
Wie werde ich...?
Grafik-Designer: Auftragskünstler
am Computer
Von Thorsten Wiese
Kunst und Dienstleistung schließen sich
eigentlich aus. Der Grafik-Designer muss beides verbinden: Er muss
kreativ sein, seine Einfälle aber den Wünschen eines Auftraggebers
unterordnen: «Der Grafik-Designer setzt eine Idee für eine Firma
in eine Zeichnung oder Illustration um», erklärt Hermann Büchner,
Öffentlichkeitsreferent beim Verband der Grafik-Designer in Berlin.
Die Entwürfe können für einen Bucheinband,
ein Plakat, eine Werbeanzeige oder ein CD-Cover bestimmt sein. Weitere
Arbeitgeber, für die Grafik-Designer in großer Zahl arbeiten, sind
die Printmedien: Hier sind sie für das Layout von Zeitungs- oder
Zeitschriftenseiten und die Typografie zuständig.
Auch die Neuen Medien haben das Berufsbild
verändert: «Der Grafik-Designer wird zunehmend an der Schnittstelle
zur Programmierung arbeiten», sagt Peter Bischoff vom Berufsverband
für freiberufliche Designer in Braunschweig. «Berufsanfängern bieten
sich gute Einstiegsmöglichkeiten, wenn sie sich im Studium auf Web-Design
spezialisiert haben», so Bischoff weiter.
Grafik-Designer werden an Fachhochschulen
oder Universitäten für bildende Künste ausgebildet. Die praxisorientierten
Studiengänge, die an vielen deutschen Hochschulen angeboten werden,
heißen Kommunikations-Design oder Visuelle Kommunikation.
Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester. «Im Grundstudium lernen
die Studierenden Zeichentechniken und den Umgang mit den einschlägigen
Computerprogrammen», erläutert Andrea Rauschenbusch, Professorin
im Fachbereich Design an der Fachhochschule Münster. Auch Grundlagen
in Produktionstechnik, Satztechnik, Mediendesign und Animation werden
in der ersten Studienphase vermittelt.
Etwa ab dem fünften Semester sollen Studierende aus dem Lehrangebot
einen Schwerpunkt auswählen: Die grafische Umsetzung von Internet-Homepages,
die Bearbeitung von Fotografien am Computer oder Animation und Trickfilm
können Nachwuchs-Designer an vielen Hochschulen vertiefen.
Wer sich für ein Studium bewirbt, muss
Arbeitsproben aus Praktika und eine Mappe mit eigenen Zeichnungen
einschicken. Es gehört auch eine Portion Glück dazu, einen der Studienplätze
zu ergattern: «Die Hochschulen sind völlig überlaufen. Auf 20 Studienplätze
kommen mehr als 400 Bewerbungen», sagt Tina Ceh. Sie studiert im
vierten Semester an der privaten Frankfurter Akademie für Kommunikation
und Design (FAKD).
Tina bezahlt für ihr Studium 550 Mark im Monat. Für die kostenpflichtige
Ausbildung hat sie sich entschieden, nachdem ihre Bewerbung an verschiedenen
Fachhochschulen fehlgeschlagen war. «Ich habe schon immer gern gezeichnet.
Deshalb war für mich klar, dass ich Grafik-Design studieren wollte»,
so die 22-Jährige. «Auch wenn ich als Grafik-Designer wohl künstlerisch
nicht immer meinen eigenen Kopf durchsetzen kann: Kunstgeschichte
oder freie Kunst zu studieren, wäre mir zu trocken. Und die Chancen
auf dem Arbeitsmarkt sind sehr schlecht mit diesen Abschlüssen»,
fügt sie hinzu. Außerdem gefällt ihr das Zeichnen und das Bearbeiten
von Bildern am Computer.
Ohne technisches Know-How kommt kein Grafik-Designer
mehr aus, ob er in einer Agentur für Werbe- und Kommunikationsdesign
arbeitet oder in einem Unternehmen mit Produktdesign beschäftigt
ist. «Die erste Skizze entsteht immer noch auf dem Papier», sagt
Martin Kaufmann, der in Eigenregie die Agentur Oktav in Neckargmünd
führt. «Jeden weiteren Entwurf stelle ich aber am Computer her.
Das ist heute Standard.»
Der 48-jährige Kaufmann ist ein Quereinsteiger: Nach einem Soziologie-Studium
machte er in Mannheim eine Ausbildung als Werbekaufmann und wechselte
dann in die Design-Abteilung einer Bank, wo er das Layout für Prospekte
und Kundenzeitschriften erstellte. Weil ihm der kreative Spielraum
in seiner Arbeit fehlte, gründete er anschließend seine eigene Firma.
Heute arbeitet Kaufmann als Layouter für Buch- und Zeitschriftenverlage,
entwirft aber auch Broschüren und Werbeanzeigen für Firmen. Dabei
muss er viel Rücksicht auf die Vorstellungen seiner Kunden nehmen.
Neben der Arbeit am Computer verbringt er die meiste Zeit in Meetings
mit Auftraggebern, um Entwürfe für eine Anzeige oder einen Prospekt
zu besprechen. Spannend an seinem Beruf findet er den Moment, wenn
er eine gelungene Kampagne abgewickelt hat. «Die Bilder in der ganzen
Stadt plakatiert zu sehen, das ist ein tolles Gefühl», sagt er.
Wichtige Voraussetzungen, um als Grafik-Designer
zu arbeiten, sind für Kaufmann Fantasie und das Beherrschen der
Zeichenprogramme am Computer. Auch kommunikativ und einfühlsam sollte
ein Grafik-Designer sein: «Ich muss einen Kunden von meinen Ideen
begeistern können», sagt er. Vor allem darf man als Berufsanfänger
aber keine Angst haben, sich selbstständig zu machen: Die überwiegende
Zahl der Grafik-Designer in Deutschland ist selbstständig.
Literatur: Michael Jung: Studienführer
Kunst und Design, Lexika Verlag, ISBN 3-89694-249-2, 32,80 Mark.
letztes Update
05.12.2005
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