
Wie werde ich...?
Fluglotse: Die «Augen
des Himmels» suchen Nachwuchs
Von Stefanie Dorn
Langen/Frankfurt (gms) - Der Luftraum
über Deutschland gehört heute zu den verkehrsreichsten
der Welt. Bis zu 8000 Flugzeuge pro Tag bewegen sich auf Luftstraßen
und den Flughäfen der Bundesrepublik. Damit es dabei sicher
und reibungslos zugeht, muss der Flugverkehr ständig überwacht
und geregelt werden. Modernste Technik und die Lotsen der Deutschen
Flugsicherung (DFS) ermöglichen die Sicherheit, die ein ständig
steigendes Luftverkehrsaufkommen erfordert - damit es nicht eines
Tages im Cockpit heißt: «Frankfurt, we have a problem!»
Im Team arbeiten, schnell Verantwortung
übernehmen, mit anspruchsvoller Technik umgehen können
- das sind die Anforderungen, die ein Fluglotse erfüllen sollte.
Dafür gilt der Beruf als krisensicher, zudem wird ein sehr
gutes Gehalt gezahlt. Trotzdem fehlt es zur Zeit an qualifiziertem
Nachwuchs: «Allein in diesem Jahr haben wir Bedarf für
160 bis 180 Lotsen», sagt Ute Otterbein von der Zentrale der
Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt, «wir suchen
vor allem Mitarbeiter für die Streckenkontrolle.»
Das Symbol für Flugsicherheit ist
der Tower am Flughafen. In den weithin sichtbaren Türmen mit
den großen Glasfenstern sitzen die Towerlotsen: «Sie
koordinieren per Sprechfunk den Flugverkehr auf den Start- und Landebahnen
eines Flughafens sowie den Luftraum in seiner unmittelbaren Nähe»,
erklärt Ute Otterbein. «Auf einer speziellen Funkfrequenz
erteilen sie den Besatzungen im Cockpit die nötigen Freigaben
rund um Start-, Lande- und Parkvorgänge.»
Die Kollegen der Towerlotsen sind die
Centerlotsen, die für die Streckenkontrolle verantwortlich
sind. Sie arbeiten in den Kontrollzentralen der Flugsicherung und
lenken all die Flugzeuge, die nicht im Zuständigkeitsbereich
der Towerlotsen fliegen. Mit Hilfe von Radar sehen sie ihre fliegenden
Schützlinge als wandernde Quadrate, jedes versehen mit wichtigen
Flugdaten wie zum Beispiel Flugnummer, Geschwindigkeit und Höhe.
Was hinter diesen kleinen Kästchen steht, darf der Lotse niemals
vergessen: Flugzeuge aus aller Welt - groß, schnell und mit
vielen Menschen an Bord.
«Damit wir unseren Job richtig machen
können, sind wir weltweit immer auf die zuverlässige Arbeit
der Flugsicherung angewiesen», sagt Georg Fongern, Sprecher
der Vereinigung Cockpit (VC) in Neu-Isenburg. Fongern ist Kapitän
auf einem Airbus A 340 der Lufthansa und fliegt regelmäßig
auf der Langstrecke, zum Beispiel nach Nordamerika oder Asien. «Was
für die Cockpit-Besatzung gilt, trifft auch auf die Fluglotsen
zu - unter Stress professionell und korrekt arbeiten, Entscheidungen
treffen und kommunikativ sein.»
Die Kommunikation in der Luftfahrt muss
knapp sein und Irrtümer ausschließen. Pilot und Lotse
verständigen sich deshalb mit Hilfe einer speziellen Sprache
aus international festgelegten Standardsätzen und Begriffen.
Sie haben auch ihr eigenes Alphabet von A wie Alpha bis Z wie Zulu.
Trotzdem kann dem Piloten manchmal das
Leben unnötig schwer gemacht werden, weiß Flugkapitän
Fongern aus Erfahrung: «Die internationale Fliegersprache
ist Englisch. In bestimmten Teilen der Welt wird Englisch von den
Fluglotsen aber nur lückenhaft gesprochen. Da müssen wir
im Cockpit dann besonders aufpassen und auch schon mal öfter
nachfragen.»
Den Fluglotsen darf keine Bewegung am
Himmel entgehen. Im Reiseflug sollen die Flugzeuge möglichst
schnell und direkt ihr Ziel erreichen. Im Anflug müssen sie
in eine sinnvolle Landefolge gebracht und nach dem Start auf speziellen
Abflugrouten in den laufenden Flugverkehr eingereiht werden. All
das ist die verantwortungsvolle Aufgabe des Centerlotsen. Er muss
dabei immer dreidimensional denken können: Flugzeugtyp, Kurvenverhalten
und Geschwindigkeit sind zu berücksichtigen, ein sich jede
Sekunde veränderndes Verkehrsbild muss schnell und zuverlässig
analysiert werden.
Die Ausbildung zum Fluglotsen findet an
der Flugsicherungsakademie in Langen und einer DFS-Dienststelle
statt. Die theoretische Schulung für Centerlotsen dauert etwa
15 Monate, daran schließt sich ein praktischer Ausbildungsteil
von 12 bis 18 Monaten an. Die Ausbildung zum Towerlotsen ist etwas
kürzer. Der spätere Verdienst liegt zwischen 8000 und
11 000 Mark brutto im Monat. Bewerber sollten das Abitur haben und
nicht älter als 25 Jahre sein. Ein ausgeprägtes räumliches
Vorstellungsvermögen und Sinn für Technik sind in diesem
Beruf unverzichtbar.
«Meine Kollegen und ich müssen
sehr belastbar sein, jederzeit konzentriert arbeiten und auch unter
Zeitdruck die richtige Entscheidung treffen können»,
sagt Thomas Gunkel, Centerlotse im Kontrollzentrum Langen. In Spitzenzeiten
betreut Gunkel etwa 40 Flugzeuge in einer Stunde, da ist kein Platz
für Fehler. Thomas Gunkel kam aus Interesse an der Fliegerei
zu seinem Beruf, Pilot wollte er lieber nicht werden: «Die
Arbeit bei der Flugsicherung war die richtige Alternative - ohne
uns wäre schließlich der moderne Flugverkehr gar nicht
mehr denkbar.»
Informationen: DFS Deutsche Flugsicherung
GmbH, Flugsicherungsakademie, Paul-Ehrlich-Straße 37-39, 63225
Langen (Tel.: 06103/7070, Internet: http://www.dfs.de)
letztes Update
05.12.2005
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