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Etwa 99% der steuerpflichtigen Unternehmen
in Deutschland sind kleine oder mittlere Unternehmen. Diese
stellen wiederum 85% der Ausbildungsplätze und ca. 68%
der Arbeitsplätze bundesweit.
Mit einem Blick auf diese Fakten wird deutlich, welche Bedeutung
Existenzgründungen tatsächlich haben – sowohl
ökonomisch als auch gesellschaftlich. So sind sie nicht
nur für den Erhalt der Volkswirtschaft unersetzlich, sondern
dienen als Ausbildungsstätten auch der gesellschaftlichen
Integration Jugendlicher. Mit dem Ziel, heutige Jugendliche
über die Bedeutung und Möglichkeit von Selbstständigkeit
vertraut zu machen, fand am ASG/GSG Marl ein dreitägiger
Workshop zu diesem Thema statt. Die Teilnehmer dieser Veranstaltung
der Stiftung „partnerfuerschule.nrw“ waren zwei
Grundkurse Sozialwissenschaften des Jahrgangs 11.
Am Anfang des Workshops stand die Potenzialanalyse, anhand derer
jeder der Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit
hatte, seine Stärken und die darauf aufbauenden Berufsfelder
zu erschließen. Nachdem konkrete Berufswünsche formuliert
wurden, informierten sich die Jugendlichen unter Aufsicht und
Anleitung der Betreuer des Projekts über ihren jeweiligen
Berufswunsch und nahmen eine Internetrecherche vor. All diese
Aufgaben wurden mithilfe von Leitfragen, speziellen Materialien
und der Unterstützung der Betreuer bearbeitet.
Nachdem nun jeder eine ungefähre Vorstellung von „seinem“
Berufsfeld hatte, kamen natürlich einige Fragen zum Thema
„Selbstständigkeit“ auf. Um diese Fragen zu
klären standen neben den Mitarbeiterinnen der Stiftung
und dem betreuenden Referendar, Herr Kersting, noch Experten
zur Verfügung, die sich vor kurzer Zeit in die Selbstständigkeit
gewagt hatten. Diese Experten konnten ein authentisches Zeugnis
über ihre jeweiligen Wege in die Selbstständigkeit
ablegen – in diesem Zusammenhang blieb den Schülerinnen
und Schüler aber nicht verborgen, dass es ein großes
Risiko ist, sich z.B. aus einem Angestelltenverhältnis
zu lösen: Dem Gewinn an Eigenständigkeit und Freiheit
stehen die Fragen nach den regelmäßigen Einkünften
oder der Krankenversicherung entgegen.
Nach einer ausgiebigen Gesprächsrunde ging der Workshop
in seine Endphase. Die Teilnehmer sollten zu ihren Berufswünschen
eigene Geschäftsideen entwickeln sowie einen entsprechenden
Finanzplan aufstellen. Da Letzteres bislang nicht Gegenstand
des Unterrichts war, stellte diese Aufgabe die Schülerinnen
und Schüler vor Probleme. Dennoch konnten einige aus der
Erstellung eines solchen Finanzplans auch lehrreiche Schlüsse
ziehen: Welchem Oberstufenschüler ist schon bewusst, wie
teuer ein Arbeitsplatz aufgrund der Lohnnebenkosten wirklich
ist?
Zu ihren Geschäftsideen entwickelten die einzelnen Gruppen
Powerpoint-Präsentationen, die am letzten Tag vor den Augen
der aus den Experten und Betreuerinnen bestehenden Jury vorgestellt
wurden. Die präsentierten Ideen waren – auch aus
Sicht der Jury – vielfältig und einfallsreich. So
gab es Pläne von Sprachschulen über ausgefallene Fahrradwerkstätten
bis hin zu tragbaren Glätteisen und einer Ferienanlage
auf den Fidji-Inseln. Besonders angetan war die Jury von den
Namen, mit denen die Schülerinnen und Schüler ihre
Projekte ausgestattet hatten: Die ausgefallenen Fahrräder
sollten bspw. von „Tjunefish“ hergestellt werden,
die Glätteisen „easy straight“ heißen.
Als Gewinner prämierte die Jury allerdings eine andere
Idee: Eine Kunstagentur unter dem Namen „modern arts“,
welche Ausstellungen organisiert, Kunst-Kurse anbietet und es
aufgrund ihres durchdachten Finanzpan schafft, jungen Künstlern
Ausstellungsplatz zum Preis von einem Euro pro Bild und Tag
zur Verfügung zu stellen. Mit Blick auf die Qualität
der Präsentationen hatten sich aber alle teilnehmenden
Schülerinnen und Schüler ein Lob verdient. Allerdings
hatten sich die Jugendlichen an dieser Stelle doch ein ausführlicheres
Feedback seitens der Jury erhofft.
Alles in allem zeigten die Schülerinnen und Schüler
Initiative und fanden Spaß an der Arbeit, so dass der
Workshop als Erfolg bezeichnet werden kann. So bekamen viele
der Jugendlichen genauere Vorstellungen über ihre Berufswünsche
und Möglichkeiten. Zudem kamen sie mit dem Gedanken der
Unternehmensgründung in Berührung und erkannten die
Bedeutung, aber auch die Risiken, die mit diesem Thema und ihrer
Berufsplanung verbunden sind. Da dieser Workshop in dieser Art
und Weise erstmals durchgeführt wurde, gibt es sicherlich
noch Aspekte, die in Zukunft zu verbessern sind, z. B. die Auswertung
der Potenzialanalyse. Gelingt dies, so stellt der Workshop ein
gutes Beispiel offenen Unterrichts und zeitgemäßer
ökonomischer Bildung dar.
Milica Jojevic, Teilnehmerin
des Workshops
Tim Kerstin, Referendar
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