
Wie werde ich...?
Kameramann - heimlicher Star
bei Film und Fernsehen
Von Stefanie Dorn
München/Berlin (dpa/gms) - Kameraleute
sind die stillen Stars bei
Film und Fernsehen. Ohne sie würden Bildschirme und Kinoleinwände
dunkel bleiben. Doch in der Öffentlichkeit kennt kaum jemand
ihre
Namen. Dennoch weckt dieser anspruchsvolle Beruf Träume. Und
für die
meisten Bewerber wird es auch immer nur ein Traum bleiben.
«Wir bekommen wöchentlich etwa
zehn Anfragen von jungen Leuten die
alle Kameramann oder -frau werden möchten», sagt Michael
Neubauer,
Geschäftsführer des Bundesverbandes Kamera (BVK) in München.
«Die
Nachfrage übersteigt schon jetzt die Zahl der freien Stellen
bei
weitem. In Zukunft wird der Markt aber noch enger werden, weil das
Interesse an Medienberufen insgesamt steigt.» Große
Begabung und eine
fundierte Ausbildung sind zum erfolgreichen Berufseinstieg als
Kameramann heute unerlässlich.
Michael Neubauer und seine Kollegen betrachten
die rege Nachfrage
mit einem lachenden und einem weinenden Auge: «Es gibt eine
relativ
kleine Gruppe von Kameraleuten, für die der Job tatsächlich
zum
Traumberuf geworden ist.» Diese drehen Kinofilme oder machen
größere
Produktionen für das Fernsehen.
Die meisten deutschen Kameraleute arbeiten
in der aktuellen
Berichterstattung. Das bedeutet fast immer Knochenarbeit unter
erheblichem Zeit- und Konkurrenzdruck. Unregelmäßige
Arbeitszeiten,
körperliche Belastungen und psychischer Stress gehören
ebenfalls zum
Handwerk.
«Als gute Basis für einen erfolgreichen
Berufseinstieg gilt eine
Lehre als Fotograf, gefolgt von Praktika in einem Film-Kopierwerk
oder Geräteverleih», erklärt Bernd-Andreas Bergmann.
Der
Diplom-Kameramann unterrichtet als Gastprofessor Studenten der
Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Babelsberg. «Eine
Assistenten-Tätigkeit in Kamerateams sollte für die nötige
Praxis im
normalen Produktionsalltag sorgen.» Über die erfolgreiche,
mehrjährige Arbeit als Assistent führe der Weg dann traditionell
zum
Kameramann.
Wer später Kinofilme oder andere
große Produktionen drehen will,
ist mit einem zusätzlichen Kamera-Studium an einer Filmhochschule
gut
beraten. «Auch mit dem Diplom in der Tasche werden die Absolventen
aber wahrscheinlich zunächst noch einige Zeit als Assistenten
erfahrener Kameraleute beschäftigt», sagt Bernd-Andreas
Bergmann.
«Für diesen Job braucht man einen sehr langen Atem.»
Den hat Kamerastudent Florian Schilling
bereits bewiesen. Der
junge Mann hat das vierjährige Diplom-Studium an der Deutschen
Film-
und Fernsehakademie in Berlin (DFFB) fast hinter sich gebracht.
Nur
der Abschlussfilm fehlt noch. Angefangen hat Schilling als Set-Hilfe
bei Joseph Vilsmaiers Film «Schlafes Bruder» (1995):
«Damals durfte
ich nur den sprichwörtlichen Kaffee kochen, aber mir wurde
klar, dass
mein Berufsziel Kameramann ist.»
Florian Schilling und seine Kommilitonen
haben das Glück, an der
DFFB mit Michael Ballhaus einen wahren Meister als Dozenten zu haben.
Er kehrt regelmäßig aus Hollywood zurück an die
Spree, um den
Nachwuchs in die Feinheiten der Kameraführung einzuweihen.
Ballhaus
war Bühnenfotograf und Fernsehkameramann, bevor er Anfang der
siebziger Jahre zum Film kam. Seitdem hat er auf beiden Seiten des
Atlantiks mit nahezu allen namhaften Regisseuren und Schauspielern
gearbeitet. Zu seinen jüngeren Projekten zählen «The
Legend of Bagger
Vance» (2000) in der Regie von Robert Redford und «Gangs
of New York»
(2001) von Martin Scorsese.
«In diesem Beruf kommt der Erfolg
nicht über Nacht», sagt Michael
Ballhaus. «Man beginnt mit kleinen Produktionen, macht seine
Aufgabe
möglichst gut und arbeitet dann schrittweise auf ein größeres
Ziel
zu.» Ganz wichtig sei es, am Anfang jede sich bietende Gelegenheit
zu
nutzen, um berufliche Erfahrungen zu sammeln: «Man muss diesen
Beruf
sehr lieben und darf sich neuen Techniken und Stilen nicht
verweigern.» Es gebe viele verschiedene Möglichkeiten,
mit Bildern
eine Geschichte zu erzählen.
Auch erfahrene Kameraleute haben nie ausgelernt:
«Die technische
Entwicklung legt ein rasantes Tempo vor», erklärt Ballhaus.
«Da muss
man Schritthalten, ganz besonders im Bereich der zukunftsweisenden
digitalen Kameras.» Eine angenehme Form der Weiterbildung
ist der
regelmäßige Kinobesuch: «Von guten Kollegen kann
man immer lernen.»
Zwar möchten die Söhne von ZDF-Kameramann
Joachim Giel aus Mainz
in die Fußstapfen des Vaters treten. Doch der rät ihnen,
es sich gut
zu überlegen: «Der Beruf hat sich in den letzten 25 Jahren
sehr
verändert», sagt Giel, der im Bereich Aktuelles/Dokumentation
tätig
ist. «Unsere Arbeit ist sehr schnelllebig geworden und wird
bei zu
vielen Sendern von der Jagd nach der Zuschauer-Quote bestimmt.»
Mit den ZDF-Auslandskorrespondenten war
Joachim Giel in vielen
Krisengebieten der Welt unterwegs. In häufig brenzligen, manchmal
sogar lebensbedrohenden Situationen waren ihm vor allem zwei Dinge
immer besonders wichtig: «Die Bild-Berichterstattung muss
unter allen
Umständen seriös bleiben, und die Familie daheim muss
viel
Verständnis für den Job haben.»
Informationen: Bundesverband Kamera, Brienner
Straße 52, 80333
München (Tel.: 089/34 01 91 90, Fax: 089/34 01 91 91, Internet:
http://www.bvkamera.org).
letztes Update
05.12.2005
|