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Schulverbundwettbewerb Marl

Eine Überzeugung mit Argumenten und Nachdruck vertreten, ohne laut zu werden und den Kontrahenten persönlich anzugreifen – das ist eine Kunst, die selbst unter Erwachsenen die Wenigsten beherrschen. Wie's geht, machten gestern 32 Jugendliche aus vier Marler Schulen vor. Tief beeindruckte Juroren hatten es nicht leicht, vier von ihnen zu Siegern zu erklären.

VON ROBERT KLOSE

"Jugend debattiert" heißt der Wettbewerb, der bundesweit rund 40 000 Jungen und Mädchen an die Rednerpulte bringt, seit diesem Jahr erstmals auch Teilnehmer aus Marl. Aus dem Doppelgymnasium, der Willy-Brandt-Gesamtschule und dem Hans-Böckler-Berufskolleg kamen die jungen Meister des disziplinierten Streitens – sie zeigten Qualität und ein hohes Maß an Kompetenz.

Zum Beispiel bei der Frage, ob in Radio und Fernsehen eine Mindestquote für Musik in deutscher Sprache eingeführt werden solle. Eigentlich ein Stammtisch-Thema, doch vier Schüler aus der Sekundarstufe II demonstrierten eindrucksvoll, dass es möglich ist, auch damit fundiert und durchdacht umzugehen. 24 Minute dauerte die Debatte (wie jede andere, das war vorgegeben) – keine einzige davon war langweilig. Schutz vor übermächtigen US-amerikanischen Kommerz-Interessen, Förderung des musikalischen Nachwuchses, Gesangstauglichkeit verschiedener Sprachen... das waren nur einige der Argumente, die ausgetauscht wurden.

Eine "richtige" Meinung am Ende gab es nicht, wohl aber eine Bewertung der Juroren, die viel Zeit für ihre Rangfolge brauchten. Ergebnis am Ende: Sieger war Dennis Kloß vom Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG). Mit dem Zweitplatzierten Francisco Kröger (Hans-Böckler-Berufskolleg, HBB) nimmt er an einem dreitägigen Rhetorik-Seminar teil, beide ziehen in die Qualifikationsrunde für den Debattierwettbewerb auf Landesebene. Dritter wurde Stephan Plietker (ASG), Vierter Georg Wüller (HBB).

In der Ausscheidung der Sekundarstufe I blieben die ASG-Teilnehmer am Ende unter sich: Siegerin wurde Kerstin Pesch, Zweiter Olaf Riemenschneider. Beide haben sich ebenfalls für die weitere Teilnahme und für das Seminar qualifiziert. Die weiteren Plätze gingen an Benedict Schuster und Fabian Meißner.

Ohne Losglück Nr. 1 geworden

Dabei bewies die Siegerin große geistige Reife: In der Finaldebatte der Sekundarstufe I ging es um ein generelles Rauchverbot an nordrhein-westfälischen Schulen. Privat eine Befürworterin dieser Regelung, erwischte Kerstin Pesch ein Los, das sie auf die Contra-Position brachte. So musste sie gegen die eigene Überzeugung den Standpunkt der Verbotsgegner vertreten – und tat es so überzeugend, dass die Juroren sie zur Favoritin machten. Damit gerechnet hatte sie "eigentlich nicht". Sie fand ihre Kontrahenten sehr stark – was sie übrigens mit ihrem Champion-Kollegen aus der Sekundarstufe II gemeinsam hat.

Eine sehr erwünschte Nebenwirkung ließ gestern am Rande des wortgewaltigen Wettkampfs manche Lehrer-Gesichter strahlen: Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Schulen und Schulformen lernten sich kennen und schätzen. Vorurteile gerieten ins Wanken – wie bei einer guten Debatte.

Gefreut hätte es den Landeskoordinator des Wettbewerbs und ASG-Lehrer Ulrich Schulte-Ebbert, wenn am Nachmittag mehr Publikum den Weg in die Aula gefunden hätte. Vielleicht würde es ja helfen, künftig die Eingangstür nicht abzuschließen...

Allgemeine Informationen zu Jugend debattiert

Jugend debattiert im Schulverbund Marl

[ Gründung des SVB-Marl mit Basisseminar I Einladung zum Wettbewerb I Programm I Finale ]

Presseberichte

 

Die Presse berichtet: WAZ Marler zeitung

Bundesfinale 2004 in Berlin

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letztes Update 08.01.2005