
Wie werde ich...?
Info-Broker - Pfadfinder im
Dschungel der Datenbanken
Von Tobias Wiethoff
Frankfurt/Main (dpa/gms) - «Information»
und «Börse» sind
Schlüsselbegriffe des Wirtschaftslebens. Im Beruf des Info-Brokers
gehen beide eine schillernde Verbindung ein: Beruht schon das
Geschäft des Aktienhändlers auf Spekulation, so gilt dies
erst recht
für den Info-Broker. Seine Ware ist die Information, und deren
Wert
lässt sich nicht in Dividenden und Kursgewinnen berechnen.
Die
Chancen für die Pfadfinder des Computer-Zeitalters stehen nicht
schlecht. Schließlich ist der Dschungel an Daten so undurchdringlich
geworden, dass professionelle Lotsen dringend benötigt werden.
Einer der trendigen Datenjäger und
Vorreiter seiner Branche ist
Michael Klems, Inhaber des Datenbank-Informationsdienstes in Bergisch
Gladbach und Betreiber der Website http://infobroker.de. Als
27-jähriger Student war Klems 1990 in einem Buch über
den Begriff
«Online-Datenbanken» gestolpert. Da er ohnehin nach
einer lukrativen
Geschäftsidee Ausschau hielt, entwickelte er das Konzept eines
Recherchedienstes, der im Auftrag von Unternehmen Fachinformationen
zusammenträgt. Zehn Jahre nach der Firmengründung beschäftigt
Klems
drei Mitarbeiter.
In ganz Deutschland gibt es rund 200 selbstständige
Info-Broker,
schätzt Christine Fisch von der Deutschen Gesellschaft für
Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) in Frankfurt.
Weitere 1000 bis 5000 Informationsvermittler arbeiten in Unternehmen.
Die Begriffe für die Tätigkeit
des Info-Brokers schwanken.
Abwechselnd ist die Rede vom Informationsmanager, -specialist,
-professional oder vom Researcher. Es gibt weder ein festes
Berufsbild noch feste Zugangsvoraussetzungen. Häufig wird der
Info-Broker deshalb auch als idealer Beruf für Quereinsteiger
empfohlen - etwa für Absolventen geistes- und
sozialwissenschaftlicher Studiengänge.
Das sieht Michael Klems anders: «Bei
mir arbeiten ein
Verfahrensingenieur, ein Maschinenbauer und ein Kaufmann. Kenntnis
der Materie ist sehr wichtig.» Die meisten Recherchedienste
haben
sich auf ein Fachgebiet spezialisiert, wobei technische und
naturwissenschaftliche Branchen vorne liegen. Oft geht es bei den
gesuchten Informationen um Wirtschaftsdaten wie etwa Bilanzzahlen
der
Konkurrenz oder um Patente und Handelsregisternummern. Zuweilen
sollen aber auch wissenschaftliche Veröffentlichungen
zusammengestellt und für den Kunden aufbereitet werden. Das
ist ohne
eigenen Sachverstand kaum möglich.
Edda Bhattacharjee etwa hat Medizin studiert
und lange in der
pharmazeutischen Industrie gearbeitet. Jetzt bringt die
Informationsvermittlerin aus Frankfurt Pharma-Unternehmen nach einem
festen Fragenkatalog regelmäßig auf den neuesten Stand.
«Die Firmen
könnten sich diese Informationen auch selbst beschaffen»,
räumt sie
ein. «Sie möchten aber nicht selbst in Erscheinung treten.»
Das Internet hat den Informationsfluss
zwar gefördert, aber den
Wert der Ware Information gemindert. Kunden wollen nicht viel zahlen
für etwas, was sie sich per Mausklick selbst und kostenlos
auf den
Schirm holen könnten - wie sie glauben. Tatsächlich schöpfen
Info-Broker aus einer Fülle von rund 10 000 kommerziellen Datenbanken
und 9000 CD-Roms. Für den Zugang zu Datenbank-Websites wie
Genios
werden dabei saftige Gebühren fällig.
Kaum ein Info-Broker kann sich allein
mit der Datenbeschaffung
über Wasser halten. Christian Velten etwa, spezialisiert auf
Biotechnologie, hat seine Berufsbezeichnung um die des Content-
und
Communication-Brokers ergänzt. Er liefert nicht bloß
Informationen,
sondern stellt sie auch gleich noch in Inter- oder Intranetportale
des Kunden.
Die Grenzen zum Online-Redakteur sind
da fließend. Velten,
studierter Biologe und Gründer der Agentur Scitari in Staufenberg
(Hessen), ist außerdem als Dozent für die Deutsche
Angestellten-Akademie tätig, die eine studienbegleitende zweimonatige
Zusatzqualifikation für angehende Info-Broker anbietet. Entsprechende
Kurse gibt es von kommerzieller Seite, aber auch von örtlichen
Handelskammern. Die DGI bietet eine achtwöchige Weiterbildung
zum
Informationsassistenten zum Preis von 2300 Euro (4500 Mark) an.
Am liebsten sieht es der Verband, wenn
künftige
Informationsvermittler ihr Handwerk von der Pike auf lernen: An
sieben deutschen Fachhochschulen kann ein meist achtsemestriger
Studiengang mit Abschluss als Diplom-Informationswirt absolviert
werden. Idealerweise schließt sich dann noch ein zweites Studium
mit
fachlicher Ausrichtung an - eine zeitaufwendige Empfehlung, die
mit
der Tradition der DGI zusammenhängt. Sie reicht bis 1948, also
bis
weit vor die Erfindung des Internets zurück. Zunächst
als Deutsche
Gesellschaft für Dokumentation gegründet, erfolgte erst
50 Jahre
später die Umbenennung.
Auch wenn sich die modischen Info-Broker
und die seriösen
Dokumentare in manchen fremd geblieben sind - in einem Punkt herrscht
Einigkeit: Bevor der Schritt in die Selbstständigkeit gewagt
wird,
sollte ein Informationsvermittler ein paar Jahre in fester Anstellung
arbeiten. Denn so wichtig analytische und sprachliche Fähigkeiten
in
diesem Beruf auch sind - ohne Kontakte läuft gar nichts.
Informationen: Deutsche Gesellschaft
für Informationswissenschaft
und Informationspraxis, Ostbahnhofstraße 13, 60314 Frankfurt
(Tel.:
069/43 03 13, Fax: 069/490 90 96, Internet: http://www.dgi-info.de,
E-Mail: zentrale@dgi-info.de).
letztes Update
05.12.2005
|