Wie werde ich...?

Gegen den Datenstau: IT-Spezialisten werden nach wie vor gesucht

Von Verena Wolff

Berlin/Bonn (dpa/gms) - Als die New Economy auch in Deutschland
boomte, wagten viele neu gegründete Telekommunikations- und
Informationstechnologie-Unternehmen bis dahin Undenkbares: Sie
stellten Mitarbeiter ohne Abschluss ein, die gute Ideen für Grafik,
Design und Marketing hatten. Mit Venture Capital und Gewinnen aus
Börsengängen finanzierten sie oft mehr Mitarbeiter, als notwendig
waren. Frischer Wind für die New Economy war damals wichtiger als ein
Hochschuldiplom. Doch so begehrt die Leute waren - heute geht es
selbst IT- und TK-Fachkräften nicht anders als anderen Arbeitnehmern:
Sie müssen lange nach einem Job suchen und werden oft nur für
einzelne Projekte angestellt.

Doch Experten sind sich einig, dass die Talsohle nun langsam
durchschritten ist und es in der ITK-Branche mit ihren rund 750 000
Beschäftigten wieder bergauf geht. «Der Aufwärtstrend hat sich
verzögert, aber jetzt ist die Lage am Markt stabil», erklärt Stephan
Pfisterer, Bereichleiter für Bildung und Personal beim
Branchenverband BITKOM in Berlin. Das aktuelle Branchenbarometer des
Verbandes kommt zu dem Schluss, dass rund 70 Prozent der deutschen
ITK-Unternehmen 2004 mit steigenden Umsätzen rechnet. Jede zehnte
Firma rechne sogar mit einem zweistelligen Plus.

«Der Arbeitsmarkt hinkt noch hinterher - aber da tut sich was»,
sagt Pfisterer. Für das kommende Jahr rechnet er sogar mit einer
weiteren Beschleunigung. «Allerdings kommen wir nicht mehr an die
zweistelligen Wachstumswerte wie Ende der neunziger Jahre heran.»

Auch die Online-Arbeitsvermittler von Monster Deutschland in
Wiesbaden stellen einen positiven Trend fest: «Im Jahresverlauf 2003
lag der Anteil der Stellenanzeigen aus der IT- und
Telekommunikationsbranche bei uns bei rund 34 Prozent», sagt
Geschäftsführer Kai Deininger. Dies sei im Vergleich zum Vorjahr eine
leichte Steigerung um zwei Prozentpunkte - Zahlen, die nach seiner
Einschätzung eine Normalisierung nach der Konsolidierung des Marktes
im Jahr 2002 dokumentieren.

Nicht so rosig sieht es momentan für Berufseinsteiger aus. Laut
Pfisterer werden eher Mitarbeiter mit hohen formalen Qualifikationen
und erster Berufserfahrung gesucht. «Die haben den ersten
Praxisschock überwunden und auch schon den ersten Kunden gesehen.»
Die weltgrößte Computermesse CeBIT in Hannover (18. bis 24. März)
stellt mit dem «Job & Career Market» abermals ein Forum für
Vermittlungsfirmen, Personaldienstleister und Jobbörsen zur
Verfügung. Sie informieren und helfen bei Karriereplanung und
Jobeinstieg oder -wechsel, wie die Deutsche Messe AG ankündigt.

Damit der Einstieg nicht zur unüberwindbaren Hürde wird, sei es
wichtig, Praktika während des Studiums nicht nur zu absolvieren,
sondern auch gut zu planen. «Wer projektbezogenes Arbeiten oder gar
Projekte in Eigenverantwortung nachweisen kann, hat sicher einen
einfacheren Einstieg», sagt Pfisterer. Zudem sei auch
Auslandserfahrung bei den Unternehmen gern gesehen.

Monster-Geschäftsführer Deininger sieht zudem einen anhaltenden
Trend zur Spezialisierung in den Unternehmen. «Demzufolge sind
Spezialisten in immer stärkerem Maß gefragte Arbeitskräfte.» So werde
die IT-Sicherheit zu einem immer wichtigeren Thema. Deininger geht
davon aus, dass sich Investitionen in die Entwicklung von Technologie
und Personal künftig weiter verstärkten. «Allein dieses Beispiel
zeigt, dass die Zukunft IT-Spezialisten wie Software- und
Datenbankentwicklern oder Netzwerkadministratoren gehört.»

Carsten Rolle vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in
Berlin sieht auch die Politik in der Pflicht: «Die staatliche
Weichenstellung muss verbessert werden, denn gerade in dieser Branche
tut sich ein großer Markt auf.» Im E-Business hätten laut Umfragen
zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen Nachholbedarf und
wollten investieren. Dafür bedarf es aber nicht nur Gerätschaften und
Software, sondern auch qualifizierter und motivierter Mitarbeiter.
«Gesundheitswesen und Verwaltung gehen immer stärker online, und in
diesen Bereichen - E-Health und E-Government - wird sich in Zukunft
viel tun», sagt Rolle. Daher müsse sich niemand, der gut ausgebildet
ist, Sorgen machen. «Spezialisten werden nach wie vor gesucht und
teuer bezahlt.»