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"Ich weiß, dass ich als Jugendlicher los geflogen bin und als Erwachsener wieder zurückkam". Reisen verändert den Menschen, vor allem den jungen. Ein Jahr verbrachte Fabian Meissner aus Marl als Gast des Rotary-Clubs in Mexiko - ein Jahr, das er niemals vergessen wird.

Hier sein Reisebericht:

Ein Jahr 10000 Kilometer weit weg von zu Hause, auf mich gestellt, eine fremde Sprache und Kultur. Ein neues Leben beginnen. Das war mein Austauschjahr in Mexiko. Das bisher größte Abenteuer meines Lebens.
Alles begann mit der Idee, ein Jahr meine Heimat zu verlassen, um etwas Neues kennen zu lernen. Also habe ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Ort und einer Organisation gemacht.
Der "Rotary International Youth Exchange" wird organisiert vom Rotary Club - ein Club, der weltweit in ca. 150 Ländern existiert und eines der umfassendsten Austauschprogramme der Welt organisiert. Nach der erfolgreichen Bewerbung und einigen Monaten der Vorbereitung hieß es Abschied nehmen.
Einige Tage nach der Ankunft in Mexiko musste ich eingestehen, dass es anders war, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte an mexikanische Cowboys gedacht, mit Sombrero auf dem Kopf und einem Tequila in der Hand.
Doch Mexiko ist viel mehr. Es ist ein Land, das mehr als fünfmal so groß ist wie Deutschland, jedoch nur 105 Millionen Einwohner hat.
Es ist ein Land, das eine Kultur hat, die, vor allem so interessant und einzigartig ist, da sich die spanischen und indianischen Einflüsse sehr interessant mischen. So kann man unter anderem die Pyramiden der Mayas bestaunen oder spanische Kolonialstädte besichtigen.
Es ist aber auch ein Land großer Ungleichheit.
Die ersten sechs Monate habe ich in einer sehr kleinen Wohnung verbracht, in der es keine heiße Dusche gab. Dann jedoch wechselte ich zu meiner zweiten Familie, die eine riesige Villa mit Pool besitzt, ein eigenes Boot hat und vom Haus eine Atem beraubende Sicht auf den Golfplatz. Meine persönliche Erfahrung war, dass man entweder reich oder arm ist in diesem Land.
Interessant war es auch, den Schulalltag für ein Jahr kennen zu lernen. Mein Eindruck war, dass vor allem die Art des Lehrens anders ist als in Deutschland. Es wurde diktiert, nicht diskutiert.
In meiner Freizeit war ich sehr gern am fünf Minuten entfernten Strand oder habe auch für kurze Zeit als Delfintrainer gearbeitet.

Darüber hinaus wollte ich mehr von Mexiko kennen lernen. Aus diesem Grunde habe ich dann öfter meinen Koffer gepackt und bin auf Reisen gegangen.
Die Mexikaner habe ich wirklich lieben gelernt. Sie sind unheimlich offen, gastfreundlich, herzlich und lebensfroh. Außerdem sind sie auf Körperkontakt und Herzlichkeit bedacht.
Man begrüßt sich zum Beispiel mit einem Kuss auf die Wange, der meistens begleitet wird von einem freundlichen "Sehr erfreut, Sie kennen zu lernen".
Ich hatte auch die Möglichkeit, einmal die ganz armen Mexikaner kennen. Sie haben mich sehr überrascht. Obwohl viele gerade mal dafür sorgen können, dass abends etwas zu essen auf dem Tisch liegt, sieht man sie selten ohne ein Lachen auf dem Gesicht. Für sie zählt die Familie. Man verbringt sehr viel Zeit zusammen, die Altersversicherung sind die Kinder.
An den letzten Tagen meines Austausches kam die ganze Familie - 110 Menschen - zu einer großen Feier zusammen.
Es ist einfach ein einmaliges Gefühl, zu sehen, wie alle zusammen Spaß haben und voneinander lernen - beginnend bei der 90-jährigen Uroma bis zum gerade geborenen Baby.
Mexiko besitzt eine hervorragende Küche, die sehr durch Maisprodukte geprägt ist. Das Besondere daran ist, dass die spanischen und indianischen Gerichte sich ergänzt und modifiziert haben. Zudem ist die Küche auch eine der schärften der Welt.
Typische Gerichte sind "Tacos" (Maisfladen mit Fleisch, Käse oder ähnlichen Zutaten) oder "mole poblano" (eine Sauce aus Kakao, Chili und sehr vielen verschieden Nüssen).
Landschaftlich hat Mexiko alles zu bieten, von Wasserfällen und Karibik-Stränden bis hin zu riesigen Bergmassiven und zur Wüste. Es gibt eine unglaubliche Vielfalt an Kolonialstädten, die ursprünglich von den Spaniern gegründet wurden zum Gold- und Silber-Abbau.
Zudem bietet Mexiko Traumstrände mit weißem Sand, türkisblauem Wasser und Palmen, soweit das Auge reicht.
Wenn ich jetzt in die Zukunft blicke, kann ich mir ein Leben in diesem Land wirklich gut vorstellen. Denn ich habe mich in diesem Land sehr wohl gefühlt und sehe wirtschaftlich auch noch sehr viel Potenzial.
Es war das schönste und ereignisreichste Jahr meines Lebens. Ich habe sehr viel über mein Land und Mexiko gelernt, über mich selbst und auch darüber, was mir im Leben wichtig ist.


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letztes Update 02.10.2006