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Von Aristoteles bis Zarathustra

„Sapere aude: Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Immanuel Kant

Es waren vier Tage, die ich nicht so schnell vergessen werde. Vier Tage in denen meine grauen Zellen ziemlich viel arbeiten mussten. Vier Tage, die mich zu der Einsicht gebracht haben, dass am Cliché des verwirrten Philosophen doch etwas dran sein muss.
Durch meine Philosophie-Lehrerin Frau Vollmer habe ich vor einigen Monaten vom Bundeswettbewerb Philosophie erfahren. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb in dem aufstrebende Nachwuchs-Denker ihr Können in Form eines Essays zeigen können.

Bei einem Essay geht es darum einen möglichst überzeugenden, kreativen und logisch schlüssigen Text zu einer bestimmten Fragestellung zu verfassen.
Der Wettbewerb fand dieses Jahr zum siebten Mal statt, jedoch das erste Mal auf Bundesebene. Um sich die Teilnahme an der Winterakademie in Münster zu sichern, hieß es zunächst erstmal kräftig in die Tasten zu hauen. Denn nur die Verfasser der überzeugendsten Essays wurden zu der viertägigen Akademie eingeladen. Dementsprechend war ich dann doch ziemlich überrascht, als der Brief mit der Einladung kam.
So kamen am 6. Februar 25 Philosophie interessierte Schüler, im Alter von 17-20 Jahren aus ganz Deutschland, und ich in Münster zusammen.
Was mich dort erwartete, hatte ich jedoch nicht erwartet. Jugendliche, die Kants Werk „Kritik der praktischen Vernunft“, ein Buch das teils einseitige Bandwurmsätze enthält, im Original gelesen haben oder andere, die neben der Schule Philosophie an der Uni studieren.
So war schon alleine die Vorstellungsrunde beeindruckend: Geschliffene Phrasen, geschickte Rhetorik und außergewöhnliche Hobbys, die vom Verfassen von Dramen bis zu Japanisch-Lernen variierten.
Einer der Gedanken, der mich in diesem Moment überkam, drückte später ein Teilnehmer, zwar ironisch aber sehr treffend aus: „Ich hab den Eindruck, dass ich im Vergleich zu euch ein ziemlicher Loser bin!“, worauf alle begannen zu lachen.
Kaum da, begannen auch schon die philosophischen Gespräche.

Wir diskutierten über Themen der Ethik, Staatsphilosophie bis hin zur Erkenntnistheorie.
Oder auf Normal-Deutsch gesagt stellten wir uns Fragen wie beispielsweise:
Wie sollten wir handeln? Wie sollte ein Staat aussehen und was können wir wirklich wissen?
Später abends, mit einem Bierchen in der Hand, verfolgte ich gespannt die Unterhaltungen, wobei ich manchmal nicht so ganz nachvollziehen konnte, was die „Dialektik von Hegel“ mit der „Staatsphilosophie Machiavellis“ und dem „Leviathan Rousseaus“ zu tun hatte. Kurz gesagt: Ich erkannte, dass mein philosophisches Wissen im Vergleich zu den Anderen im gleichen Verhältnis steht, wie die Größe einer Ameise im Vergleich zu einem Elefanten.

Am nächsten Morgen wurde es dann ernst. Unsere Aufgabe war es innerhalb von vier Stunden einen Essay in Englischer oder Französischer Sprache zu einem uns vorher unbekannten Thema zu schreiben. Alle Essays werden dann von 25 Philosophie-Lehrern bewertet und die zwei besten ausgewählt. Diese sind dann gleichzeitig berechtigt an der internationalen Philosophie Olympiade in Antalya teilzunehmen.
Von 8-12 waren also vier Stunden höchste Konzentration angesagt, sodass man später auch leicht die Erschöpfung in den Gesichtern der Teilnehmer sah. Wer danach erschöpft mit Ausruhen gerechnet hat, lag falsch, denn im Anschluss ging es direkt weiter mit Vorträgen von diversen Professoren der Uni Münster und hitzigen Diskussionen zwischen den Jugendlichen.

Am nächsten Tag standen die beiden Sieger dann fest und ich war überraschenderweise nicht einer von ihnen. Der Vorjahressieger hat auch dieses Jahr das Rennen für sich entschieden. Ein genialer Kopf, der durch seine Originalität und philosophisches Wissen die Juroren besonders überzeugte. Ich belege den 7.Platz, wobei man anmerken muss, dass ich mir diesen noch mit 19 anderen Leuten teile, denn nur die ersten Sechs wurden benannt, danach war Schluss.
Alles in allem sind diese vier Tage eine wertvolle und schöne Erfahrung gewesen. Ich habe viele neue Freunde gewonnen und gelernt, wozu Menschen geistig in der Lage sein können. Der scharfe Intellekt und die Belesenheit dieser 25 Jugendlichen haben mich wirklich beeindruckt. Mir vorgenommen habe ich, es auch nächstes Jahr wieder zu versuchen.
Doch vorher heißt es erstmal „Sapere aude“ und ran an die Bücher…

Fabian Meissner

Philosophie-Essay überzeugte

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letztes Update 01.03.2007