
Wie werde ich...?
Dirigenten des Luftraums:
Fluglotsen sorgen für reibungslose Starts
Von Horst Heinz Grimm
Langen/Köln (dpa/gms)
- Sie sind die Herrscher über die Luftstraßen weltweit:
Fluglotsen dirigieren den dichter werdenden Verkehr der Passagier-
und Frachtmaschinen. Knapp 2000 dieser Fachleute sorgen dafür,
dass in Deutschland auf den großen Flughäfen und
Regionalflughäfen Starts und Landungen reibungslos verlaufen
und Millionen Passagiere sicher reisen. Sie sind die Partner
der Piloten und halten deren Flugzeuge im sicheren Abstand zueinander.
Der Beruf, der einst Männern
vorbehalten war, steht längst Frauen offen. «Auf
etwa ein Fünftel» beziffert Rüdiger Mandry von
der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt/Main
den Anteil der weiblichen Fluglotsen. Sie arbeiten unter den
gleichen hohen Belastungen wie ihre Kollegen und haben die gleichen
Chancen.
«Die Aussichten für
diesen Beruf sind sehr gut», sagt Hans-Joachim Krüger,
Fluglotse in Köln. Doch der Weg bis zum Arbeitsplatz im
Tower ist hart. «Ein überdurchschnittliches Interesse
für die Luftfahrt grundsätzlich muss vorhanden sein,
ein Pilotenschein ist keine Voraussetzung.» Bewerben können
sich nur Abiturienten mit der Mindestnote drei.
Vor Beginn der Ausbildung an der
Flugsicherungs-Akademie der DFS in Langen steht eine Reihe von
Eignungstests. «Hohe Belastbarkeit, gutes Verkraften von
Stress, Konzentrationsvermögen, Teamwork und Fähigkeit
zu schnellen gewissenhaften Entscheidungen werden ebenso gecheckt
wie die Gesundheit», zählt Mandry auf. Gute Kenntnisse
in Technik, Mathematik und Physik seien unverzichtbar. Das gilt
auch für das Beherrschen von Englisch. Der Bewerber sollte
wissen, dass Fluglotsen im Schichtdienst arbeiten und auch nachts
im Einsatz sind.
Die Auswahl für die Akademie
ist streng. Bewerber dürfen nicht jünger als 19 Jahre
und nicht älter als 24 Jahre sein. Männer müssen
Wehr- oder Zivildienst geleistet haben oder eine Befreiung vorlegen.
Einwandfreies Hör- und Sehvermögen gelten als weitere
Voraussetzungen. Da Lotsen auch Zugang zu geheimen Unterlagen
haben können, erfolgt eine Sicherheitsüberprüfung.
Wie hoch die Anforderungen an die
Bewerber sind, zeigt die Erfolgsquote bei bestandenen Prüfungen:
«Von 100 Angetretenen erfüllen fast 90 Prozent die
Kriterien nicht», schätzt Krüger. «Die
Tests sind schon ein Hammer.» Knapp eineinhalb Jahre dauert
die Ausbildung an der Akademie, die der Fluglotse als «ziemlich
straff» bezeichnet. Auf dem dichten Lehrplan steht alles,
was mit Luftfahrt zu tun hat, auch die entsprechenden Gesetze.
Dazu kommen Übungen an Simulatoren.
Nach der Theorie folgt die Praxis:
«Dieser Teil der Ausbildung wird "on the job training"
genannt», erklärt Mandry. Die angehenden Lotsinnen
und Lotsen sitzen dann bis zu 18 Monate vor Radarschirmen und
Computern und steuern unter Aufsicht erfahrener Fachleute den
Luftverkehr, bis sie diese Tätigkeit nach mehreren Prüfungen
selbstständig übernehmen können. Ihr Arbeitgeber
ist die DFS außer auf Flughäfen, die keinen internationalen
Verkehr haben; dort werden sie von der Betreibergesellschaft
angestellt. Die Bundeswehr verfügt
über eigene Lotsen.
Lotsen kontrollieren im so genannten
Center den Luftverkehr sowie alle Anflüge und Abflüge
auf einen deutschen Airport mit modernsten Radarsystemen und
Computern. Sie machen die Piloten auf mögliche Abweichungen
vom richtigen Kurs aufmerksam und schicken sie in Warteschleifen,
wenn auf dem Boden kein Platz frei ist. Diese Überwachung
des gesamten deutschen Luftraums erfolgt von einer Handvoll
solcher Zentralen aus.
Im näheren Umkreis des Flughafens
sind die Spezialisten im Tower verantwortlich, jenem hoch aufragenden
Kontrollturm mit großen Fenstern. Sie verfolgen alle Bewegungen
der Maschinen auf den Rollflächen sowie während der
Start- und Landephasen auf den Bildschirmen und - überwiegend
- im direkten Sichtkontakt. Mit den Cockpits kommunizieren sie
über Sprechfunk. Nur wenn die Fluglotsen im Tower den Start
freigegeben haben, darf der Pilot abheben.
Die Aufgaben in diesen beiden Sicherheitszentren
unterscheiden sich voneinander, die Lotsen arbeiten jedoch Hand
in Hand. Sie sind
nur für unterschiedliche Sektoren im Luftraum verantwortlich.
«Wer wechseln will, muss zuvor die jeweilige Berechtigung
erwerben», erläutert Mandry. Dies gilt auch für
den Einsatz auf einem anderen Flughafen.
Die hohen Anforderungen sind jedoch
überall gleich. Ein Beispiel für Konzentration und
schnelles Handel gibt der Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt,
der täglich etwa 1400 Flugbewegungen verzeichnet. Die Lotsen
und Lotsinnen müssen in Spitzenzeiten bis zu 90 Starts
und Landungen in einer Stunde abfertigen.
Die Gehälter betragen nach Angaben
der DFS derzeit bis zu 6300 Euro plus Zulagen. Während
der theoretischen Ausbildung werden knapp 700 Euro gezahlt,
in der «on-the-job-training»-Phase etwa 2600 Euro.
Internet: www.dfs.de, http://fluglotse.dfs.de.
letztes Update
19.05.2008
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