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Westdeutsche Allgemeine Zeitung 15.11.04
Kinder und Jugendliche in der Medienwelt

Da kannte der Jubel keine Grenzen
mehr:
Für den ASG-Film
gab es im Rahmen des Schülerfilmtreffs den Sonderpreis
des Bischofs von Münster. WAZ-Bild: Jürgen Wolter
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Entsetzt stehen die Freunde von Thomas an seinem Grab und
verstehen die Welt nicht mehr: "Aber wir haben es doch
nur so wie die Erwachsenen gemacht."
Mit ihrem Film "Naumann´s letztes Spiel" begeisterte
eine sechste Klasse des Albert-Schweitzer-Gymnasiums am Samstag
beim diesjährigen Schülerfilmfestival NRW die Jury.
Inspiriert von der Kästnerschen "Ballade vom Nachahmungstrieb" erzählt
der Amateur-Film von zehn Schulfreunden, die in den Nachrichten
eine Hinrichtung beobachtet hatten und daraufhin selbst ,Hinrichtung´ spielen
wollen. Was am Anfang für alle noch ein lustiger Zeitvertreib
ist, wird bald blutiger Ernst, denn der ,Gehängte´ Thomas
stirbt tatsächlich.
Im Rahmen des Internationalen
Kinder- und Jugendfilmfestes in Marl fand auch in diesem
Jahr wieder das Schülerfilmfestival
NRW statt. Schüler und Schülerinnen stellten dort
selbst produzierte Videos, Filme oder Animationen vor, die
von professionellen Moderatoren kritisch unter die Lupe genommen
und bewertet wurden. Insgesamt 64 Beiträge aus ganz NRW
waren in diesem Jahr eingereicht worden. Eine stolze Zahl,
findet Organisator Detlef Ziegert. "Wichtig ist, dass
die Kinder die Filme wirklich selber machen", erklärt
Ziegert, denn nur durch das ,Selbermachen´ könnten
die Kinder lernen, Gutes von Schlechtem zu unterscheiden. Der
Anteil der digitalen Medien im Kinder-Alltag steige momentan
immer weiter an, und die wenigsten wüssten damit umzugehen.
Die Kinder sollen durch den eigenen, aktiven Umgang mit Medien
lernen, auch kompetent darüber urteilen zu können.
Am Samstag sichtete die Jury
die 19 Beiträge, die es
in der Endausscheidung geschafft hatten. Kritisch kommentiert
wurde dabei vor den 200 jungen Regisseuren, Schauspielern und
Kameramännern jeder Film von Klemens Radtke, Cutter und
in Berlin tätig in der Postproduktion, und von Oliver
Rauch, Dramaturg an der Hochschule für Film und Fernsehen
(HFF) in Babelsberg. Es wurde gemeinsam gefachsimpelt, bemängelt,
kritisiert und gelobt. "Die Kinder sollen etwas lernen,
deshalb wird hier kein Blatt vor den Mund genommen", so
Ziegert.
"Naumann´s letztes Spiel" ist ein Beispiel
für den diesjährigen Trend beim Schülerfilmtreff.
Mit offenen Augen und Mut zum Extremen behandelten viele der
Beiträge Themen wie Mobbing, Einsamkeit oder sogar Selbstmord.
Der Film wurde am Abend mit dem Sonderpreis des Bischofs von
Münster ausgezeichnet und laut bejubelt: Ein Besuch für
die ganze Klasse im Ketteler Hof. Den ersten Preis überreichte
die Jury der Gütersloher Geschwister-Scholl-Schule, die
mit ihrem Kurzfilm "Romeo und Julia" eine ganz eigene
Interpretation des Dramas inszeniert hatten, nämlich als
Stummfilm-Parodie mit Happy End. tik
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