
Wie werde ich...?
Buchhändler: Professionelle
Leseratten müssen kaufmännisch denken
Von Thorsten Wiese
Frankfurt/Main (gms) - Vom Märchenbuch
bis zum Computerratgeber, von Thomas Mann bis zu Asterix: Rund 800
000 Titel sind heute im deutschen Buchhandel lieferbar. Jedes Jahr
kommen etwa 80 000 neue hinzu. Der Buchhändler ist der, der
in dieser riesigen Bibliothek den Überblick behalten muss.
Lernen kann man den Beruf vor allem in kleinen Buchhandlungen. Sie
bieten nach wie vor die meisten Ausbildungsplätze an. Doch
auch in Verlagen, Großhandlungen und Antiquariaten werden
Buchhändler ausgebildet.
Auszubildende lernen, wie man Bücher
bei Verlagen und Großhändlern bestellt und Verkaufsgespräche
führt. «Man steckt sofort mitten im Tagesgeschäft»,
sagt Katja Glaubitz, die den Beruf in der Buchhandlung Engler in
Delitzsch bei Leipzig im zweiten Ausbildungsjahr erlernt. «Da
muss man sich erst mal orientieren, wo welche Bücher stehen
- wie in einer großen Bibliothek», sagt die 17-Jährige.
In der Berufsschule sind wichtige Fächer
Literaturkunde, Bibliographie, Verlagswesen, Buchhandelswirtschaft
und Rechnungswesen. Voraussetzung für die dreijährige
Ausbildung, die Realschüler auf zweieinhalb, Abiturienten auf
zwei Jahre verkürzen können, ist der Hauptschulabschluss.
In der Regel werden vor allem Realschüler und Abiturienten
eingestellt. «Man muss natürlich auch gern lesen. Sonst
kann man Bücher nicht verkaufen», fügt Helga Rainalter
vom Börsenverein des deutschen Buchhandels in Frankfurt hinzu.
Ein Job für Schöngeister ist
Buchhändler aber nicht. «Viele verkennen, dass das Buch
ja auch eine Ware ist. Der Buchhändlerberuf ist sehr kaufmännisch
ausgerichtet.» Auszubildende verdienen im ersten Lehrjahr
etwa 1200 Mark, im zweiten und dritten Lehrjahr je 100 Mark mehr.
Ausgebildete Buchhändler organisieren die Warendisposition
und den Kontakt mit den herausgebenden Verlagen. Dabei geht es nicht
mehr nur um Bücher. Buchhändler müssen sich zunehmend
mit Zeitschriften, Hörbüchern und elektronischen Medien
auskennen.
Gerade in kleinen Geschäften müssen
sie sich um eine Vielzahl von Aufgaben kümmern. «In kleinen
Geschäften erledigt ein Buchhändler alles vom Einkauf
über das Beobachten von Neuerscheinungen bis hin zum Verkaufsgespräch»,
erklärt Helga Rainalter. Hier übernehmen die Angestellten
zudem die Schaufenstergestaltung und stellen Lesungen auf die Beine,
so die Ausbildungsreferentin weiter.
In großen Geschäften ist ein
Buchhändler dagegen meist nur für einen Bereich zuständig.
«Bei uns arbeiten viele Spezialisten unter einem Dach. Der
Kunde erwartet vom Buchhändler, dass er alles über die
Bücher weiß», so Thomas Nitz, der bei der Buchhandlung
Hugendubel in München für die Personalentwicklung zuständig
ist. Bei der Buchhandelskette, die Filialen in zehn deutschen Städten
unterhält, durchlaufen die Auszubildenden zahlreiche Fachabteilungen.
Sie lernen vom Ressort Wirtschaft bis zur Belletristik alle Bereiche
kennen. Nitz achtet bei Bewerbern auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
«Eine glatte Verkaufsschulung führt aber nicht zum Erfolg.
Die Kunden sind da sehr sensibel.»
Wer sich weiter bildet und engagiert ist,
kann es im Verlag zum Abteilungsleiter, im Handel zum Filialleiter
oder Geschäftsführer bringen. Weiterbildungen, etwa zum
Buchhandelsfachwirt, bieten die Schulen des Deutschen Buchhandels
mit der Zentrale in Frankfurt an. An vielen Hochschulen kann man
das Buchwesen aber auch studieren. Die Universitäten in Erlangen,
Mainz, München und Leipzig bieten das Fach Buchwissenschaft
an. An der Fachhochschule Stuttgart kann man Verlagswirtschaft und
Verlagsherstellung studieren. Nach einem literaturwissenschaftlichen
Studium finden viele Buchhändler eine Anstellung im Lektorat
von Verlagen.
Auch Internet-Buchhandlungen beschäftigen
Buchhändler. Kathrin Rüstig etwa hat nach ihrer Ausbildung
Germanistik und Kunstgeschichte studiert und war danach im Vertrieb
verschiedener Verlage tätig. Dort hat sie Kenntnisse über
den Buchmarkt und die wirtschaftliche Seite des Geschäfts gesammelt.
Heute ist sie Chefredakteurin beim Internet-Buchhändler Amazon.de
in München und koordiniert die Arbeit von zehn Fachredakteuren.
Diese wählen für ihr Ressort nach inhaltlichen und verkäuferischen
Gesichtspunkten Neuerscheinungen aus und besorgen die Präsentation
auf der Internetseite von Amazon.de. «Dafür muss man
auch technisches Know-How mitbringen. Als Redakteur baut man selbstständig
Websites, stellt Buchrezensionen und Interviews online», so
die 33-Jährige.
Der Verkauf über das Internet wird
in der Buchbranche immer wichtiger. Dennoch blickt der traditionelle
Buchhandel optimistisch in die Zukunft. «Die Umsätze
im Internet sind eher gering. Scheinbar wollen die Kunden ein Buch
nach wie vor in Händen halten und ansehen, bevor sie es kaufen»,
so Helga Rainalter.
Informationen: In der Reihe «Blätter
zur Berufskunde» ist unter der Bestellnummer 1 - VIII A 104
der Titel «Buchhändler/in» erschienen. Die Broschüre
ist kostenlos bei den Berufsinformationszentren der Arbeitsämter
erhältlich. Auskünfte und kostenloses Informationsmaterial
gibt es beim Börsenverein des deutschen Buchhandels, Abteilung
für Berufsbildung, Großer Hirschgraben 17-21, 60311 Frankfurt
(Tel.: 069/130 62 38, Fax: 069/130 63 36).
letztes Update
05.12.2005
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