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Ich hatte es geschafft
Erinnerung an den Bundeswettbewerb
Jugend musiziert
von Ann Kristin Pfänder
Ich durfte über Regionalwettbewerb und Landeswettbewerb zum
Bundeswettbewerb von Jugend Musiziert, der dieses Jahr vom 31.Mai
bis 7.Juni in Freiburg stattfand. Start der Expedition war Donnerstag
12 Uhr. Vorher noch eben eine Mathearbeit. Doch die Gedanken schweiften
schon immer wieder zu meinem bevorstehenden Vorspiel. Die Hinfahrt
begann mit Stau und hörte mit Regen auf. Na,, das war ja schon
ein super Start.
Treffpunkt für alle jungen Musiker war das Konzerthaus, wo
der „Check-In“ stattfand. Mir wurde klar, was uns für
eine Beachtung geschenkt wurde, als ich staunend das große
Gebäude wahrnahm. Die Atmosphäre war voll prickelnder
Spannung und Aufgeregtheit sowohl bei den Musikern, als auch bei
den mitgereisten Eltern und Lehrern. Ständig kamen „Neuankömmlinge“,
zum Teil bepackt mit ihren großen Instrumenten, die sich
orientierungssuchend, aber genau wie ich, staunend umsahen. Jeder
Teilnehmer erhielt als Begrüßungsgeschenk eine knallrote
Umhängetasche mit dem Jugend-Musiziert-Logo. In der kommenden
Woche diente sie als Erkennungszeichen in der gesamten Stadt, nach
dem Motto: „ Schon wieder einer von uns 2000 “, dem
man dann ein Lächeln schenkte oder es kam sogar zu einem kurzen
Gespräch.
Mein Bewertungsspiel war am Freitag um 11.30
Uhr. Die Nacht war kurz, da ich vor Nervosität wenig geschlafen hatte. Auch das
Frühstück wollte mir nicht richtig schmecken.
Als ich an der Aula der Pädagogischen Hochschule angekommen
war, musste ich erst einmal zu Fototermin. Die Jury brauchte die
Fotos der einzelnen Teilnehmer, da schließlich 46 Teilnehmerinnen
und ein Teilnehmer alleine in meiner Altersklasse an den Start
gingen.
Ich wurde schon vorab gefragt, ob ich ein Bewertungsgespräch
mit der Jury haben wollte. Wollte ich das? Hilfesuchend schaute
ich zu meiner Lehrerin die meinte: „Nimm alles mit was du
kriegen kannst!“ Also ging ich überzeugt zum Koordinator
zurück: „ Ja ich hätte gerne ein Bewertungsgespräch!“
Dann hatte ich fünf Minuten Zeit, die Akustik der Aula zu
testen. Danach ab ins Einspielzimmer, wo noch einmal Teile des
Programms mit meiner Klavierbegleitung gespielt wurden, um mich
und meine Flöte auf Betriebstemperatur zu bringen. Jetzt konnte
es endlich losgehen. Doch ausgerechnet jetzt machte die Jury eine
ungeplante Pause. Dadurch wurde ich nicht ruhiger und tigerte nervös
auf und ab. Dann war es endlich soweit. Hinein in die Aula, auf
die Bühne. Vor mir die fünfköpfige Jury, bestehend
aus professionellen, studierten Flötisten/innen und vielen
Zuhörern. Nächster Schritt: die Flöte zum Klavier
einstimmen. Doch mein A klang einfach anders. Nach einem Hin-und-Her-Suchen
und einem coolen: “Ich hab’s gleich“ von mir
an die Jury, konnte es jetzt aber wirklich losgehen.
Mein erstes Stück die e-moll Sonate von C.P.E. Bach gelang
mir gut. Jetzt kam der Wechsel zur Moderne, zur Fantaisie-Caprice
von André Jolivet. Auch das klappte. Nun noch mein eigentliches
Paradestück- das romantische Opus 107 von Cécile Chaminade.
Beim Tempowechsel zum schnellen Teil schockte ich meine Begleitung
mit einem Tempo à la Michael Schuhmacher. Jetzt wollte ich
es anscheinend schnell hinter mich bringen. Doch bei diesem Tempo
unterliefen mir leider zwei kleine Patzer. Schade, aber davon geht
die Welt nicht unter. Dann war es vorbei, das wofür ich so
lange geübt hatte. Das Publikum und die Jury applaudierten.
Große Erleichterung machte sich in mir breit und die Anspannung
ließ nach. Nun konnte ich mir in Ruhe ein paar meiner Konkurrentinnen
anhören. Um mein Ergebnis zu erfahren musste ich allerdings
noch bis Sonntagabend warten.
Die Wartezeit wurde den Teilnehmern/innen durch
ein vielfältiges
und interessantes Rahmenprogramm verkürzt. So gab es am Freitagabend
ein Begrüßungskonzert mit dem Freiburger Symphonieorchester
und namenhaften Solisten. Anfangs dachte ich: „Oh mein Gott,
wie langweilig“, aber dann wurde ich von der Atmosphäre
positiv überrascht. Das Publikum bestand nicht, wie heutzutage
bei vielen Klassikkonzerten aus Senioren, sondern Ju-Mu-Teilnehmern,
also Jugendlichen bis 20 Jahre. Ich wusste gar nicht, dass man
bei einem Klassikkonzert auch pfeifen, jubeln und trommeln kann.
In der Pause erkannte man Gesichter, tauschte Erfahrungen aus und
verabredete sich für das nächste Konzert.
Der absolute Höhepunkt sollte aber die legendäre Ju-Mu-Party
am Sonntagabend sein. Doch vorher war da ja noch was. Richtig,
die Ergebnisbekanntgabe von Querflöte meiner Altersklasse.
Noch einmal Hochspannung und dann mein Ergebnis. Ein dritter Preis-
und das im Bundeswettbewerb! Wow! Das musste erst einmal gefeiert
werden, wozu sich die Party natürlich anbot.
Ich hatte ja schließlich auch schon eine Verabredung mit
der Geige aus Dresden, den ich gerne als erste Geige für unser
Jugend Sinfonie Orchester Marl abgeworben hätte. Gemeinsam
lernten wir auch noch eine Blockflöte aus Berlin und eine
Posaune aus München kennen. Im meinem Telefonverzeichnis befinden
sich jetzt bestimmt fünf Handynummern mehr.
Für die Stimmung sorgte eine Live-Band, die alles außer
Klassik spielte. Auch die Freigetränke kamen gut an und nach
und nach füllte sich die Tanzfläche.
Das Preisträgerkonzert am Montagabend wurde vom Süd
West Rundfunk mitgeschnitten. Die Leitungen der Solisten waren
hervorragend und die über 1000 Zuhörer feierten sie begeistert.
Leider musste ich am Dienstag die Heimreise
antreten. Gerne hätte
ich auch noch das andere Preisträgerkonzert am Dienstagabend
und das große Abschlusskonzert am Mittwoch, mit der Verleihung
der Sonderpreise durch Frau v. d. Leyen, miterlebt.
Diese spannende Zeit in Freiburg
ist für
mich ein unvergessliches Erlebnis.
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