Marler Zeitung vom 11.12.04

Schülerfilm beeindruckte Bischof

Vielleicht erzählt in vielen Jahren ein junger Mann, dass er 2004 die Klasse 7D im Albert-Schweitzer-Gymnasiums besucht hat. Dann wird der Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann aufhorchen: Richtig, diese Klasse brachte ihn damals dazu, einen Sonderpreis zu erfinden, den es vorher nicht gab. Nicht nur Lettmann war zutiefst beeindruckt von dem Film, den die Kinder gedreht hatten.

VON ROBERT KLOSE

Deutschlehrer Ulrich Schulte-Ebbert ist noch heute stolz, wenn der Halteraner Pfarrer Martin Ahls schwärmt: "Als ich den Film zum ersten Mal sah, war mir nach Minuten klar, dass etwas Außergewöhnliches passiert war." Ahls, seinerzeit Juror beim Schülerfilm-Festival NRW: "Das ist ein Film, der uns sprachlos gemacht hat."

Tief beeindruckt nahm der Geistliche Kontakt zum Bischof auf. Lettmann sah den zehnminütigen Streifen und diskutierte auch nicht lange: Sofort schuf er einen Sonderpreis für die Marler Kinder – die entsprechende Urkunde überreichte gestern Ahls in der Klasse, die mittlerweile von der 6D zur 7D geworden ist.

Tod aus Versehen

Erich Kästners "Ballade vom Nachahmungstrieb" hatten die damals rund Zwölfjährigen verfilmt. Der Stoff dieses Stückes hat wenig gemein mit der Leichtigkeit eines Fliegenden Klassenzimmers: Animiert durch Medienberichte spielen Kinder ein düsteres Spiel, verurteilen einen aus ihrem Kreise zum Tode, vollstrecken das "Urteil" sofort. Aus Spaß wird Ernst: Versehentlich erhängen die Kinder ihr Opfer tatsächlich. Ihre Entschuldigung, als die Polizei kommt: Sie hätten doch nur getan, was Erwachsene tun...

Die Rolle des Opfers Fritzchen Naumann spielte seinerzeit Thomas Fritzsche. Der heute 12-Jährige erinnert sich: Es sei schon ein sehr "komisches Gefühl" gewesen, vor laufender Kamera an einem Strick emporgezogen zu werden. Er habe damals schon gewusst, dass die Todesstrafe auch in der Gegenwart noch vollstreckt werde, etwa in den USA: "Das finde ich ganz schlecht!"

Ulrich Schulte-Ebbert legte großen Wert auf thematische Aufbereitung im Unterricht. Bevor die Kameras liefen, besprach er mit den Jungen und Mädchen das Thema "Todesstrafe" im Unterricht ausführlich. Unter seiner Anleitung und Hilfe schrieben die jungen Akteure auch ihr Drehbuch selbst. Der Deutschlehrer verfällt in Fachjargon: "Am Set" (bei den Dreharbeiten) sei die Atmosphäre nicht so düster und bedrückend gewesen wie später im Film.

Begeisterten Zuspruch erfuhr der Pädagoge schon damals: Das Bürgerfernsehen unterstützte das Filmprojekt. Sogar die Polizei ließ sich nicht zweimal bitten, kam bereitwillig auch mit Martinshorn in die Szene gebraust.

Bei dem Sonderpreis des Bischofs geht es übrigens nicht nur um die Ehre: Die ganze Klasse darf sich im Frühjahr auf Bistumskosten einen schönen Tag auf dem "Ketteler Hof" gönnen.

WAZ

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