Viereckige Augen

Marl, 18.11.2007, Von Tamina Urbaniak
Beim Schülerfilmtreff im Rahmen des 13. Kinder- und Jugendfestivals geht der Hauptpreis an Musikclip-Macher aus Verl. Marler Schüler jubeln über GEW-Auszeichnung

Marl. Diese viereckigen Augen waren gewollt: Filme gucken bis zum Abwinken durften - mussten gar - die Kinder und Jugendlichen, die sich am Schülerfilmfestival NRW beteiligt hatten. Die Wettbewerbsbeiträge gab es jetzt alle 14 nacheinander zu sehen. Damit sich jeder ein eigenes Flimmer-Bild machen konnte und das Urteil der Jury einzuordnen wusste.

Gewonnen hat den Haupt-preis ein Einzelkämpfer: Sascha Vredenburgs Musikclip "Blank" gefiel am besten - weil der Schüler, Jahrgangsstufe zwölf, am Gymnasium Verl "ein kleines Filmkunstwerk geschaffen hat, das sich in seiner Ästhetik und der Professionalität seiner Gestaltung" mit MTV- und VIVA-Musikvideos messen könne. Eine Fahrt zur Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg sowie zum dortigen Studiogelände ist der Preis, der daher "Marl goes Babelsberg" heißt.

Im Gegensatz zu Vredenburg, der mit seiner Band Auftritte absolvierte, war die 7c des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Marl vor Ort: Ihr Film "Sebastian M. - Schüler" war der Jury aus Filmschaffenden, Journalisten, Lehrern, Theologen und Schülern der Preis der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Marl wert. 150 Euro sind damit verbunden. Und die wertschätzenden Worte der Laudatio: Der Film rund um einen Schüler, der ausgegrenzt wird, sei "glaubhaft und quälend spürbar durchgespielt". Er setze sich "vielschichtig und zugleich altersgerecht" mit dem Thema auseinander. "Nicht zuletzt legt er den Finger auf die Wunden unseres Schulalltags", so Laudatorin Gabriele Fleischhauer-Niemann (GEW NRW). Ähnliches äußerte Dr. Ulrich Spies vom Grimme-Institut: "Die Themenvielfalt der hier eingereichten Beiträge ist bemerkenswert. Und sie ist ein Indiz dafür, dass an unseren Schulen nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist."

Beeindruckt hat Spies, mit welcher Ernsthaftigkeit die Schüler sich den Film-Inhalten näherten. Was Humor nicht ausschließt: die Klasse 4 der Erich-Kästner-Förderschule Münster ging in "Schule früher - Schule heute" mit "Mutterwitz und heiterem Blick", so die Jury, den Vergleich der Schulwirklichkeit heute mit der vor 100 Jahren an. Nicht so sehr der Perfektionsgrad der Gestaltungsmittel war hier ausschlaggebend. Vielmehr sah sich die GEW darin bestätigt, dass "ästhetische Erziehung ihren Ort an allen Schulformen und Jahrgangsstufen hat". Dafür gab es den Preis der GEW NRW (150 Euro). Die 7a der Hauptschule Coerd gewann den Preis des Bischofs von Münster. In "Wo ist Sinbad?" geht es um die Abschiebung eines Mitschülers.

Aus der Reihe tanzte die Jury mit einer besonderen Anerkennung, die sie dem Film "Suchst du noch oder lebst du schon?" (Städt. Heilig-Geist-Gymnasiums Menden) aussprach. Die Jury lieferte sich darum kontroverseste Debatten. Und allein das, zur Diskussion anzuregen, sei es wert, hervorgehoben zu werden.


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