
Wie werde ich...?
Masseur und medizinischer Bademeister
- die Gesundheit fest im Griff
Von Stefanie Dorn
Hamburg (gms) - Dass Massage ein Gefühl
umfassenden körperlichen Wohlbefindens auslösen kann,
hat nicht erst der aktuelle Wellness-Boom ans Tageslicht gebracht.
Das wussten schon die alten Römer mit ihrer ausgeprägten
Bäderkultur - und vor ihnen bereits die Griechen, Chinesen
und Japaner. Heute zählt der Masseur und medizinische Bademeister
zu den nichtärztlichen Heilberufen. Er unterstützt den
Mediziner bei der Aufgabe, Krankheiten zu heilen oder zu lindern.
Ein steigendes Gesundheits- und Fitnessbewusstsein
der Menschen trägt dazu bei, dass der Beruf des Masseurs und
medizinischen Bademeisters heute einen festen Platz in der Physiotherapie
hat: «Die Einstiegschancen sind zur Zeit sehr gut»,
sagt Bruno Blum, seit 25 Jahren Präsident des Verbandes Physikalische
Therapie - Vereinigung für die Physiotherapeutischen Berufe
(VPT) in Hamburg. «Seit einigen Jahren ist bei uns die Zahl
der offenen Stellen größer als die der qualifizierten
Bewerber.»
Zur persönlichen Qualifikation für
den Beruf des Masseurs und medizinischen Bademeisters gehört
physische Belastbarkeit: «Es ist ein körperlich anstrengender
Beruf, der ganz überwiegend im Stehen ausgeübt wird»,
sagt Bruno Blum, der selbst über 30 Jahre Berufserfahrung verfügt
und bei Wettkämpfen die Deutsche Schwimm-Nationalmannschaft
physiotherapeutisch betreut. Allerdings entspricht das klischeehafte
Bild vom Masseur als muskelbepacktem Kleiderschrank nicht den realen
Anforderungen: «Die pure Körperkraft ist nicht das Entscheidende»,
sagt Blum, «es kommt mehr auf Geschicklichkeit und Fachkenntnis
an.»
Auch psychisch müssen Masseure und
medizinische Bademeister sehr belastbar sein. Wie bei allen medizinischen
Berufen gehört auch hier der Umgang mit Krankheiten zum Alltag.
«Wir haben es bei unserer Arbeit täglich mit Menschen
aller Altersstufen, aus allen Gesellschaftsschichten und mit ganz
verschiedenen Krankheiten zu tun», erzählt Blum, «darunter
fallen chronisch Kranke ebenso wie Schulkinder mit Rückenschmerzen
oder Leistungssportler.» Da der Masseur bei seiner Arbeit
engen Körperkontakt zu seinen Patienten hat und manche sogar
jahrelang betreut, ist es für ihn wichtig, innerlich Distanz
zu bewahren: «Mitleid ist in Heilberufen nicht von Vorteil,
der Masseur soll therapieren, aber nicht mitleiden», sagt
Blum.
Ihren Arbeitsplatz haben Masseure und
medizinische Bademeister zum Beispiel in Krankenhäusern, Spezialkliniken,
Facharztpraxen, Massage- und Physiotherapiepraxen, Heilbädern
oder Sportverbänden. Die Palette der Tätigkeiten eines
Masseurs ist sehr breit. Unter dem Oberbegriff der Massage, wie
er im täglichen Sprachgebrauch verwendet wird, verbergen sich
eine ganze Reihe von Spezialisierungen.
Neben der klassischen Massagetherapie
und Sonderformen der Massage gibt es zum Beispiel die Bewegungstherapie,
die Elektro- und Lichttherapie oder die Thermotherapie. Schließlich
brauchen nicht nur Grünpflanzen Licht und Wärme, um zu
gedeihen. Medizinische Bäder und die Balneotherapie sind ebenfalls
bewährte Heilverfahren. Unter letzterer wird die Anwendung
von Moor, Fango oder Schlick verstanden.
Spätestens seit den Aufsehen erregenden
Behandlungserfolgen des Pfarrers Sebastian Kneipp (1821-1897) ist
Wasser als Heilmittel anerkannt. Eine eigene Erkrankung führte
Kneipp zur Idee der Wasserkur. Unter laufender Berücksichtigung
neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse sind inzwischen viele von
Pfarrer Kneipp erprobte Heilverfahren in die moderne Hydrotherapie
eingeflossen.
«Unter Hydrotherapie versteht man
vielfältige Wasseranwendungen bei unterschiedlicher Temperatur»,
erklärt Joachim Rauch, Direktor der Sebastian-Kneipp-Schule
in Bad Wörishofen. «Sie können sowohl zur Behandlung
einzelner Körperpartien als auch im Ganzen angewendet werden.»
Bei Kreislaufstörungen, leichten Gefäßerkrankungen
oder einer Anfälligkeit des Körpers für Erkältungskrankheiten
können zum Beispiel mit dieser Art der «Wasser-Massage»
gute Erfolge erzielt werden.
«Wir beobachten seit einigen Jahren
ein steigendes Interesse an natürlichen Heilmethoden»,
sagt Rauch. Gleichzeitig wachse die Skepsis der Menschen gegenüber
der so genannten High-Tech-Medizin, auch aus Angst vor deren manchmal
gravierenden Nebenwirkungen. «Natürlich gibt es aber
auch Erkrankungen, bei denen weder die Natur noch die Chemie eine
komplette Heilung bewirken kann.»
Den Beruf des Masseurs und medizinischen
Bademeisters kann erlernen, wer mindestens einen guten Hauptschulabschluss
hat. Eine abgeschlossene Berufsausbildung und etwas Lebenserfahrung
sind in diesem verantwortungsvollen Beruf von Vorteil. Die Ausbildung
zum Masseur dauert in der Regel zweieinhalb Jahre. Sie findet an
staatlichen oder staatlich anerkannten privaten Schulen und im Praktikantenbetrieb
statt. Der spätere Verdienst richtet sich stark nach Arbeitsplatz
und Spezialisierung, liegt aber im Durchschnitt bei 3000 bis 5000
Mark brutto im Monat.
«Eine Arztausbildung war mir zu
langwierig und zu kompliziert», sagt Melanie März, Schülerin
im zweiten Ausbildungsjahr an der Sebastian-Kneipp-Schule, «auf
alle Fälle wollte ich aber einen Heilberuf mit direktem Kontakt
zu Menschen.» Melanie März wird bald ihr Berufspraktikum
in einem Krankenhaus oder Reha-Zentrum absolvieren und freut sich
schon jetzt ganz besonders auf die Arbeit mit kleinen Patienten:
«Ich würde mich später gerne auf die Behandlung
von Kindern spezialisieren - die spielerische Gestaltung einer Therapie
ist immer eine besondere Herausforderung.»
Informationen: Verband Physikalische Therapie
- Vereinigung für die Physiotherapeutischen Berufe (VPT), Hofweg
15, 22085 Hamburg (Tel.: 040/227 232 22).
letztes Update
05.12.2005
|