Hennamond
von Xenia Knorr
„Das einzig Gute eines türkischen
Mädchens ist es, Jungfrau zu sein, daneben gibt es nichts
– es ist alles eine Frage der Ehre“
Das
Dorf K. in Ostanatolien und Deutschland trennen Welten. Fatma
lernt beide kennen, als sie neun Jahre alt ist, verlässt
ihre Familie das Dorf und macht sich in eine neue, völlig
unbekannte Welt auf…Jetzt beginnt für Fatma ein
komplett neuer Lebensabschnitt „Eine Zeitmaschine wirbelte
mich durch die Jahrhunderte – da wo ich geboren wurde,
war 1965 Mittelalter“.
Die neue Welt wartet darauf, von der neun jährigen Fatma
entdeckt zu werden, alles ist so neu und unbekannt, bis auf
ihre Familie kennt sie hier nichts.
Die Menschen sehen anders aus, sie tragen ungewöhnliche
Kleidung, ihre Häuser sind groß und hell, die Straßen
beleuchtet, so etwas hat sie noch nie gesehen.
In dem Dorf K. lebt Fatmas Familie von der Landwirtschaft,
dort bestimmt nur die Natur den Verlauf der Dinge und der
Mansch passt sich ihr an. Das Leben ist geprägt von der
harten Arbeit und den eigenen Gesetzten, die in K. herrschen.
Die Menschen leben in ihrer Gemeinschaft, in der jede Familie
ihre Ehre bewahren muss. In dieser Welt von K. haben die Frauen
wenig Platz, der Mann ist das Oberhaupt und er muss von dem
schwächeren Geschlecht bedient werden. Die Frauen von
K. versuchen stets ihre Schmerzen zu verbergen und stark zu
sein, egal wie erschöpft, krank und schwach sie sind:„Schnell,
steh auf, Frau, Besuch kommt, lass dich nicht hängen,
denk an unsere Ehre“, sagen dann ihre Männer dazu.
Auch kommt es vor, dass Frauen gesteinigt werden, weil ihr
Mann behauptet, sie sie nicht treu – das Wort des Mannes
genügt.Auf ihren Leiden beruhend, entwickeln die Frauen
Träume und Fantasien, in denen sie den Mann heiraten,
den sie sich ausgesucht haben, sie, in ihren Vorstellungen
sind sie glücklich. Gegenseitig tauschen sie diese Illusionen
aus und geben sie weiter.
Mehrmals bekommt Fatma die Grausamkeit der Männer zu
spüren, nachdem ihre Mutter vorzeitig nach Deutschland
gereist ist: „Die Männer der Umgebung betrachteten
mich seit der Abreise meiner Mutter als Freiwild, an dem jeder
seine Lust unbestraft befriedigen durfte“. In dieser
Zeit war sie bei Verwandten untergebracht, ihr Onkel verprügelte
sie und ein Hirte versuchte, sie fortwährend zu vergewaltigen.Als
ihre Mutter wieder zurückkommt, ist es für das kleine
Mädchen eine Erlösung. Die Mutter nimmt die ganze
Familie mit nach Deutschland - für immer.
Aber auch hier ist sie den strengen Gesetzen
ihrer Familie ausgesetzt; die Ehre der Familie ist immer noch
das Wichtigste. Als ein Bekannter der Familie sie zu vergewaltigen
versucht, da spürt sie in dieser Zeit am stärksten,
dass Ehre über alles herrscht: „Meine Familie begegnete
mir mit verschämtem Schweigen; man versuchte, möglichst
regen Kontakt zu Verwandten und Bekannten zu meiden, ehe nicht
meine Jungfräulichkeit durch die Untersuchung eines Arztes
eindeutig festgestellt war“.Fatma ist hin und her gerissen
zwischen ihrer Familie, ihrer Mutter, und der Freiheit.Sie
hat Deutsche kennen gelernt und versucht sich anzupassen,
sie hat eine Liebe gefunden, diese wird ihr jedoch auch weggenommen…Letztendlich
soll sie einen Mann heiraten, den sie gar nicht kennt, ihre
Familie hat sich ihn ausgesucht.Das ist zu viel für die
junge Türkin, sie wird krank und muss zur Kur. Dort fasst
sie ihren Entschlus: „Wie unter Drogen zog ich mich
an und machte einen letzten Rundgang durch unsere Wohnung
[…] Alles fotografierte ich in meiner Seele ab, um es
mitzunehmen“.
Fatma verlässt ihre Familie und heirat einen deutschen
Zahnarzt. Ihre Familie bedroht sie, nachdem sie herausfanden,
wo Fatma sich aufhält, aber mit der Zeit wird es still
um die junge Frau.Sie ist nun Ehefrau und
versucht alles zu meistern, es warten neue Herausforderungen
auf sie und wieder hat sie es nicht leicht…
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