Malte Gesser schreibt
aus Guarapuava (Brasilien)
Schöne Grüße aus Brasilien
Mir geht’s hier soweit gut.
Ich bin in der Stadt Guarapuava (ca.160.000 Einwohner). Ein
Kuhdorf für Brasilien. Guarapuava liegt
in dem Bundesstaat Parana, der an Argentinien grenzt.
Am Anfang
hatte ich zwar ein paar Probleme, die aber gelöst
werden konnten.
Als ich hier angekommen bin, habe ich erst einmal gar nichts
verstanden, trotz Portugiesischunterricht. Es ist einfach
komplett anders, wenn man vor Ort ist. In meinem Ort gibt
es sehr viele Europäer. Im Umkreis von 40 Kilometern
sind deutsche
Kolonien. Die richtigen Brasilianer gibt’s
hier nicht wirklich. Habe hier in der Stadt, glaube ich,
noch keine richtigen farbigen Menschen gesehen, wie man es
eigentlich von Brasilien kennt. Die Stadt ist eine sehr arme
Stadt und die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind sehr
groß.
Die Kriminalität ist hier sehr niedrig. Wird mir
zumindest immer gesagt.

Die erste Woche war eigentlich
ganz locker. Ichmusste noch nicht zur Schule, da ich immer
so lange geschlafen habe und so
kaputt war. Habe aber schon ein paar nette Leute kennen gelernt,
aber auch genauso viele Leute, die man nicht kennen möchte.
In der 2. Woche bin ich endlich zur Schule gegangen.
Habe mich auch schon total darauf gefreut, weil man dort
die meisten und am schnellsten Freunde findet. Diese Schule
war einfach der Horror. Ich habe ja schon gedacht, wir sind
schlimm, aber die haben alles getoppt. In dieser Klasse wären
eigentlich 47 Schüler gewesen, was ich aber am Anfang
nicht wusste, da jeden Tag nur immer 18-20 Schüler kamen. An manchen Tagen waren sogar nur 9 Schüler
in der Klasse.
Der Englischunterricht war auch sehr schön. Die sind
gerade dabei die regelmäßigen Formen des simplepast
zu lernen.
Das muss ich jetzt erzählen. Also. Die Lehrerin hatte
Verben an die Tafel geschrieben, die die Schüler dann
ins Past setzen sollten. Während sie das an die Tafel
geschrieben hat, fragte sie mich, ob sie mir das erklären
soll und ob ich weiß, ob ich das schon kann. Ich musste
mich sehr zusammen reißen um nicht zu lachen. Aber
das ist da wohl normal.
In der Schule gab’s auch irgendwie keine Regeln, da
jeder das gemacht hat, was er wollte.
Man kommt und geht, wann man will, man telefoniert, wann
man will und und und…. Ich habe mich dort auch nicht
wirklich wohl gefühlt, da jeder mich sehr bedrängt
hat, aber mit einer Art, die nicht mehr schön ist. Auf
dieser Schule habe ich auch keine wirklichen Freunde gefunden,
mit
denen ich was machen konnte und wollte.
In der 2. Woche besuchte ich dann eine andere Schule, da
sich herausgestellt hat, dass es keine Privatschule ist und
mir
aber gesagt wurde, dass ich auf eine Privatschule komme.
Diese war mir auch schon von Anfang an sympathischer. 1.
die Optik der Schule 2. die Schüler waren viel netter
3. die Lehrer waren sehr freundlich.
An meinem 1. Tag habe ich die Englischlerhrerin begleitet
und habe dann auch direkt meine zukünftige Klasse kennen
gelernt. Mir wurden während des ganzen Unterrichts Fragen
gestellt, die ich dann auf Englisch beantworten musste. Das
war auch
von Anfang an viel besser. Jeder konnte Englisch, selbst
die 5- Klässler haben mir schon Fragen gestellt. Es
ist also nicht normal für 17 Jährige, kein Englisch
zu sprechen. In dieser Schule waren alle auf dem Standard
wie bei uns
9. Klassen.
Von meiner zukünftigen Klasse wurde ich dann auch direkt
eingeladen, mit nach Curitiba zu fahren (die größte
Stadt in Parana ca. 3 Stunden mit dem Auto entfernt). Es
war nämlich für samstags ein Ausflug zu den Universitäten
in Curitiba geplant, da es ihr letztes Jahr in der Schule
ist. Ich wurde von allen herzlich empfangen und war sehr
froh diese Schule besuchen zu dürfen.
In der dritten Woche wechselte ich dann. Aber es hat nicht
sollen sein. Am 2. Tag kriegte ich einen Anruf, dass ich
mir noch eine andere Schule angucken kann, die noch besser
sein
soll. Ich soll auf diese andere Schule wechseln, da alle
anderen Austauschschüler von Rotary diese Schule besuchen.
Habe mir dann gedacht warum nicht von Anfang an so.
In der gleichen Woche habe ich dann gewechselt, aber zum
letzten Mal. Sie bietet mittags mehr Möglichkeiten an
Sport und Unterricht. Jedoch habe ich einen Verlust an Schülern
gehabt. Die Schüler auf der anderen Schule waren netter.
Nicht, dass alle nicht nett sind, aber mit dem größten
Teil von der anderen schule habe ich mich besser verstanden.
Habe aber auch immer noch Kontakt mit den anderen. Ab diesem
Tag ging es mir schon besser.
Ich war auch froh, dass sich alles jetzt so ein bisschen
beruhigt.
Mit meinem Portugiesisch klappt es jetzt schon besser, kann
mich schon ein bisschen verständigen. Die Schüler
auf der Schule haben sich auch beruhigt. Ist ja schon was
Tolles so ein Deutscher. Naja bin jetzt endlich ein Schüler
wie jeder andere auch. Es wird zwar immer noch getuschelt,
aber es ist viel ruhiger. In den nächsten Wochen kommen
noch eine Türkin und ein Mexikanerin auf meine Schule.
Auch von Rotary.
Das Wetter ist hier gar nicht so, wie ich gedacht hatte.
Es ist richtig kalt, ich friere sogar. Habe meine Wintersachen
natürlich zu Hause gelassen, da ich natürlich in
Brasilien bin. Hätte aber gerne eine dicke Jacke einpacken
können.
Aber so langsam kommt auch hier der Sommer und es wird ein
bisschen wärmer.
Meine Familie ist sehr lieb und freundlich. Kann leider nur
kein Englisch. Ist manchmal mit der Verständigung etwas
schwierig. Habe zwar auch eine Gastschwester in meinem Alter,
diese kann aber nur ein bisschen englisch. Aber ich muss
ja auch lernen portugiesisch zu sprechen. Diese Familie versucht
alles für mich zu machen, was in ihrer Macht steht.
Aber das ist hier so eine Mentalität. Jeder hier empfängt
einen sehr höflich und nimmt dich auf, als wenn man
zur Familie gehört. Das gefällt mir hier sehr gut.
In ca. 1 ½ Monaten wechsle ich meine Familie und dann
nach wiederum ca. 3 Monaten wechsle ich noch einmal.
Schöne Grüße
Malte Gesser
Bericht 2
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