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«Alles Bio» - neue
Studiengänge von Bionik bis Biophysik
Von Arnd Petr
München/Hamburg (dpa/gms) - Biologie
war gestern. Zu Beginn des
21. Jahrhunderts hat die altehrwürdige «Lehre vom Leben»
eine Reihe
neuer Etiketten bekommen: Wer sich heutzutage für ein entsprechendes
Studium interessiert, kann neben dem klassischen Diplomstudiengang
beispielsweise zwischen Studiengängen namens Bionik, Biophysik,
Bioinformatik oder Biomedical Engineering sowie Biopharmazeutische
Technologie wählen.
Durch die biotechnologische Entwicklung
dehne sich das Arbeitsfeld
für Fachleute mit biologischem Wissen aus, sagt Carsten Roller,
Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Biologen (Vdbiol)
in München
und Autor eines Studienführers, der 748 biowissenschaftliche
Studiengänge aller deutschen Hochschulen beschreibt. «Gerade
an den
Grenzflächen der Biologie passiert am meisten», sagt
er. Das
Studienangebot umfasse daher die Schnittmengen zwischen der Biologie
und Disziplinen wie Chemie, Medizin, Informatik und Technologie.
Allen von den zahlreichen Möglichkeiten
verwirrten Uni-Neulingen
rät Roller, genau auf die Inhalte der jeweiligen Studiengänge
zu
achten. Im Zweifelsfall sollten sie mit einem klassischen
Biologiestudium anfangen. Ein Universitätswechsel mit der
Möglichkeit, sich zu spezialisieren, sei nach Vordiplom oder
Bachelor-Abschluss immer noch möglich - wenn die Noten stimmen.
Zu den bisher 24 Bioinformatik-Studiengängen
an deutschen
Hochschulen gesellt sich vom Wintersemester 2002/2003 an ein
gleichnamiger Master-Studiengang an der Universität Hamburg.
Um die
immense Datenmenge, die das Genom - die Gesamtheit aller Gene -
darstellt, analysieren zu können, reicht es nicht aus, nur
Informatiker oder Biologe zu sein: «Bioinformatiker müssen
die
Sprache der Biologen und Chemiker verstehen und gleichzeitig die
Informatik beherrschen, um die Daten auszuwerten», sagt Matthias
Rarey, Professor am Zentrum für Bioinformatik Hamburg (ZBH).
Im Grenzgebiet zur Ingenieurswissenschaft
bewegen sich
beispielsweise Studienangebote wie Biotechnologie, Technische
Biologie, Bioingenieurwesen oder Biopharmazeutische Technologie.
«Aus
den Namen gehen nicht immer die genauen Inhalte hervor», sagt
Professor Reinhard Hehl, der an der Technischen Universität
Braunschweig Biotechnologie lehrt. Selbst hinter ein und demselben
Begriff verbergen sich nicht unbedingt immer die gleichen
Studieninhalte: Der Begriff Biotechnologie werde häufig auch
mit
Gentechnik gleichgesetzt, sagt Carsten Roller vom Vdbiol.
Studiengänge wie Molekulare Biotechnologie oder Nanobiotechnologie
hätten etwa viel mehr gemein mit Biochemie oder Biophysik als
mit den
Ingenieurswissenschaften.
Das Besondere an der Biotechnologie in
Braunschweig sei, dass
Verfahrenstechnik und Maschinenbau mit Naturwissenschaft verknüpft
werden, sagt Hehl. Der Schwerpunkt des Studienganges liege klar
auf
der technischen Seite: «Biotechnologen bringen stärker
als Biologen
technisches Know-how ein.» Sie kümmerten sich um die
technische
Anwendung biologischer Systeme, etwa dem Einstellen von Fermentern
-
biochemischen Reaktionsbehältern - zur industriellen Produktion
von
menschlichem Insulin durch Bakterien.
Trotz der hohen Erwartungen, die an der
Entwicklung der
Gentechnologie hängen, sind für Biologen Artenkenntnis
und das Wissen
um die ökologischen Zusammenhänge nicht völlig out:
«Die Ökologie
kommt wieder - aber mit molekularen Methoden», sagt
Vdbiol-Geschäftsführer Carsten Roller. In der Biodiversitätsforschung
- etwa bei der Suche nach neuen Arten für neue pharmazeutische
Wirkstoffe - sind Fachleute gefragt, die Pflanzen und Tiere noch
mit
Namen kennen und wissen, welche Rolle sie im Ökosystem spielen.
Auch in der Grünen Biotechnologie
- der Nahrungsmittelerzeugung
mit Hilfe gentechnisch veränderter Pflanzen - und der
Umwelttechnologie - etwa bei der Beseitigung von Schadstoffen durch
Bakterien - werden Ökologen benötigt. Freilandbiologen
müssten aber
Roller zufolge auf der Höhe der Zeit bleiben und ihre Umweltdaten
beispielsweise mit Hilfe satellitengestützter Geographischer
Informationsysteme (GIS) darstellen können: «Nur Gänseblümchen
zählen
reicht nicht.»
Informationen: Verband Deutscher Biologen
(Vdbiol),
Corneliusstraße 6, 80469 München (Tel.: 089/26 02 45
73, Fax: 089/26
02 45 74, E-mail: info@vdbiol.de, Internet: http://www.vdbiol.de).
Literatur: Studienführer Biologie,
Vdbiol (Hrsg.), Spektrum
Akademischer Verlag, ISBN: 3-8274-1051-7, 19,95 Euro. Eine Datenbank
zu Studienmöglichkeiten gibt es unter
http://www.studienfuehrer-bio.de.
letztes Update
07.04.2004
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