
Wie werde ich...?
Handwerk mit Glitzerfaktor:
Viele Goldschmiede arbeiten selbstständig
Von Claudia Bel
Kempen/Wolfsburg (dpa/tmn)
- Filigrane Ketten liegen in der Auslage, seidig schimmert der
goldene Armreif, funkelnd bricht sich das Licht des Diamanten
im Ring. Timm Hendricks hat ganze Arbeit geleistet. Vor wenigen
Monaten hat der 31-jährige Goldschmied sein eigenes Geschäft
in einem alten Fachwerkhaus in Kempen eröffnet, und er
ist froh, diesen Schritt gewagt zu haben. «Man muss einiges
tun, um am Markt bestehen zu können, und verwirklichen
kann man sich eben nur im eigenen Laden», weiß Hendricks
aus Erfahrung - schließlich kommt er aus einer Goldschmiedefamilie.
Sein Vater Heinz führt seit 36 Jahren eine Goldschmiedewerkstatt
im benachbarten Krefeld, hier hat der Junior auch seine Ausbildung
gemacht.
Am liebsten arbeitet Timm Hendricks
mit Platin und Gold - und das, obwohl der Goldpreis in den vergangenen
Jahren um ein Vielfaches angestiegen ist. Etwa 18 000 Euro kostet
heute ein Kilogramm, rund 500 Gramm dieses Edelmetalls sollte
ein Goldschmied besitzen, um genügend Schmuckstücke
herstellen und anbieten zu können. «Etwa 10 000 Euro
braucht ein Goldschmied als Startkapital. Wenn es mehr ist,
umso besser», sagt Hans-Jürgen Wiegleb, Goldschmiedemeister
in Wolfsburg und Präsident des Zentralverbandes der deutschen
Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Jungen Kollegen
werde es nicht leicht gemacht, sich ein eigenes Geschäft
aufzubauen, zudem sei die Konkurrenz sehr groß.
Die Ausbildung kann auf verschiedene
Weise erfolgen: Am beliebtesten ist - neben der klassischen
Ausbildung im Betrieb - die dreieinhalb Jahre dauernde, schulische
Vollzeitausbildung in der Berufsfachschule der Staatlichen Zeichenakademie
Hanau. Im Jahre 1772 als «Schule zur Hebung der Zeichenkünste»
gegründet, gilt sie heute als eine der Kaderschmieden des
Gewerbes. Entsprechend groß ist der
Andrang: «Auf 50 Plätze kommen rund 180 Bewerbungen»,
erzählt Bruno-Wilhelm Thiele, der seit 1989 als Dozent
in Hanau tätig ist.
Den langen Ausbildungsweg zum Meister
scheuen allerdings mittlerweile die meisten Goldschmiede. Während
Verbandspräsident Wiegleb diesen Trend bedauert, sieht
Astrid Huber von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst
in Hanau das eher gelassen. Wer seine Befähigung für
diesen Beruf beweisen kann, brauche nicht unbedingt noch die
Meisterschule zu absolvieren. Gleichwohl gibt auch sie zu, dass
durch die verschiedenen Ausbildungswege die Qualität der
Ausbildungen etwas aufgeweicht werde. Für die kommenden
Jahre sei deshalb eine Angleichung der Ausbildungen an den Master-/Bachelor-Standard
und damit ein international einheitlicher Abschluss geplant.
In Deutschland sei das Anfertigen
von Schmuck häufig eine individuelle und auf den jeweiligen
Wunsch des Kunden abgestimmte Angelegenheit. Eines der Ziele
der Gesellschaft für Goldschmiedekunst ist es deshalb,
diese Kunst noch mehr zu fördern, so Astrid Huber. «Wir
möchten vor allem auch zeigen, dass Goldschmieden eine
Wissenschaft für sich ist, in der viel Liebe zum Detail
und Einfühlungsvermögen gefragt sind.»
Vieles hat sich nach Angaben von
Bruno-Wilhelm Thiele in den vergangenen Jahren geändert
- vor allem die Art und Weise, Schmuck herzustellen. So würden
viele Schmuckstücke nicht mehr auf dem Zeichenblock entworfen,
sondern oft am Computer gezeichnet und dann zunächst maschinell
als Wachsmodell hergestellt. Auch die Machart des Schmucks sei
anders als früher: Während in den 60er-Jahren der
Steinschmuck, in den 80er-Jahren der metallbetonte und in den
90ern der Acryl-/Glas-Schmuck en vogue waren, gehe heute der
Trend hin zu künstlerischem, filigranem Juwelenschmuck.
«Dabei geht es aber nicht um ein bloßes Zusammenballen
von vielen Karat, sondern die Schmuckdesigner legen großen
Wert auf zarte, hochwertige Metallfassungen», betont Thiele.
Und auch wenn sich die Vorlieben
ändern, so spielt doch ein Material immer eine große
Rolle: Gold. Viele Schmuckdesigner hätten in den vergangenen
Jahren zwar versucht, in andere Materialien auszuweichen, doch
Gold sei immer noch das Lieblingsmetall der Kreativen, sagt
Thiele. «Es ist einfach ein faszinierendes, emotional
besetztes Material, mit dem man hervorragend arbeiten kann.»
INFO-KASTEN: Goldschmied bleibt ein
gefragter Beruf
Viele junge Kreative machen sich
selbstständig: Rund 4750 Betriebe gibt es bundesweit, so
Hans-Jürgen Wiegleb, Präsident des Zentralverbandes
der deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Allerdings
schließen auch gut 400 Betriebe pro Jahr wieder. Bei allem
Wandel, den auch die Goldschmiede-Branche in den vergangenen
Jahren erfahren hat, sei aber eine entscheidende Konstante zu
beobachten: «Wir waren schon immer ein gefragter Beruf
und werden es immer sein», sagt Wiegleb. Rund 900 Auszubildende
- davon 75 Prozent Frauen - gibt es derzeit in deutschen Betrieben.
Informationen: Zeichenakademie Hanau,
Akademiestraße 52, 63450 Hanau (Tel.: 06181/315 97, Internet:
www.zeichenakademie.com); Zentralverband der Deutschen Goldschmiede,
Silberschmiede und Juweliere, Am Schölerberg 9, 49082 Osnabrück
(Tel.: 0541/961 10 15,
Internet: www.zvgosiju.de)
letztes Update
19.05.2008
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