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 Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin
Heinrich,
liebe Mitschülerinnen und Mitschüler,
sehr geehrte Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Eltern, liebe Gäste
Wir haben uns heute hier versammelt,
um ein bedeutendes Ereignis in unserem Leben zu feiern.Mit
dem bestandenen Abitur sind wir nun
offiziell für
reif befunden und beenden somit unser Schülerdasein.
Für viele Jahre war das Abitur
ein Ziel, das es zu erreichen galt und bis zu dem heutigen
Tage,
war es ein langer Weg.Aus diesem Grund möchte ich unseren
gemeinsamen Lebenslauf noch einmal
Revue passieren lassen.
Zur Zeit unserer Geburt wurde die Welt
von schweren Unglücken
erschüttert. Die Raumfähre Challenger explodierte kurz nach dem Start
und das Reaktorunglück in Tschernobyl versetzte die Menschen
in Angst und Schrecken. Wir waren noch zu jung und ungetauft,
um den fünftägigen
Deutschlandbesuch des Papstes zu würdigen oder von der
Landung des Mathias Rust auf dem Roten Platz verblüfft
zu sein.Dennoch bekamen wir unsere Schutzimpfungen gegen Polio,
Diphtherie und Tetanus und unser Haupthaar wurde langsam dichter.
Zwei Jahre später, als die Berliner
Mauer fiel, feierten wir gerade unseren Einstand im Kindergarten – Begrüßungsgeld
bekamen wir da jedoch nicht! Als wir mit sechs Jahren, einer
prallen Schultüte und
großen Erwartungen unsere Schullaufbahn begannen, wurde
endlich Euro-Disneyland in Paris eröffnet, die Sowjet
Union hingegen wurde geschlossen. Diejenigen unter uns mit
katholischer Konfession gingen gerade zur Erstkommunion, als
der Grundwehrdienst
von zwölf auf
zehn Monate verkürzt wurde.
Mit zehn kamen wir ins Gymnasium
und wir und unsere Eltern waren mächtig stolz. In Schottland
sorgte gerade das Klonschaf „Dolly“ für
Aufregung und der Komet „Hale-Bopp“ erreichte seinen
erdnächsten Punkt und versüßte uns das inzwischen
Länger-Aufbleiben-Dürfen.
Im Alter von 16 kamen die ersten mit ihren
Motorrollern zur Schule und Bier konnte nun ganz legal käuflich
erworben werden.Der Euro war mittlerweile eingeführt, die erste Freundin
damit ausgeführt und amerikanische Truppen bombardierten
Afghanistan als Vergeltung für die Terroranschläge
auf das World Trade Center in New York.Bei den Kommunalwahlen
durften und sollten wir, sehr geehrte Frau Heinrich, erstmals
unsere Stimmen
abgeben und in der Sekundarstufe
I waren wir als Zehntklässler die Ranghöchsten.
In den folgenden drei Jahren wurden
wir dann endgültig
erwachsen. In der männlichen Fraktion bekamen nun auch
die letzten endlich den lang ersehnten Bartwuchs und einen
Rasierer zum
Geburtstag geschenkt oder konnten sich zumindest über
einen zarten Flaum als Zeichen zunehmender Männlichkeit
freuen. Bei unseren Mitschülerinnen war das Erwachsenwerden äußerlich
ebenfalls nicht zu übersehen. Nähere Ausführungen hierzu verbieten sich jedoch
aus Gründen des Anstands und der Sitte, Tugenden, die
an unserem Doppelgymnasium einen sehr hohen Stellenwert genießen.
Zu der Zeit, als wir unsere Führerscheine machten, versuchten
die führenden Europäer Europa zu vereinigen. Die
US-Regierung musste Rechenschaft für den Irak-Krieg
ablegen, da sich die Beweggründe für den Krieg weder
dort noch in Afghanistan festmachen ließen.
Mit 18 wurden wir volljährig
und somit zu mündigen
und stolzen Bürgern der Bundesrepublik Deutschland. Nur
ein wenig später konnten wir bei den vorgezogenen
Bundestagswahlen sogar ein Jahr früher als erwartet von
unserem Wahlrecht Gebrauch machen und dafür sorgen, dass
man uns zur Kenntnis nahm. Letztendlich ist es uns wider mancher
Erwartungen gelungen, die Reifeprüfung erfolgreich abzulegen und uns für
die Zukunft die akademischen Pforten zumindest zu öffnen.
Dreizehn Jahre haben wir damit verbracht,
Tag ein Tag aus, die Schule zu besuchen. Dies entspricht etwa
68,4 % unseres bisherigen Lebens. In dieser Zeit haben wir
gelernt, sämtliche Texte, die
man uns vorlegte und für wichtig erachtete, zu analysieren,
stets die Maximalfläche eines imaginären Blumenbeets
bei vorgegebener Zaunlänge zu berechnen, oder kreative
Tagebucheinträge in einer Fremdsprache zu verfassen. Nicht
zu vergessen sind natürlich auch
die zahlreichen Projekte, die es zu durchlaufen galt. Da waren
z.B. das Filmprojekt, das Drogenprojekt, das Umweltprojekt,
das Projekt zur naturwissenschaftlichen
Orientierung oder die
LK-Projekttage mit so manch überraschendem Ergebnis.
Dennoch, denke ich, können wir
sagen, dass all diese Maßnahmen, ob nun als angenehm
oder eher als Qual empfunden, schlussendlich ihren Zweck erfüllt
haben. Wir konnten uns über unsere Interessen und Abneigungen
klar werden, Kritikfähigkeit entwickeln und Erfahrungen
im Miteinander sammeln.
An dieser Stelle gilt es, unseren
Lehrern zu danken, die stets fachlich und sozial kompetente
Ansprechpartner waren und uns
allzeit mit Rat und Tat zur Seite standen. Zukünftigen Schülergenerationen
werden wir Sie, sehr geehrte Damen und Herren, vorbehaltlos
weiterempfehlen.
Am heutigen Tage beschließen
wir das Ende vom Anfang und leiten hoffentlich nicht den Anfang
vom
Ende ein. Auch wenn es einige vielleicht nicht erwarten
können,
endlich auf eigenen Beinen zu stehen, so bedeutet es dennoch
eine Veränderung. Ob gut oder schlecht, dies wird sich
noch zeigen. Fest steht jedenfalls, dass nichts mehr so sein
wird, wie es bisher war. Jeder wird seine eigenen Wege gehen
und sein Leben individuell gestalten und das ist auch gut und
richtig so.
Dennoch, lasst uns die gemeinsame Schulzeit nicht vergessen
und sie in guter Erinnerung behalten, denn sie ist immerhin
das, was uns alle hier verbindet.
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