
Wie werde ich...?
Arbeitsplatz an Bord - Binnenschiffer
auf dem Weg zu neuen Ufern
Von Andreas Heimann
Bonn/Duisburg (dpa/gms) - Binnenschiffer sind viel unterwegs.
Manchmal bekommen ihre Freunde sie Wochen lang nicht zu sehen.
Auf
Kino, Konzerte und den Sportverein müssen sie dann auch
verzichten.
Dafür kommen sie viel herum und haben einen Beruf, der
nach
einhelliger Meinung immer anspruchsvoller geworden ist. Seit
dem
Sommer 2005 gibt es für Binnenschiffer eine neue
Ausbildungsverordnung.
«Die bisherige war uralt, die stammte aus dem Jahr
1940», sagt
Christel Huth vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
in Bonn.
Seitdem hat sich viel getan. «Die Anforderungen an den
Beruf sind in
jeder Hinsicht gestiegen. Großer Wert wird heute auch
auf soziale
Fähigkeiten gelegt.» Denn Binnenschiffer müssen
problemlos im Team
arbeiten können, schließlich sind die Möglichkeiten
begrenzt, sich an
Bord aus dem Weg zu gehen. «Aber auch Kenntnisse im Umweltschutz
spielen heute eine viel größere Rolle», sagt
Huth.
Das Interesse am Beruf wächst nach Beobachtung des BIBB. «Auch
die
Ausbildungszahlen steigen», sagt die Expertin. «Es
war deshalb
höchste Zeit, dass die Ausbildungsverordnung überarbeitet
wurde.» Das
sieht auch Gunter Dütemeyer so. Er ist Geschäftsführer
beim
Arbeitgeberverband der deutschen Binnenschiffahrt in Duisburg
- der
Stadt mit dem größten Binnenhafen Europas. «Die
alte Verordnung
stammte noch aus einer Zeit, als Binnenschiffer ohne Radar
gefahren
sind und keinen Sprechfunk kannten. In der neuen steht das
drin.»
In der Ausbildung sei zwar auch früher
auf neue Entwicklungen
reagiert worden. «Die Veränderungen seit 1940 waren
schließlich
radikal», sagt Dütemeyer - «schon was die
Konzepte beim Schiffbau
angeht.» Die neue Verordnung trägt dem nun auch
offiziell Rechnung.
«
Binnenschiffer müssen heute mit Fax, PC und Internet umgehen
können
und haben oft sogar zwei Radargeräte an Bord», erzählt
der
Verbandsgeschäftsführer. «Infos zu Wasserständen
beispielsweise
werden online abgerufen.»
Körperliche Arbeit spielt für
Binnenschiffer heute eine geringere
Rolle. Dafür werden mehr technische Kenntnisse verlangt. «Das
Steuerhaus eines Binnenschiffes ist wie ein Cockpit»,
sagt Dütemeyer.
Mit den Instrumenten muss der Schiffer umgehen können.
Die Schiffe,
die sie steuern, haben zudem ein ganz anderes Kaliber als noch
vor 30
Jahren: «Waren die früher 85 Meter lang, sind das
heute oft 110
Meter.» Manche sind 15 Meter breit, und statt 1350 können
sie bis zu
3000 Tonnen Güter transportieren. Motoren mit 1200 PS
oder mehr sind
dabei keine Seltenheit.
Haupt- oder Realschulabschluss mit mindestens durchschnittlichen
Noten sollten Bewerber deshalb mitbringen. Begabte Azubis können
die
Lehrzeit auf bis zu zwei Jahre verkürzen. Die Aussichten
für die Zeit
nach der Lehre sind nicht schlecht: «Das Durchschnittsalter
bei den
Schiffsführern ist hoch. Da wird Nachwuchs gebraucht»,
sagt
Dütemeyer. Die Azubis verdienen nach Tarif zwischen monatlich
gut 800
im ersten und rund 1045 Euro im dritten Lehrjahr. Allerdings
sind
nicht alle Arbeitgeber tarifgebunden.
«Die Ausbildung ist ein wichtiges Fundament»,
ergänzt Rolf Günther
von der Reederei Imperial in Duisburg, dem nach eigenen Angaben
größten Binnenschifffahrtsunternehmen in Europa. «Aber
es werden
nicht alle Azubis übernommen.» Manchmal zeige sich
auch, dass
einzelne doch nicht für den Beruf gemacht sind. «Das
ist mit Berufen
an Land gar nicht zu vergleichen.» Gerade was soziale
Kontakte
angeht, sind Binnenschiffer sehr auf ihre Kollegen angewiesen.
Nicht
jeder kommt damit klar, von der Familie oder dem Partner zeitweise
getrennt zu sein.
An Bord sind Binnenschiffer in kleinem
Kreis: «Die
durchschnittliche Besatzung besteht aus drei Mann»,
sagt Gunter
Dütemeyer. Auch das ist nicht jedermanns Sache. «Für
den
Binnenschiffer muss man geboren sein oder sein Herz dafür
entdecken.»
Ist das der Fall, gibt es durchaus einiges zu sehen von der
Welt:
Die Schiffer fahren meist auf den großen Achsen im Wasserstraßennetz,
zum Beispiel auf dem Rhein von Rotterdam bis Basel oder über
den Main
in die Donau Richtung Südosten. «Die West-Ost-Achse
reicht vom
Pariser Becken bis an die Oder», erzählt Dütemeyer. «Binnenschiffer
können dann schon mal einige Wochen unterwegs sein.»
Transportiert werden Güter wie Baustoffe, Mineralöl
oder chemische
Erzeugnisse. «Die Schiffe bringen aber zum Beispiel auch
Erz und
Kohle von Rotterdam nach Duisburg», sagt Rolf Günther.
Immer
wichtiger wird auch in der Binnenschifffahrt der Containerverkehr,
dem Experten auch in Zukunft weitere Zuwächse vorhersagen
- wie dem
Gütertransport auf dem Wasser insgesamt.
Eine Alternative haben Binnenschiffer immer:
Der Gütertransport
ist zwar mit Abstand der größte Bereich. Gebraucht
werden sie aber
auch in der Fahrgastschifffahrt: Egal ob auf dem Rhein oder
auf der
Elbe - die zahlreichen Ausflugsschiffe, die Touristen zu kurzen
Törns
mitnehmen, können auf qualifiziertes Personal nicht verzichten.
Informationen: Arbeitgeberverband der Deutschen Binnenschiffahrt,
Dammstraße 15-17, 47119 Duisburg (E-Mail: info@adb-ev.de,
Internet:
www.adb-ev.de).
letztes Update
05.12.2005
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