabt"; der Zuschauer könne
sich demnach ein eigenes Urteil bilden.
Dem einzigen noch lebenden Familienmitglied, Elisabeth Mann
Borghese, sagte das Epos auf jeden Fall zu. Der Film sei "ein
Kunstwerk", so die jüngste Tochter Thomas Manns.
Das Geheimnis für seinen Erfolg fasste der Regisseur schließlich
in einem Rat zusammen, den Max Frisch ihm einst gegeben hatte.
"Schaue nicht nach rechts und links, sondern bleibe bei
dir selbst und gehe in die Tiefe", soll Frisch ihm geraten
haben. Scheinbar ein kluger Rat, betrachtet man die Erfolgsgeschichte
Breloers, der mit dem Dreiteiler "Die Manns" ein weiterer
Höhepunkt hinzugefügt wurde.