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Vor wenigen Jahren gründete
degussa die Initiative „Young Spirit“, mit der
Mitarbeiter aufgefordert werden, Kontakte zu Schulen aufzubauen
oder bereits bestehende Kontakte zu intensivieren. Auf diese
Weise soll das Interesse an naturwissenschaftlichen Studiengängen
gefördert werden, um letztendlich Nachwuchskräfte
für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Zwar liegt der
Focus bei Kindern im Grundschulalter, die durch Experimente
aus dem Chemiebaukasten an die Chemie herangeführt werden
sollen. Bereits bei der Initialveranstaltung im Jahre 2005
in Marl konnte Rolf Schumann als Mitarbeiter des Engineerings
darauf verweisen, dass gerade für die Verfahrensauslegung
bei der Chemieanlagenplanung fundierte Kenntnisse der Mathematik
unerlässlich sind und ein Marketing für Naturwissenschaften
an den weiterführenden Schulen sinnvoll erscheint.
Angefangen hatte alles im Jahre 2000:
Damals beklagte sich Mathematiklehrer Klaus Korus (ASG) darüber,
dass die Schüler in den gymnasialen Oberstufen zu wenig
Vorstellungen über Studium und berufliche Praxis hätten,
wenn sie nach dem Abitur die Schule verließen. Ihm schwebte
vor, dass jemand mit Berufserfahrung einmal anhand des eigenen
Lebenslaufes darstellen sollte, wie er zum Mathematikstudium
gekommen sei, welche Höhen und Tiefen er während
des Studiums durchlaufen hätte, welche Anforderungen später
im Berufsleben gestellt werden und wie sich das Verhältnis
zwischen Mathematik und Managementaufgaben weiterentwickelt
hätte. Für Rolf Schumann war das Anreiz genug , einen
Vortrag an seiner alten Schule zu halten, in der er selbst
neun Jahre lang die Schulbank gedrückt hatte. So trat
er als Einzelkämpfer im Juni 2000 erstmalig vor einen
Leistungskurs Mathematik, erzählte von simulierten Crash-Tests
bei einem der führenden deutschen Autositzhersteller,
von der Berechnung der Verfahrwege einer Fünfachs-Fräsmaschine,
von Fragestellungen bei der CAE-Betreuung in einem Chemie-Unternehmen
sowie vom Projektmanagement bei der Einführung eines Dokumenten-Managementsystems.
Da der Vortrag eines Einzelnen das
Spektrum der mathematischen Anforderungen im Berufsleben nicht
vollständig abdecken kann, entwickelten Klaus Korus und
Rolf Schumann das Konzept einer dreitägigen Vortragsreihe,
bei der sowohl die mathematischen Grundlagen als auch deren
Anwendung bei einem Unternehmen der Spezialchemie vorgestellt
werden sollten.
Auch in diesem Jahr haben Mitarbeiter
der degussa wieder am Albert-Schweitzer-
Gymnasium Marl im Leistungskurs Mathematik eine berufskundliche
Veranstaltungsreihe zur Thematik „Mathematik in der Chemieanlagenplanung“ durchgeführt.
Die
Lehrer Kristall (links) und Korus (2. von rechts) mit den
Vortragenden Schumann, Dr. Schwarz, Dr. Burger (von links)
Dieses Jahr ergab sich ein besonders
in sich abgeschlossenes, rundes Bild: Als am dritten Tag Dr.
Burger von der Business-Unit High Performance über die
Vermarktung eines Schmelzverfahrens berichtet, bei der über
Lasertechnik in einem Pulvergemisch aus Polyamid schichtweise
dreidimensionale Strukturen eingebrannt werden, spannt er damit
den Bogen zum ersten Vortrag, in dem bereits über die
Berechnung von komplexen Körpern mittels Spline-Funktionen
gesprochen wurde.
Bei dem Schmelzverfahren entstehen
maßgeschneiderte Formteile, die filigrane Bemusterungen
und komplizierte Innenstrukturen besitzen. Solche Formteile
konnten in der Vergangenheit nur durch Herstellung mehrerer
Einzelteile in getrennten Arbeitsgängen hergestellt werden,
die im Nachhinein miteinander verklebt werden mussten. Durch
die Fertigung in einer Einheit entstehen Kunststoffteile, die
weitaus höheren physikalischen Belastungen genügen.
Die Verschmelzung tritt an den Positionen auf, bei denen der
Laserstrahl zielgenau das Pulvergemisch trifft. Die Verfahrwege
des Lasers werden wiederum im Computer über aufwendige
mathematische Verfahren berechnet.

Rolf
Schumann erläutert die Berechnung von gekrümmten
Raumkurven, die mittels Splines dargestellt werden.
Als zweiten wichtigen Punkt des Vortrages
von Dr. Burger nehmen die Schülerinnen und Schüler
mit nach Hause, dass zur Planung einer Chemieanlage nicht nur
die verfahrenstechnischen Aspekte gehören, sondern auch,
dass vor der Erstellung betriebwirtschaftliche Betrachtungen
durchgeführt werden müssen: Ist der geplante Standort
unter logistischen Überlegungen optimal gewählt worden?
Kann nach Produktionsaufnahme ein Verkaufspreis erzielt werden,
mit dem für das eingesetzte Kapital eine hinreichend große
Rendite erzielt wird?
Diese beiden Vorträge rahmen
den Vortrag von Frau Dr. Schwarz ein, die einen Schwerpunkt
auf die Berechenbarkeit von linearen Gleichungssystemen mit
anschliessender Fehlerabschätzung legt. Augen und Ohren
stehen offen, als davon berichtet wird, dass bei einer Simulationsberechnung
eines chemischen Verfahrens zur Erzeugung der Pulvergemische über
1000 Variablen gelöst werden müssen.
Im ersten FeedBack des zweiten Vortrages
steht jedoch nicht so sehr die Frage nach den Simulationstechniken
während der Vorplanungsphase einer Chemieanlage im Vordergrund.
Vielmehr wird nach den Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen
in der Chemiebranche gefragt. Hier herrscht Erstaunen darüber,
dass sich Frauen wagen, ein Ingenieur-Studium in der auch heute
noch von Männern beherrschten Domäne der Chemietechnik
zu beginnen.
ASG-Schulleiter Klaus Jürgen
Koch Koch bedankte sich in einem Nachgespräch für
das Engangement der Vortragenden und wünschte sich, dass
die Kontakte zwischen degussa und dem Albert-Schweitzer-Gymnasium
weiter intensiviert werden. Einer Fortsetzung dieser erfolgreichen
Veranstaltungsreihe steht somit nichts im Wege.

Nach
dem Vortrag werden Rückfragen der Schüler diskutiert
Vortrag
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