
Wie werde ich...?
Mit Zirkel und Computer - Kartografen
weisen den richtigen Weg
Von Antje Kahle
Frankfurt/Main (gms) - Ob Weltreise, Wochenend-Trip
oder Umzug in eine neue Stadt - bei allen Vorhaben ist die richtige
Orientierung wichtig. Schnelle Hilfe verspricht ein Blick in die
Landkarte oder den Stadtplan. Seit die erste nachweisbare Karte
im Jahr 3000 vor Christus geschaffen wurde, gibt es auch den Beruf
des Kartografen, also des Kartenzeichners. Im Laufe der Jahrhunderte
hat sich das Berufsbild allerdings stark verändert. Und auch
die Wege in diesen Beruf sind unterschiedlich - sowohl Lehre als
auch Studium führen zum Ziel.
Der Zulauf ist nach wie vor groß:
Allein beim Bundesamt für Kartografie in Frankfurt gehen für
zurzeit vier Ausbildungsstellen im Jahr rund 100 Bewerbungen ein.
Als Voraussetzungen reichen ein guter Hauptschulabschluss, ein bisschen
Talent zum Zeichnen und technisches Verständnis. «Alles
andere bringen wir den jungen Leuten schon bei», verspricht
Arno Faulhaber vom Bundesamt für Kartographie.
Ihn überrascht es kaum, dass sich
auch im Computerzeitalter so viele Berufsanfänger für
die Kartografie entscheiden. «Es ist die Mischung aus Alt
und Neu, die den Reiz des Berufes ausmacht», sagt Faulhaber.
Denn längst arbeitet der Kartograf mit dem Computer und nicht
mehr nur mit Lineal und Zirkel.
Der Beruf befinde sich zur Zeit in einem
gewaltigen Umbruch. «Früher war das Arbeiten vor allem
von manuellen Techniken wie Gravieren und Zeichnen geprägt.
Heute steht die grafische Gestaltung, Visualisierung und Verwaltung
von Geodaten am PC im Vordergrund», so Faulhaber. Ausgewertet
werden Vermessungsergebnisse, Luftaufnahmen, Satellitenbilder oder
Forschungsergebnisse.
Auch Oskar Kovac war über das breitgefächerte
Arbeitsspektrum überrascht, als er auf der Suche nach einem
geeigneten Studium über den Beruf des Kartografen «stolperte».
Der 29-Jährige studiert jetzt an der Fachhochschule Karlsruhe
im achten Semester Kartografie und Geoinformatik. Er habe die Erfahrung
gemacht, dass viele gar nichts mit dem Begriff Kartografie anfangen
könnten. «Eine genaue Definition ist schwierig, denn
unser Studiengang ist in mehrere Schwerpunkte unterteilt»,
erklärt er.
Zum einen steht nach wie vor die klassische
Kartografie mit dem Erstellen von topographischen und thematischen
Karten auf dem Stundenplan. Aber auch das Arbeiten mit den neuen
Medien werde unterrichtet. Hauptaufgabe der Kartenzeichner sei es
jedoch immer, geographische Daten so zu visualisieren, dass sie
jeder verstehe.
«In den eigentlichen Beruf des Kartografen
gehen später die wenigsten», weiß Oskar Kovac.
Nur noch etwa 20 Prozent der Ausgebildeten arbeiteten auf Ämtern
und erneuerten alte Karten oder fertigten manuell neue an. Durch
die breite Fächerung der Studieninhalte seien ausgebildete
Kartografen heute auch als Web-Designer, Programmierer oder Mitarbeiter
in der Freien Wirtschaft gefragt. Es sei zum einen die fundierte
grafische Ausbildung, zum anderen die angewandte Informatik, die
es den Absolventen leicht mache, nach dem Studium einen Arbeitsplatz
zu finden.
«Schließlich bilden wir unsere
Studenten so aus, dass sie nicht nur den Ansprüchen von heute,
sondern auch denen in vier Jahren genügen», sagt Professor
Christian Herrmann. Er unterrichtet seit 1983 an der Fachhochschule
Karlsruhe und ist Fachbereichsleiter für Kartografie und Geoinformatik.
«Ich bin ständig bemüht, die Kartografie zu wandeln»,
sagt Herrmann.
Selbst hat er sein Handwerk von der Pike
auf gelernt und jahrelang als Kartograf in verschiedenen Verlagen
gearbeitet. «Die Bezeichnung Kartografie wird immer mehr in
den Hintergrund gedrängt werden», mutmaßt er. Einige
Bücher über das Thema ersetzten Kartografie bereits durch
Geomatik oder Geoinformatik. Das sei nicht so angestaubt, bedeute
aber nichts anderes, als dass die ursprünglichen Wissenschaften
der Kartografie nun mit Hilfe elektronischer Medien durchgeführt
werden.
«Unsere Hauptaufgabe ist nicht mehr
die traditionelle Kartenerstellung, sondern die Präsentation
von raumbezogenen Geodaten», so Herrmann. Dazu gehöre
beispielsweise die Umwandlung von Statistiken über die Arbeitslosigkeit
in bestimmten Regionen oder die Bevölkerungsdichte auf einem
Kontinent in verständliche Grafiken. Nur praxisbezogen müsse
es immer sein, darauf legt Professor Christian Herrmann großen
Wert.
Informationen zum Beruf des Kartografen
gibt es beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie,
Richard-Strauss-Allee 11, 60598 Frankfurt (Tel.: 069/633 31, Fax:
069/633 34 41), bei der Fachhochschule Karlsruhe, Moltkestraße
30, 76133 Karlsruhe (Tel.: 0721/92 50, Fax: 0721/925 20 00) oder
beim Arbeitsamt.
letztes Update
05.12.2005
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