
Wie werde ich...?
Jobchancen für Qualifizierte:
IT-Branche braucht dringend gute Leute
Von Verena Wolf
Berlin/Düsseldorf (dpa/tmn)
- Nicht nur Ingenieure sind derzeit rar auf dem Arbeitsmarkt.
Vor dem Start der Computermesse CeBIT (4. bis 9. März)
in Hannover vermelden auch die Arbeitgeber aus der
Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche einen
dringenden Bedarf an Fachkräften. «Derzeit gibt es
etwa 43 000 offene Stellen - 18 000 in der IT-Branche, 25 000
in den Anwenderbranchen», sagt Maurice Shahd, Sprecher
des Branchenverbands BITKOM in Berlin.
«Nicht nur die Menge
von Stellenanzeigen hat in den letzten zwei Jahren sehr zugelegt»,
sagt Christoph Salzig, Sprecher des Deutschen Multimedia-Verbandes
in Düsseldorf. «Auch die Headhunter haben gut zu
tun.» Was die Verbände beobachten, trifft die Unternehmen
direkt. «Der Markt ist in vielen Bereichen eher leer»,
sagt Tim Ackermann, Leiter Rekruiting beim Software-Hersteller
Microsoft in München.
Hinzu komme, dass es immer schwieriger
sei, Spezialisten zu finden. «Man braucht Menschen mit
ganz bestimmten Qualifikationen - und davon gibt es nicht viele
im Markt.» Nach Erhebungen des BITKOM suchen die Unternehmen
in erster Linie Akademiker. «73 Prozent der Firmen, die
freie Stellen haben, wollen ausschließlich Hochschulabsolventen
einstellen, am besten Informatiker», sagt Shahd.
Dabei kommt es nicht unbedingt auf
die Spezialisierung an. In der Branche sind Kenntnisse in Softwareentwicklung
und -einführung sowie IT-Consulting gefragt. Auch in Bereichen
wie Beratung, Programmierung, Datenbank- und Netzbetreuung mangelt
es an Spezialisten. Software-Entwickler allerdings sind den
Experten zufolge überall gesucht. Programme würden
in allen Bereichen und Unternehmen gebraucht.
Aber nicht nur auf die Programmierung
im stillen Kämmerchen kommt es an. «Wir brauchen
Leute, die zwischen Mensch und Maschine vermitteln», sagt
Salzig. Dazu gehören die sogenannten Bindestrich-Informatiker
- solche, die neben ihren Kernkompetenzen noch Wissen aus einem
anderen Gebiet, meist der Wirtschaft, haben.
Gefragt sind zudem Technikexperten,
die Medien- und Kommunikationskenntnisse mitbringen. «Das
Web 2.0 ist das Stichwort - die Medien und Verlage dehnen hier
ihre Aktivitäten aus», sagt Salzig. Auch Microsoft-Personaler
Ackermann bestätigt, dass Content-, also Inhalte-Lieferanten
begehrte Mitarbeiter sind. «Wir haben im Web 2.0 eine
neue Nutzergeneration», betont Salzig. Soziale Kompetenz
sei darum ebenso erforderlich wie ein gutes Interaktionsdesign
dieser Seiten. Auch in den Bereichen Werbung, E-Commerce und
Online-Marketing haben Absolventen und Experten gute Chancen
- über diese Abteilungen wird das Geld in die Kassen der
Unternehmen gebracht.
Der Markt suchte schon einmal - zur
Jahrtausendwende. Die Blase war riesig, doch sie platzte. Und
tausende hoch qualifizierter Leute mit exorbitant hohen Gehältern
landeten auf der Straße. Eine solche Situation werde sich
nicht wiederholen, da sind sich die Experten einig. «Das
Web 2.0 steht auf solideren Füßen», sagt Salzig.
Die Geschäftsmodelle seien durchweg erfolgversprechender.
Dass es den Unternehmen derzeit so
sehr an Fachkräften mangelt, ist ein hausgemachtes Problem.
«In der Konsolidierungsphase haben die Firmen Ausbildung
und Einstellung eklatant vernachlässigt», sagt Salzig.
Das gelte für die Tüftler ebenso wie für Service-Leute.
Denn von der Waschmaschine bis zur Steuerelektronik für
Autos funktioniert kaum noch ein Gerät ohne Computerchips
- daher ist auch der Bedarf an Dienstleistungen groß.
Wichtig für die Qualifikation
bleiben neben fachlichem Wissen die sozialen Kompetenzen. Sprachkenntnisse,
Auslandsaufenthalte und Wissen aus anderen Gebieten können
bei der Jobsuche hilfreich sein. Auch Flexibilität ist
gefragt - denn nicht an jedem Ort gibt es alle Jobs. «Die
Schwerpunkte liegen in Süddeutschland und im Rhein-Main-Gebiet,
auch in größeren Städte wie Hamburg, Berlin
oder Köln sitzen viele Arbeitgeber», sagt BITKOM-Sprecher
Shahd.
Auch wenn die Arbeitgeber viele Jobs
zu vergeben haben - mit einem Riesensalär wie zur Jahrtausendwende
kann heute niemand mehr rechnen. «Der Trend geht allerdings
zu leicht höheren Einstiegsgehältern als in den vergangenen
Jahren», sagt Shahd. Doch das konjunkturelle Umfeld könne
sich wieder ändern. «Darum sollte kein Hochschulabsolvent
zu hoch pokern.»
Frauen haben den Durchbruch in der
ITK-Industrie noch immer nicht so recht geschafft - auch wenn
sie in den Ausbildungen erfolgreicher sind. Höher als 20
Prozent steigt der Anteil der Informatikerinnen seit Jahren
nicht. Dabei wollen die Unternehmen mehr Frauen an den Schnittstellen
sehen - weil gemischte Teams besser funktionieren und Frauen
in Sachen Kommunikation und Sozialkompetenz ihren männlichen
Kollegen meist voraus sind.
letztes Update
19.05.2008
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