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Das öffentliche Denken über Drogen muss
geändert werden
Zu Besuch im ASG: Marion Caspers-Merk
Anlässlich
ihres Besuches im ASG gab die Staatssekretärin im Ministerium
für Gesundheit und soziale Sicherung und Drogenbauftragte
der Bundesregierung Marion Caspers-Merk
den ALBERT-Redakteurinnen Nina Kloß und Sarah Negash
ein Interview zu Fragen der Drogenpolitik.
Für Marion Caspers-Merk sind es vor allem drei Bereiche,
die im Bereich der Bemühungen gegen den Drogenmissbrauch
zur Zeit Sorgen bereiten.
Sie nennt vor allem (1) die Tatsache,
dass immer mehr Mädchen immer früher und immer stärker
rauchen, (2) das sogenannte Koma-Trinken (Rauschtrinken) und
(3) die Entwicklung, dass jeder vierte Jugendliche Erfahrungen
im Konsum von Cannabis-Produkten hat, wobei eine beachtliche
Zahl täglich zu ihnen greift und ernste Probleme bekommt.

Die
laufenden Bemühungen und Campagnen zur Suchtvorbeugung
hält Marion Caspers-Merk zwar nicht für vergeblich,
aber doch nicht für hinreichend. Es sei eine Tatsache,
dass -allen Warnungen zum Trotz- Jugendliche immer früher
rauchen und zum Alkohol greifen. Jugendliche verfügten
z.T. über beträchtliche Geldmittel, mit denen sie
sich die überall unkontrolliert angebotenen sog. "legalen
Drogen" beschaffen könnten. Im Bewusstsein der Jugendlichen
sei es "cool", zu rauchen und zu trinken. Hier Veränderungen
herbeizuführen, sei eine Aufgabe der Gesellschaft. Verbote
allein reichten dabei nicht, wie die Wirkungslosigkeit des
Jugendschutz-Gesetzes zeige. Daher gelte es Maßnahmen
zu ergreifen, die Jugendlichen den Zugang z.B. zu Zigaretten
erschwere.

Dem Schutz von Nichtrauchern misst
Marion Caspers-Merk große Bedeutung bei. Ein entsprechendes
Gesetz über den Schutz von Nichtrauchern am Arbeitsplatz
sei in Kraft getreten. Ihr Wunsch sei es, dass in Schulen
und anderen öffentlichen Einrichtungen das Nichtrauchen
nicht die Ausnahme sondern der Normalfall sei.

Eine Besorgnis erregende Entwicklung
ist für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung darin
zu sehen, dass die Industrie neue
alkoholische Mischgetränke (z.B. Alcopops) anbietet,
die gerade bei Jugendlichen Anklang finden. Der Konsum solcher
Getränke sei in diesem Jahr um 300% gestiegen. Eine Sondersteuer
auf derartige Getränke, wie sie in Frankreich erhoben
werde, könnte, so Marion Caspers-Merk, evt. eine wirksame
Abwehrmaßnahme sein.

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