Die Seite ist optimiert für Internet Explorer

„Amok in der Schule- Die Tat des Robert Steinhäuser“
Adolf-Grimme-Institut zeigt Dokumentation über das Massaker von Erfurt

Betroffen reagierten die etwa 300 Zuschauer, darunter viele Schülerinnen und Schüler, auf die eindringliche Dokumentation des Massakers von Erfurt, die das Adolf-Grimme-Institut in Gegenwart des Autors Thomas Schadt in der Aula zeigte.

Damals war es ein großer Schock für alle. Der 19-jährige Robert Steinhäuser erschoss am 26. April 2002 12 Lehrer, eine 14-jährige Schülerin, einen 15-jährigen Schüler, die Schulsekretärin und einen Polizisten, bevor er sich selbst erschoss. Der Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums war 6 Monate zuvor der Schule verwiesen worden, da er eine Klausur schwänzte und ein gefälschtes ärztliches Attest vorlegte. Der Dokumentarfilm von Thomas Schadt und Knut Beulich zeigte die Trauer der Hinterbliebenen. Der Film fing mit einem Selbstportrait von Robert Steinhäuser, von Herbert Grönemeyer gelesen, an und endete auch damit:
"Ich denke, ich stehe noch am Anfang meines Lebens. Momentan versuche ich mein Abitur so gut wie möglich zu bestehen. Vor einiger Zeit war mein Ziel, Informatik zu studieren, doch benötigt man dafür zehn Punkte im Leistungskurs, die ich nicht erreichen kann. Deshalb musste ich diesen Traum leider aufgeben. Zur Zeit ist die Schule alles andere als lustig, da es die ganze Zeit nur darum geht, irgendwelche Leistungen zu erbringen. Mein derzeitiges Ziel ist es, einmal ein gutes Abitur zu bekommen und zum Zweiten als Technischer Systemanalytiker zu arbeiten. Ich sehe mich persönlich als einen Menschen, der seine Macken hat und manchmal etwas schwer zu ertragen ist. Allerdings habe ich auch meine guten Seiten, wie z. B. meinen Humor. Wie mich die anderen konkret sehen, weiß ich nicht und ist mir auch irgendwie egal. Allerdings reichen die Meinungen von ,sympathisch' bis ,kann ich nicht leiden'. Meiner Meinung nach ist es nur wichtig, wie man sich selber sieht, und nicht, wie einen die anderen sehen."
Robert Steinhäuser, Deutscharbeit 11. Klasse, Gutenberg-Gymnasium. Der Lehrer bewertete diese Klausur mit 4-.
Lehrer, Mitschüler und auch die Eltern und der Bruder von Robert Steinhäuser konnten sich in dem Film zu dem Amoklauf äußern. Jedoch wollten die Eltern und der Bruder unerkannt bleiben und wurden daher durch Schauspieler ersetzt. Die Jugendorganisation „Schrei nach Veränderung“ gab den Zuschauern einen Einblick in ihre Gefühle. Der Film zeigte, dass niemand mit einer solchen Katastrophe gerechnet hatte. Die Eltern hatten sich nicht genug um ihren Sohn gekümmert. So kam es, dass ihnen nicht aufgefallen ist, dass Robert ein halbes Jahr lang jeden Morgen nicht in die Schule, sondern in ein Café ging.
Auch wenn die Ehefrau eines getöteten Lehrer nach der Verantwortung von Lehrern, Eltern und der Gesellschaft fragt, geht es in dem Film nicht um Schuldzuweisungen. Eher suchte der Film nach Antworten auf die Frage warum? Robert Steinhäuser war mit sich selbst nicht zufrieden. Er hatte mit seinem Schulverweis keinen Abschluss und wusste nicht mehr, was er machen sollte. In dem Attentat sah er den einzigen Ausweg. Die Hinterbliebenen der Opfer erzählten den Zuschauern, wie sie selbst mit ihrem Schmerz umgehen. Der Lebensgefährte einer getöteten Lehrerin verstand auf einmal die Todesstrafe und sagte, dass er froh sei, dass Robert Steinhäuser tot sei. Die Ehefrau eines anderen Lehrers ging mit ihrem Schmerz ganz anders um. Sie ging am Tage nach dem schrecklichen Geschehnis zu der Familie des Täters und ließ dort ihren Gefühlen freien Lauf. Die ehemalige Klassenlehrerin von Robert Steinhäuser erzählte, dass sie mit dem Geschehnis nicht mehr umgehen kann und es nicht aushält, dass sie nur zufällig an dem Tag nicht in der Schule war und daher ihrem wahrscheinlichen Tod aus dem Weg gegangen sei. Sie hält dem Druck nicht mehr Stand und kann ihren Beruf als Lehrerin nicht mehr fortführen. An Versöhnung ist für einige nicht zu denken. Die Familie von Robert Steinhäuser sagte, sie seien es nicht gewesen, die die Tat begangen hätten. Sie können sich nicht für die Tat ihres Sohnes mit den Hinterbliebenen des Opfers aussöhnen. Jedoch gaben sie denjenigen, die ein Gespräch mit ihnen führen wollten, die Möglichkeit dieses auch zu tun.
Auch die angeforderten Leistungen an der Schule sind eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem „warum?“. In dem Film wird die Inschrift über der Eingangstür des Gutenberg-Gymnasiums gezeigt: „Lebe um zu Lernen“ Dem Druck, der auf ihm lastete, konnte Robert Steinhäuser nicht mehr standhalten. Er wusste, dass er das Abitur wahrscheinlich nicht schaffe und schwänzte deshalb auch die Klausur.
Außerdem zeigte der Film das fehlende Interesse ein Jahr nach dem Massaker. Die Erfurter- Schülerorganisation „Schrei nach Veränderung“ wartete am Domplatz auf Leute, die mit ihnen ein Fragezeichen formen wollten, doch es kam niemand.
Am Ende des Films las Herbert Grönemeyer zum zweiten Mal den Aufsatz Robert Steinhäusers vor.
Nach der Vorführung hatten die etwa 300 interessierten Zuschauer die Möglichkeit, mit dem Filmemacher Thomas Schadt selbst zu diskutieren. Die Schüler, Lehrer und Eltern sprachen über ihre Gefühle nach dem Film und über Möglichkeiten eine solche Tat zu verhindern. Verändert hat sich nach der Tat nicht viel, aber das Thüringische Schulgesetz. Schulabgänger haben jetzt auch nach der 10Klasse einen Schulabschluss. Die meisten waren sehr betroffen und es ist zu hoffen, dass sich eine solche Tat nicht wiederholt. Außerdem stand der 2malige Adolf-Grimme-Preisträger Thomas Schadt für Fragen zu dem Machen von Dokumentarfilmen zu Verfügung.

Catharina Peters

 

nach oben

Online Informationen

Der Spiegel - Focus - FAZ - Frankfurter Rundschau - TAZ - Die Zeit

Süddeutsche Zeitung - Netzzeitung - Tagesschau - N-TV - Neue Züricher Zeitung

Marler Zeitung - WAZ

Sonstige

ALBERT ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.

letztes Update 08.01.2005